Der belgische Tiefkühlriese Ardo zieht sich aus dem Marchfeld zurück. Das Werk wird im kommenden Jahr geschlossen, die Maschinen werden abgebaut. Rund 190 Beschäftigte und etwa 50 Leiharbeitskräfte verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Gewerkschaft PRO-GE tobt. Angebote zur Unterstützung oder Übernahme hat der Konzern abgelehnt. Das ist laut PRO-GE-Chef Reinhold Binder "verantwortungslos". Aus Sicht der Gewerkschaft zählt für Ardo der Profit mehr als Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.
Versorgung in Gefahr
Der Jobverlust allein ist schon schlimm genung. Aber: Es geht um weit mehr als 240 Jobs. Das Werk ist Österreichs wichtigster Lieferant für Tiefkühlgemüse. Die Folgen spüren die Landwirte schon jetzt: Medien berichten, dass der Herbstanbau von Tiefkühlspinat für die nächste Frühjahrsernte bereits dort und da ausgeblieben ist.
Rund 350 niederösterreichische Betriebe stehen ohne Abnehmer da. Efko hat zwar angekündigt, ihnen das Gemüse abzukaufen, fix ist aber nichts. Für manche Höfe kann das Aus existenzbedrohend werden, warnt Robert Kriegl von der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse.
Streit ums Geld
Parallel dazu wird über den Sozialplan verhandelt. Binder nennt das bisherige Angebot völlig unzureichend. Wer Beschäftigte nach vielen Jahren vor die Tür setzt, muss dafür auch ordentlich zahlen. Außerdem fordert er Ardo auf, Gespräche über eine Übernahme endlich zuzulassen.
Doch Ardo ist kein Einzelfall, sondern nur die Spitze des Eisbergs. Für Wifo-Ökonom Franz Sinabell steckt dahinter ein Strukturwandel: Auch Teile der Milch- und Fleischbranche geraten unter Druck. Die Ursachen sind für ihn teure Energie, hohe Lohnnebenkosten und eine ausufernde Bürokratie.
Erstes Minus aller Zeiten
Katharina Koßdorff vom Fachverband Lebensmittelindustrie der WKO spricht von einem alarmierenden Wendepunkt. Heuer schrumpft die Branche erstmals, seit es Aufzeichnungen gibt. Das Produktionsvolumen sinkt um 5,4 Prozent, die Exportmengen gehen um 5,2 Prozent zurück, und das trotz hoher Agrarförderungen. Bis Jahresende ist das laut Koßdorff nicht mehr aufzuholen.
Mehrere bekannte Hersteller geraten ins Wanken. Rupp Käse meldet Gewinneinbrüche, auch bei Manner läuft es schlechter, und Agrana hat ein heimisches Werk dichtgemacht. Die Hiobsbotschaft: Dadurch kann sich Österreich erstmals nicht mehr selbst mit Zucker versorgen.
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Appell an die Politik: Alles importieren ist keine Lösung
Koßdorff sieht darin ein klares Warnsignal: Der Standort muss attraktiver werden, sonst gehen nicht nur Jobs verloren, sondern auch Versorgungssicherheit. Alles zu importieren ist keine Lösung.
Ihr Appell an die Bundesregierung lautet daher, rasch und entschlossen zu handeln und die Finger von Eingriffen in Preise und Margen zu lassen. Die Branche hofft, dass auf Ardo kein weiterer Fall folgt, denn die Warnsignale sind längst unüberhörbar.
Solidaritätsaufruf des Betriebsrats
Der Betriebsrat schlägt Alarm und startet einen Solidaritätsaufruf gegen die Schließung im August 2027. Konsumenten posten in sozialen Netzwerken Fotos mit Schildern wie "Regional statt international". Damit soll der Druck auf Ardo steigen, denn vielleicht gibt es doch noch eine Chance für das Werk. Betriebsratsvorsitzender Dietmar Breiner warnt in einem Video vor leeren Tiefkühlregalen: "Wir sind derzeit der einzige Lieferant für alle nennenswerten Ketten in Österreich." Rückendeckung kommt von AKNÖ-Präsident Markus Wieser, der einen "rot-weiß-roten Schulterschluss" fordert und einen Sozialplan verlangt, der alle Härten abfedert. Ein Hilfspaket von Bund und Land hat Ardo bereits abgelehnt.