Prix Versailles 2026
Architekturpreis: Diese Bahnhöfe gehören zu den schönsten der Welt
Bahnhöfe sind meistens Orte, an denen man sich beeilt: Man hetzt von A nach B, hofft auf pünktliche Züge und weicht im Gedränge den Mitreisenden aus. Doch Bahnhöfe können weit mehr sein als reine Verkehrsknotenpunkte – mit außergewöhnlicher Architektur werden sie selbst zu visuellen Erlebnissen. Das zeigt auch der renommierte Architekturpreis Prix Versailles, der sieben Bahnhöfe für ihre herausragende Gestaltung ausgezeichnet hat. Eines haben alle sieben gemeinsam: Sie wurden entweder komplett neu gebaut oder umfassend modernisiert.
Town Hall Station, Melbourne, Australien
Wer unter dem historischen Zentrum Melbournes in die neue Town Hall Station hinabsteigt, betritt beinahe eine Kathedrale. Ganze zehn Meter ragen die kupferfarbenen Gewölbedecken über den extrabreiten Bahnsteigen in die Höhe. Getragen wird das Dach von acht gewaltigen Säulen, deren Spitzen sich wie Äste eines Baumes verzweigen. Ein unterirdisches Meisterwerk, das mit integrierten Kunstwerken lokale Geschichte und Architektur feiert.
Lyon Part-Dieu Station, Lyon, Frankreich
Nach einem rund zehnjährigen Umbau erstrahlt einer der größten Verkehrsknotenpunkte Europas in neuem Glanz. Der Bahnhof in Lyon hat seine Größe verdoppelt und sich mit neuen Eingängen und öffentlichen Plätzen komplett zur Stadt hin geöffnet. Ein absolutes Highlight: Part-Dieu verfügt nun über das größte Fahrradparkhaus ganz Frankreichs!
Colosseo - Fori Imperiali Station, Rom, Italien
U-Bahn-Station oder doch eher ein archäologisches Museum? In Rom wird die tägliche Fahrt zur Arbeit zur Zeitreise. Antike Schätze und Ruinen, die während der Bauarbeiten entdeckt wurden, haben die Architekten direkt in die Station integriert. Nirgendwo sonst verschmilzt moderne Infrastruktur so nahtlos mit der alten Geschichte des Römischen Reiches.
Monte Sant’Angelo Station, Neapel, Italien
Ebenfalls in Italien liegt eine Station, die ein wahres skulpturales Kunstwerk ist. Entworfen vom berühmten Künstler Anish Kapoor (zusammen mit Future Systems und AL_A), bringt dich diese Station stolze 48 Meter unter die Erde. Inspiriert von Höhlen, brodelnden Vulkanen und Dantes "Inferno", macht dieser Ort den Weg in den Untergrund zu einer spektakulären, mystischen Erfahrung.
National Museum Station, Riad, Saudi-Arabien
Riad sichert sich dieses Jahr gleich zwei Plätze auf der begehrten Liste. Die erste Station ist als repräsentatives Tor zum Nationalmuseum konzipiert. Ihre auffällige, steinartige Außenfassade ahmt die dramatische Landschaft des Tuwaiq-Gebirges nach und bedient sich an dreieckigen Elementen der traditionellen Najdi-Architektur. Betritt man die Station, erlebt man einen Aha-Moment: Das Innere strahlt im Kontrast dazu in einem spektakulären, tiefen Blau.
Western Station, Riad, Saudi-Arabien
Ein Architektur-Traum aus 1001 Nacht: Die von Omrania entworfene Western Station zieht ihre Inspiration aus den weichen, geschwungenen Linien von Wüstendünen. Dabei ist die Haltestelle weit mehr als nur ein Abfahrtsort. Das Areal fungiert als grüne Oase und verknüpft den Verkehr mit Gärten, weitläufigen Fußgängerzonen, Geschäften und sogar einer eigenen Moschee.
LAX/Metro Transit Center, Los Angeles, USA
Die Vereinigten Staaten werden durch einen neuen Verkehrsknotenpunkt in Los Angeles vertreten, der den Flughafen künftig noch besser an das städtische Netz anbindet. Die Juroren lobten besonders das luftige, von Licht durchflutete Design, die geschwungenen Glasdächer und den starken Fokus auf Nachhaltigkeit. Dank natürlicher Belüftung, cleverer Schattenspender und riesiger Solarpaneele produziert die Haltestelle etwa die Hälfte der benötigten Energie gleich selbst.
Alle sieben Haltestellen sind bereits prämierte Finalisten. Ende des Jahres werden am UNESCO-Hauptsitz in Paris zusätzlich noch drei Welt-Titel für herausragendes Interior- und Exterior-Design unter diesen Meisterwerken vergeben.