Natur schwindet
Attersee-Ufer: 79 Prozent sind bereits verbaut
Attersee. Der Attersee kämpft derzeit mit einem außergewöhnlich niedrigen Wasserstand. Ende September zeigt die Messstation in Kammer am Attersee einen Pegel von lediglich 89 Zentimetern. Einen ähnlich niedrigen Stand gab es zuletzt Ende 2018, damals allerdings während der Wintermonate. Fachleute sehen neben der zunehmenden Trockenheit vor allem die Gestaltung der Ufer als entscheidenden Faktor für die Zukunft des Sees.
Rund 79 Prozent der Uferlinie des Attersees sind mittlerweile verbaut. Viele Grundstücke befinden sich in Privatbesitz. Um einen direkten Zugang zum Wasser zu ermöglichen und Uferbereiche zum Baden nutzen zu können, wurden über Jahre hinweg Stege, Mauern und Aufschüttungen errichtet. Für die Natur bleiben dadurch immer weniger unberührte Flächen.
Natürliche Ufer als wichtiger Lebensraum
Klimawissenschafterin und Landschaftsarchitektin Stephanie Drlik weist darauf hin, dass entlang des Attersees nur noch wenige Bereiche vorhanden sind, in denen Vögel ungestört brüten können. Auch Pflanzen finden an stark verbauten Ufern kaum geeignete Lebensräume. Gerade diese Vegetation erfüllt jedoch wichtige ökologische Funktionen und trägt unter anderem zur natürlichen Reinigung des Sees bei.
Die Trockenheit der vergangenen Monate verschärft die Situation zusätzlich. Bei der Österreichischen Seenkonferenz am Attersee waren sich Fachleute deshalb einig, dass naturnahe Uferbereiche künftig eine größere Rolle spielen müssen. Sie können dazu beitragen, Seen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
Private Eigentümer entscheidend
Eine großflächige Umgestaltung der Ufer ist allerdings schwierig. Ein beträchtlicher Teil der Grundstücke befindet sich in Privatbesitz. Elias Molitschnig, Abteilungsleiter für Baukultur im Bundesministerium für Wohnen, sieht deshalb eine Zusammenarbeit zwischen Ländern, Gemeinden und Grundstückseigentümern als entscheidend an.
Ohne die privaten Eigentümer seien umfassende Veränderungen kaum möglich. Fachleute sehen daher gemeinsame Lösungen als wichtigen Schritt, um natürliche Uferbereiche zu erhalten oder wiederherzustellen und damit den Attersee langfristig besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.