oe24-Interview

Assinger: "Warum überdachen wir nicht die Hohe-Wand-Wiese?"

© Andreas Tischler / Vienna Press
Ski-Legende & "Mr. Millionenshow" über die rot-weiß-rote Alpin-Krise, Skihalle und Nationalstadion.
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Als ehemaliger Skirennläufer und späterer Chef der Bundes-Sport GmbH kennt Armin Assinger (62) die heimische Sport-Szene wie kaum ein anderer. Lesen Sie, was "Mr. Millionenshow" zu Österreichs Weltcupchancen zu sagen hat, bzw. wie er zur vielseits geforderten Skihalle oder einem Nationalstadion steht.

oe24: Armin, wie hat Ihnen der Weltcup-Auftakt in Sölden gefallen?

ASSINGER: Vom Wetter her war‘s perfekte Werbung, sportlich gesehen war‘s zumindest bei den Damen eher mau. Ich hoffe, dass Julia Scheib die Enttäuschung bis zum nächsten Derby in Killington (am 28. November, d. Red.) wegsteckt. So ein Ausfall hinterlässt Spuren auf einer Sportlerseele. ABER: Das Wissen, dass sie superschnell unterwegs war, sollte ihr doch Sicherheit geben.

oe24: Wird Roland Assinger (Armins Bruder, d. Red.) als Nachwuchs-Entwickler die Herren-Speedkrise beenden?

ASSINGER: Roland hat schon vor fünf Jahren, als er nach Davos gegangen ist, ein Projekt wie es Franz Heinzer mit den Jungen in der Schweiz gestartet hat, vorgeschlagen. Aber dem ist der ÖSV nicht näher getreten. Inzwischen hat Heinzer Leute wie Von Allmen oder Monney hervorgebracht. Jetzt hofft man, dass Roland was Ähnliches schafft. Aber von heut auf morgen geht da nix.

oe24: Bei unseren Routiniers müssen wir hoffentlich nicht so lange auf Erfolgserlebnisse warten ...

ASSINGER: Super war der zweite Lauf von Raphael Haaser in Sölden. Im Golfen gibt‘s den Spru ch: ,Always shoot the second ball first‘. Ich hoffe, Raffi - ein passionierter Golfer - sliced in Zukunft seine ersten Bälle nicht so ins Rough wie in Sölden. Joshua Sturm hat großartige Voraussetzungen, leider hat er vor allem im flachen Schlussabschnitt den Killerinstinkt vermissen lassen. Marco Schwarz ärgert sich über seinen Ausfall selbst am meisten, aber der steckt das weg. Ich trau ihm zu, dass er in Zukunft die Big Points macht und um den Gesamtweltcup mitfährt.

"Mit seiner brasilianischen Lockerheit macht Braathen Rambasamba"

oe24: Da klopft nach Odermatt auch Braathen an ...

ASSINGER: Der hat sich gefunden. Mit der brasilianischen Lockerheit macht er Rambasamba. Damit ist das keine gmahte Wiesn mehr für Odermatt, der nicht mehr unantastbar zu sein scheint und plötzlich menschliche Züge zeigt.

oe24: Wieviel Norweger steckt noch in Braathen?

ASSINGER: Der norwegische Lebensstil hat ihn geprägt. Dort ist Bewegung das Um und Auf. Von den Norwegern könnten wir uns viel abschauen: Dort ist der Sport tief in der Mentalität verankert, da ist der Sport Teil der DNA.

oe24: Norwegens Fußballer haben bei der WM Brasilien ausgeschaltet. Bei uns kämpft Teamchef Rangnick verzweifelt um ein Nationalstadion ...

ASSINGER: ... und sofort kommt der Österreich-Reflex: Za wos brauch ma des? Zu teuer! Hab no nix davon gehört! Wo sind die Pläne?, etc. Das Gleiche bei der Skihalle.

Die Hohe-Wand-Wiese im 14. Wiener Gemeindebezirk hätte das perfekte Gefälle für eine Halle, die im Ballungszentrum Wien zigtausende Skifans anziehen würde. © Stadt Wien

oe24: Brauchen wir eine Skihalle wirklich?

ASSINGER: Selbstverständlich. Norwegen zum Beispiel hat ja auch eine, trotz kälterem und rauerem Klima. Wir müssen den Kindern in den Ballungsräumen den Schnee und damit den Wintersport und nicht nur das Skifahren schmackhaft machen. Für den Rennlaufnachwuchs wäre so eine Halle immens wichtig fürs Training. Das würde viel Geld, viel Zeit und somit einiges an Ressourcen sparen. Mit nachhaltiger Energiegewinnung mit Photovoltaik, Solarpanelen usw. kann man so eine Halle sicher vernünftig bewirtschaften. Es gibt ja in Wien die Hohe-Wand-Wiese, auf der es schon einmal ein Weltcuprennen gegeben hat (Parallel-Slalom 1986, d. Red.). Das Gefälle würde da wunderbar passen – wieso überdachen wir das nicht gleich? Und dass wir noch immer kein modernes Multifunktionalstadion für große Fußballspiele wie ein Champions-League-Finale haben, ist auch nicht unbedingt eine Auszeichnung für das Sportland Österreich, oder? Budapest hat so ein Stadion, in Polen gibt es eine großartige Leichtathletikhalle. Höchste Zeit, dass Österreich wieder auf der Landkarte internationaler Großereignisse abseits von Kitzbühel oder den Erste Bank Open auftaucht

oe24: Was wird früher realisiert: die Skihalle oder das Nationalstadion?

ASSINGER: Da glaub ich doch an die Skihalle - weil der ÖSV viel Power hat und zudem Skiindustrie bis Skitourismus dahinterstehen. Denn wer soll auf den modernsten Achter-Sesselliften mit Sitzheizung sitzen, wenn man den Kindern den Schnee nicht mehr schmackhaft macht?