Behördenpannen

Asbest-Zeitbombe: Parbasdorf versinkt im Gift-Skandal

© zVg
Unfassbares Behördenverhalten im Marchfeld: Nach einem rechtskräftigen Abbruchbefehl der BH Gänserndorf wurde ein massiver Siebturm zum Einsturz gebracht – mit wohl katastrophalen Folgen für die Umwelt.
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Parbasdorf. Es sind Bilder, die fassungslos machen und einen der wohl größten Justiz- und Umweltskandale Niederösterreichs offenlegen. Im Zentrum des Marchfelds ist ein massiver, unkontrollierter Umweltschaden eingetreten – und das in einer der sensibelsten Agrarregionen des Landes.

Die Rede ist von den verbliebenen Bauruinen des historischen Schotterabbaus aus den 1980er-Jahren auf der Altdeponie in Parbasdorf. Das Drama spielt sich direkt angrenzend an intensiv genutzte Felder ab, auf denen unter anderem wertvolle Bio-Landwirtschaft betrieben wird. Genau hier gelangen nun wohl giftige Partikel ungehindert in den Naturkreislauf.

Fakt 1: Das Asbest-Desaster nach dem Abbruchbefehl

Die Chronik des Versagens ist lückenlos dokumentiert: Bereits im Jahr 2018 erließ die Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf einen offiziellen Abbruchbescheid für die sogenannten "Schwarzbauten" im Grünland und im Naturschutzgebiet, der 2019 rechtskräftig wurde. Doch bei der Durchführung der Beseitigung des massiven Siebturms kam es zum absoluten Super-GAU: Der Turm stürzte ohne ausreichende Schutzmaßnahmen auf das direkt angrenzende, darunterliegende Gebäude.

Wellernit-Dach aus hochgradig gefährlichem Asbest. © zVg

Das Problem: Dieses Gebäude war mit einem großflächigen Wellernit-Dach aus hochgradig gefährlichem Asbest gedeckt. Durch die Wucht des Aufpralls brach der Dachstuhl zusammen. Die spröden Eternitplatten wurden zertrümmert und brechen durch die Witterung seither regelmäßig weiter auseinander. Da der zertrümmerte Dachstuhl völlig ungeschützt Regen und Wind ausgesetzt ist und fortschreitend vermodert, drohen die gefährlichen Stoffe nicht mehr nur freigesetzt zu werden – krebserregende Asbestfasern gelangen durch die fortschreitende Verwitterung in die Umwelt und gefährden durch den Windabdrift potenziell die angrenzenden Bio-Anbauflächen. Obwohl der Bescheid seit 2019 rechtskräftig ist, sieht die BH Gänserndorf dem giftigen Zerfall somit schon seit Jahren tatenlos zu.

Fakt 2: Das Gift-Mais-Paradoxon

Der absolute Gipfel der behördlichen Verschleierungsversuche fliegt nun bei der landwirtschaftlichen Nutzung der Parbasdorfer Altdeponie auf. In einer offiziellen, schriftlichen Stellungnahme der Unternehmenskommunikation des Umweltbundesamtes vom 6. Oktober 2026 gegenüber oe24 heißt es: "[…] Unabhängig davon, lag eine landwirtschaftliche Nutzung 'direkt auf dem Müllkörper' weder damals vor, noch ist dies aktuell der Fall."

Die Realität vor Ort sieht jedoch anders aus: Nur einen Tag nach diesem offiziellen Dementi dokumentieren exklusive Aufnahmen vom 7. Oktober 2026 (15:58 Uhr) den aktiven Ackerbetrieb direkt auf dem belasteten Deponiekörper. Auf den Bildern ist ein reifes Maisfeld unanfechtbar festgehalten.

Unverkennbar ein Maisfeld. © zVg

Noch schockierender sind die vorliegenden Nahaufnahmen des Anbaus: Die Fotos dokumentieren das wahre Ausmaß und zeigen krankhaft verkümmerte, deformierte und tiefschwarz verfaulte Maiskolben, die auf diesem kontaminierten Untergrund gewachsen sind. Auch ein Blick auf die offizielle Homepage des örtlichen Fischervereins demontiert das behördliche Konstrukt, da dort seit Jahren reger Ackerbetrieb und der Anbau von Feldfrüchten auf dem Areal dokumentiert sind.

Deformierte Maiskolben auf besagtem Feld. © zVg

Fakt 3: Der kommerzielle Kaufplan und die Spurenverwischung im Netz

Insider vermuten hinter dieser selektiven Schikane und dem wegschauenden Verhalten der Behörden ein wirtschaftlich motiviertes Verdrängungsmotiv. Warum wird diese Asbest-Katastrophe seit Jahren unvollstreckt geduldet? Möglicherweise, weil der Staat im Rahmen der Amtshaftung für die verpfuschte Beseitigung und den Einsturz des Asbestdaches im Zuge des behördlichen Verfahrens selbst finanzielle Verantwortung riskiert.

Geplante Widmungsänderung. © zVg

Dass es sich um ein Verdrängungsmanöver handeln dürfte, darauf weisen offizielle, brisante Dokumente der Gemeinde Parbasdorf zur Änderung des örtlichen Raumordnungsprogramms aus dem Sommer 2026 hin. Dort wird etwa schriftlich festgehalten: "Zwischenzeitlich gibt es von Seiten der Gemeinde Parbasdorf Interesse, diese Fläche ins Eigentum zu übernehmen."

Die Absicht, schriftlich festgehalten. © zVg

Zur Absicherung dieses Plans wird die Raumordnung vermutlich als Blockadewerkzeug angewandt, um den rechtmäßigen Betrieb gezielt zu verhindern, wie der Planer DI Michael Fleischmann im Entwurf offen zugibt: "Um zukünftig jede bauliche Nutzung am Standort hintanzuhalten, soll eine Widmungsänderung in Grünland-Freihaltefläche-Energieerzeugung vorgesehen werden."

Ist der Masterplan der Gemeinde eine Widmungsänderung?

Das fassungslose Finale des Masterplans folgt prompt: Sobald das strategisch wertvolle, rund 10,8 Hektar große Nachbargrundstück spottbillig an die Gemeinde fällt, soll es gewerblich vergoldet werden: "Damit könnte mittelfristig (...) wenn die Flächen im Eigentum der Gemeinde stehen, eine Widmungsänderung für die Nutzung als Photovoltaik-Flächen angestrebt werden."

Die Optik ist gelinde gesagt "nicht optimal". Für die beteiligten Beamten und Kommunalpolitiker dürfte die Luft etwas dünner werden.