Interview

Angela Merkel packt über ihre Zitter-Anfälle aus

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Ex-Kanzlerin Angela Merkel meldet sich selten öffentlich zu Wort. In einem offenen Interview spricht sie nun schonungslos über Rückschläge, ihre Gesundheit und die aktuelle Politik.
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Das 45-minütige Talk-Format "Bestbesetzung" mit Johannes B. Kerner, das bei Magenta TV läuft, fand im Berliner Bode-Museum statt. Dort gab die 72-jährige CDU-Politikerin seltene Einblicke in ihr Innerstes. Ein prägendes Thema war ihr mehrfaches Zittern im Jahr 2019.

Die Ex-Kanzlerin erklärte, dass ihr Körper ihr aufgrund großer persönlicher Belastungen ein Stopp-Signal gesendet habe:

“Als ich damals 2019 gezittert habe, bei militärischen Ehren, wo sich auch so Spannung entladen hat, wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören, da setzt der Körper dann einfach Zeichen und das ist ja menschlich etwas sehr, sehr Gutes.”

Angela Merkel

Eine Auszeit erlaubte sie sich damals nicht, sondern absolvierte militärische Ehren im Sitzen. Sie räumte auf Nachfrage ein, sich wahrscheinlich zu wenig Zeit für die Trauer um ihre Mutter genommen zu haben: "Ich habe es ja jetzt nicht direkt so empfunden, aber das war eben auch so ein Signal des Körpers: Jetzt mach mal Stopp und dann muss man das eben auch so machen."

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Warnung vor dem gereizten Klima

Mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD und der Linken äußerte Merkel Sorgen um Deutschland. Sie beobachte, dass "das, was mir in der Politik so wichtig war, Maß und Mitte, dass das immer weiter verschwindet." Den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU mit der AfD und der Linken nannte sie richtig. Der Linken warf sie vor, eine in der heutigen Zeit "vollkommen inakzeptabel" geltende Haltung zur Nato zu haben. Auch die Haltung von Teilen der Partei zu Israel und Juden kritisierte sie scharf: "Die Linke hat hier in Berlin ein sehr, sehr schweres Problem, was den Antisemitismus anbelangt." Andere Parteien mahnte sie, nicht nur über die AfD zu sprechen, sondern die eigenen Werte zu betonen, um Wähler zu überzeugen.

Kritik an späten Verteidigungsausgaben

Zur Strategie unter Friedrich Merz erklärte sie, dass "CDU pur" keine Wirtschaftspolitik sei, sondern eine Brücke zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Zuwanderern und Einheimischen sowie zwischen Stadt und Land. Auch die Verteidigungspolitik kam zur Sprache, wobei sie im Rückblick eigene Versäumnisse eingestand: "Die Anhebung der Verteidigungsausgaben war nicht schnell genug in meiner Amtszeit seit 2015." Zum Atomausstieg während ihrer Kanzlerschaft stehe sie jedoch weiterhin fest, da dieser zur gesellschaftlichen Befriedung beigetragen habe.

Wunsch nach erster Bundespräsidentin

Die ehemalige Kanzlerin sprach sich zudem deutlich für eine Frau an der Spitze des Staates aus: "Ich würde es mir wünschen. Es gibt 77 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und es gab noch nie eine Frau als Bundespräsidentin." Sie betonte, dass es durchaus geeignete Unionsfrauen gebe. Zufrieden zeigte sie sich abschließend mit ihrem Kanzlerinnen-Porträt im Bode-Museum. Sie sehe in dem Gemälde keinen Zynismus, sondern "die Spuren der Macht und trotzdem nach wie vor eine gewisse leichte Fröhlichkeit und auch ein bisschen was Gutmütiges."