Festspiele
Bartoli bringt mit "Viaggio" die Leichtigkeit nach Salzburg
Die bisherigen Premieren der Salzburger Festspiele - auch abseits der getrübten Stimmung angesichts der Intendantenkalamitäten - waren eher von düster-melancholischem Charakter. Weder "Faust" noch "Carmen", weder "Schnee von gestern, Schnee von morgen" noch "Saint François d'Assise" brachten Leichtigkeit in die Gluthitze. Dafür musste also wieder einmal Cecilia Bartoli ran - respektive mit Barrie Kosky pikanterweise einer der Topfavoriten auf die neue Festspielspitze.
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Und die beiden erfahrenen Zirkuspferde Bartoli und Kosky machen ihre Aufgabe mit Gioachino Rossinis "Il Viaggio a Reims" wieder gut - was nicht anders zu erwarten war, nachdem das Stück die traditionelle Übernahme der Pfingstfestspiele darstellte, die am Mittwoch nun also erneut im Haus für Mozart zu sehen war. Das ungewöhnliche Werk, das 1825 zur Krönung des französischen Königs Karls X. komponiert wurde und bis zur Wiederentdeckung und Rekonstruktion 1970 in der Versenkung verschwand, hat praktisch keine Handlung, sondern versammelt einen Haufen Adliger in einem Hotel, wobei sich die geplante Abreise mangels Pferden als unmöglich herausstellt.
Barrie Kosky gibt dem Affen Zucker und macht aus dem Werk das, was es im Kern ist: eine turbulente Hotelkomödie, bei der im besten Boulevardstil à la "Pension Schöller" links und rechts die Türen aufgehen und die Personage sich sprichwörtlich die Klinke in die Hand gibt. Da tanzen Pagen über Gepäck, wird das Chaos eines Hotelbetriebes ausagiert und erreichen die exaltierten Gäste, allesamt in überdrehten Biedermeier-Variationen gewandet, das Geschehen.
Kosky gibt dem Affen Zucker
Im Laufe des Abends beeindrucken nicht zuletzt die Gemeinschaftsszenen des hochkarätigen Ensembles, zu dem neben Pfingst-Intendantin Bartoli selbst auch die laszive Marina Viotti, die quiekig-überzeichnete Melissa Petit, Koloraturkanone Tara Erraught oder Ildebrando D'Arcangelo in einer überraschend humorvollen Partie gehörten. Vor einer schwarz-weißen Kulisse von Rufus Didwiszus wirbelt hier alles durcheinander, geht es weniger um eine Geschichte als vielmehr Eitelkeiten, nationale Stereotype und Bravourstücke für die Sängerinnen und Sänger.
Capuano feiert mit
Gianluca Capuano geht in diesem kontrollierten Wahnsinn mit den Les Musiciens du Prince - Monaco von Bartolis zweiten Stammsitz vollkommen mit und spielt mit Zitaten, Italianità und sogar - wie bei der Großpremiere des "Saint François d'Assise" am Vorabend - mit der Imitation von Vogelstimmen. Und zugleich unterstrich der 58-jährige Maestro vor allem in den orchestralen Passagen gegen Ende des Stücks den Charme der farbenreichen Melodien Rossinis.
Noch zwei Jahre älter als ihr musikalischer Kompagnon ist Cecilia Bartoli, der von Kosky mit dieser "Viaggio" ein Denkmal gesetzt wird, wollen die illustren Gäste hier doch nicht zur Krönung des Königs reisen, sondern zum Geburtstag einer gefeierten Sängerin - "Königin Ceci". Und eben jene steigt in Person von Bartoli am Ende auch aus der überdimensionalen Geburtstagstorte.
Bartoli wird gefeiert
Noch größer (nach)gefeiert wird der 60. Geburtstag des Superstars vom 4. Juni am kommenden Samstag. Dann ist eine Galavorstellung der "Viaggio" angesetzt, zu der sich Plácido Domingo, Rolando Villazón, Pretty Yende, Antonio Pappano und Maxim Vengerov als Special Guests angesagt haben, weshalb die Aufführung auch gleich um eine Dreiviertelstunde länger dauert. Im Anschluss schreitet man dann zum gemeinsamen Galadiner in der Residenz.