Lange Schlangen
Angst vor Putin: Russen plündern jetzt ihre Konten
Immer mehr Sparer und Unternehmen ziehen deshalb Geld von ihren Bankkonten ab. Die Entwicklung wird zunehmend zu einer Belastung für das russische Finanzsystem.
Nach Angaben der russischen Zentralbank wurden allein in den ersten beiden Augustwochen umgerechnet fast drei Milliarden Euro abgehoben. Im Juli waren es mehr als sechs Milliarden Euro, im Juni knapp vier Milliarden. Das Geld landet offenbar zunehmend in bar oder außerhalb des Bankensystems.
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Die "Washington Post" berichtet von wachsender Nervosität in der Bevölkerung. "Drohnen fliegen. Dinge brennen nieder. Nervosität wächst", zitiert die Zeitung einen ehemaligen hochrangigen Finanzbeamten. Er beschreibt zudem die Folgen für die Banken: "Sie haben das ganze Geld woanders investiert", sagt er. "Und die Leute kommen und heben eine halbe Billion Rubel im Monat ab."
Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko sieht darin einen deutlichen Vertrauensverlust. "Das ist alles eine Konsequenz aus der Angst, dass die Regierung etwas mit den Banken vorhat, dass sie Anlagen verstaatlichen könnte", sagt sie. Besonders brisant ist ihre weitere Warnung: "Ich würde nicht ausschließen, dass die Behörden ein Abhebelimit einführen könnten."
Die Sorgen kommen nicht von ungefähr. Russland hat zwischen 2022 und Ende 2025 bereits Vermögenswerte im Umfang von rund 6,5 Billionen Rubel verstaatlicht. Gleichzeitig verschärft sich die finanzielle Lage des Staates: Das Haushaltsdefizit belief sich allein im ersten Halbjahr 2026 laut "Washington Post" auf umgerechnet rund 65,5 Milliarden Euro – deutlich mehr als ursprünglich geplant.