Auf Wiens Arbeitsmarkt geht es wieder bergauf. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober erneut gesunken, doch von der Erholung profitieren längst nicht alle. Vor allem ältere Jobsuchende haben es weiterhin schwer. Das AMS Wien stellt deshalb zusätzlich 17 Millionen Euro bereit, um Menschen ab 55 Jahren den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Im Oktober waren 121.892 Menschen beim AMS Wien arbeitslos gemeldet, um 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Schulungsteilnehmer ging um 3,9 Prozent auf 33.153 zurück. Insgesamt sank die Zahl beider Gruppen damit um 2,8 Prozent.
Ältere Jobsuchende haben es schwerer
Während die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer unter 25 Jahren um 6,7 Prozent zurückging, stieg sie bei den über 50-Jährigen um 1,6 Prozent. "Zwei größere Gruppen beschäftigen uns allerdings noch: ältere Arbeitsuchende und Junge auf Lehrstellensuche", erklärt AMS-Wien-Chef Winfried Göschl.
Um gegenzusteuern, investiert das AMS nun zusätzlich 17 Millionen Euro in die Unterstützung von Menschen ab 55 Jahren. Ein Teil des Geldes fließt in die sogenannte Eingliederungsbeihilfe. Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen, erhalten dabei zeitlich befristete finanzielle Zuschüsse. "Für Jobsuchende kann das im Vorstellungsprozess der entscheidende Vorteil sein", betont Göschl.
Mit dem restlichen Geld werden zusätzliche Plätze in Angeboten geschaffen, die den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern sollen. Dazu zählen etwa gemeinnützige Beschäftigungsprojekte für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer vermittelbar sind.
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Finanzielle Anreize für Lehrbetriebe
Auch bei der Ausbildung junger Menschen setzt das AMS auf finanzielle Anreize. Förderungen können etwa Betriebe erhalten, die Frauen in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil ausbilden oder Menschen über 18 Jahren durch eine Lehre neue Berufschancen eröffnen. "Wir appellieren an Betriebe, unbedingt junge Menschen auszubilden, die Wiener Wirtschaft wird diese schon sehr bald brauchen", so Göschl.
Je nach Branche fällt die Entwicklung allerdings unterschiedlich aus. Im Baugewerbe ging die Arbeitslosigkeit im Oktober um 5,5 Prozent zurück, in der Hotellerie und Gastronomie um vier Prozent. Im Einzelhandel stieg sie dagegen um 3,4 Prozent, in der Warenproduktion um ein Prozent.
Ludwig sieht Wien auf richtigem Kurs
Die SPÖ wertet die aktuellen Zahlen als Bestätigung ihrer Arbeitsmarktpolitik. Die Zahl der Beschäftigten steige seit mehr als fünf Jahren durchgehend und stärker als im österreichweiten Durchschnitt. Zudem verweist man darauf, dass die Zahl der Arbeitsuchenden bereits den neunten Monat in Folge gesunken sei. Wien habe als einziges Bundesland die Rezession abwehren können und durchgehend Wirtschaftswachstum verzeichnet.
"In Wien kämpfen wir um jeden Arbeitsplatz", erklärt Bürgermeister Michael Ludwig. Dabei verweist er auf die Beschäftigungsprogramme des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff). Um die Wirtschaft weiter anzukurbeln, setzt Ludwig auf Investitionen in Zukunftsbranchen. Diese sollen auch bei der kommenden Landeshauptleute-Konferenz Thema sein.
Zu den bestehenden Maßnahmen zählen die Joboffensive für Jugendliche, die Joboffensive 50+, das Jugendcollege sowie die Frauenstiftung. Mit diesen Angeboten will die Stadt Menschen beim Einstieg und Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützen.
Wien hat geringste Einkommenslücke
Anlässlich des österreichweiten Equal Pay Day am 5. November verweist die SPÖ auch auf die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern. Diese fallen in Wien laut den vorliegenden Daten geringer aus als in allen anderen Bundesländern. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Kinderbetreuung. Rund 89 Prozent der betreuten Kinder besuchen Einrichtungen, deren Öffnungszeiten eine Vollzeitbeschäftigung der Eltern ermöglichen. Die Stadt setzt dafür unter anderem auf beitragsfreie Kindergärten und ganztägige Betreuungsangebote.
Trotz der vergleichsweise geringen Einkommenslücke sieht Ludwig weiterhin Handlungsbedarf. "Gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden", fordert der Bürgermeister. Für SPÖ-Wien-Landesparteisekretär Jörg Neumayer steht vor allem die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen im Mittelpunkt. Der waff und die Frauenstiftung sollen ihnen zusätzliche Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung eröffnen. "Wirtschaftliche Unabhängigkeit und gleiche Chancen dürfen keine Frage des Geschlechts sein", betont Neumayer.