ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick lässt beim Thema Nationalstadion nicht locker. Drei bis vier private Investoren würden für den Bau einer modernen Arena bereitstehen, behauptet der Deutsche. Während die FPÖ der Stadtregierung vorwirft, das Projekt seit Jahren zu blockieren, weist das Büro von Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) die Kritik zurück.
In der ORF-Sendung "Das Gespräch" hat Rangnick seinem Ärger über die schleppende Diskussion Luft gemacht. Statt über Möglichkeiten eines Neubaus zu sprechen, werde aus seiner Sicht vor allem nach Gründen gesucht, warum das Projekt nicht umsetzbar sei. Dabei habe er bereits mehrfach Gespräche mit der Wiener Stadtregierung geführt, ohne dass es gelungen sei, konkrete Szenarien für ein neues Stadion zu diskutieren. Dabei gebe es längst Interessenten, die das Vorhaben finanzieren könnten.
"Wir haben drei oder vier Investoren an der Hand, die sofort, die übermorgen da wären und diese komplette Arena übernehmen würden. Also das würde das Land Österreich keinen einzigen Euro kosten", erklärte der Teamchef. Sein Wunschstandort bleibt das Ernst-Happel-Stadion im Prater. Vor allem die Verkehrsanbindung und die Nähe zur Innenstadt sprechen für Rangnick dafür. Dass bei einem möglichen Neubau immer wieder Denkmalschutz und Grundwasserprobleme ins Treffen geführt werden, kann er nicht nachvollziehen.
FPÖ wirft Ludwig und Hacker Blockade vor
Auch die FPÖ schaltet sich in die Debatte um ein neues Nationalstadion ein. Landesparteiobmann Dominik Nepp wirft der Stadtregierung vor, das Vorhaben seit Jahren zu blockieren. "Wenn private Investoren bereitstehen und die Steuerzahler keinen Cent für die Errichtung bezahlen müssen, gibt es keine Ausreden mehr. Ludwig und Hacker müssen offenlegen, seit wann sie davon wissen, welche Gespräche geführt wurden und warum sie dieses Projekt blockiert haben", kritisiert Nepp. Die FPÖ kündigt dazu Gemeinderatsanfragen an. Österreich verdiene ein modernes Nationalstadion.
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Hacker-Büro widerspricht Vorwürfen
Doch im Büro von Sportstadtrat Hacker zeichnet man ein anderes Bild. "Mit großem Interesse haben wir die Aussagen des ÖFB zum Nationalstadion gehört. Der ÖFB-Präsident ist herzlich eingeladen, uns seine Konzepte, Machbarkeiten und Investoren zu präsentieren", heißt es auf oe24-Anfrage.
Bisher liege der Stadt nichts Konkretes vor, insbesondere kein Konzept für einen Stadionneubau ohne Beteiligung der öffentlichen Hand. Auch die Behauptung, dass Gespräche verweigert würden, lässt man so nicht stehen: "Es gibt auch keine Gesprächsanfrage seitens des Teamchefs, lediglich Aussagen in Interviews." Die Türen für Gespräche stünden jedenfalls offen, sofern der ÖFB konkrete Pläne vorlege.
Stadion-Vision mit ungewöhnlichen Extras
Dabei gibt es durchaus schon einen spektakulären Stadionentwurf. Wie oe24 bereits im Juni berichtet hat, arbeitet Kurt Zöchling seit Jahren an seiner Vision einer "Arena Austria". Die geplante Multifunktionsarena soll 60.000 Fußballfans Platz bieten und über ein verschließbares Dach sowie eine integrierte, 123 Meter hohe Skisprungschanze verfügen. Die geschätzten Baukosten liegen bei rund 700 Millionen Euro. Als mögliche Standorte sieht Zöchling das Areal des Ernst-Happel-Stadions oder das ehemalige General-Motors-Werk in Aspern vor.
Nach den Vorstellungen Zöchlings wäre die Arena für Großveranstaltungen unterschiedlichster Art gerüstet. Neben Fußballspielen der Champions League, Europa League oder Nations League könnten dort auch Bewerbe im Rahmen Olympischer Sommer- und Winterspiele sowie Europa- und Weltmeisterschaften stattfinden.
Selbst E-Sports-Veranstaltungen, Reit- und Springturniere sowie Triathlonbewerbe sind in dem Konzept vorgesehen. Angedacht ist sogar ein Sporthotel mit 600 Apartments, eine Shoppingmeile und ein Sportmuseum.
"Das ist nicht finanzierbar"
Die "Arena Austria" soll damit weit über die Nutzung eines klassischen Fußballstadions hinausgehen und ganzjährig internationale Sportveranstaltungen ermöglichen.
Im Büro Hacker zeigt man sich von den ambitionierten Plänen allerdings wenig beeindruckt. Der Entwurf der "Arena Austria" wird gegenüber oe24 als "Luftnummer" bezeichnet. "Das ist nicht finanzierbar", heißt es.