Heute ist Lostag
Bauernregel: "So bleibt das Wetter 40 Tag"
Für die meisten von uns ist es ein ganz normaler Frühsommertag, doch im traditionellen Bauernkalender gilt dieser Tag als einer der wichtigsten sogenannten Lostage des Jahres. An ihm, so besagt es der Volksglaube, entscheidet sich das Wetter für die kommenden Wochen.
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Wer also wissen möchte, ob der Sommerurlaub sprichwörtlich ins Wasser fällt oder die Badehose zum Dauereinsatz kommt, sollte heute ganz genau aus dem Fenster schauen.
Ein Schutzpatron mit Adlerflügeln
Der Tag ist benannt nach dem heiligen Medardus von Noyon, einem französischen Bischof aus dem 6. Jahrhundert. Er war bekannt für seine Milde, Gerechtigkeit und seine Fürsorge für die Landbevölkerung.
Die Legende besagt, dass Medardus einst von einem schweren Unwetter überrascht wurde. Ein riesiger Adler schwebte daraufhin herab, breitete seine Schwingen über dem Geistlichen aus und beschützte ihn vor den Wassermassen.
Kein Wunder also, dass Medardus bis heute als Schutzpatron gegen Regen, Unwetter und für eine gute Ernte gilt. Seine Bauernregeln haben es allerdings in sich und klingen oft recht unbarmherzig.
Die bekanntesten Bauernregeln zum 8. Juni
Die alten Wetterweisheiten rund um den Medardus-Tag schlagen fast alle in dieselbe Kerbe: Das heutige Wetter hat einen enormen Langzeiteffekt auf den gesamten Sommer.
- "An Sankt Medardus wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht."
Das klingt wunderbar optimistisch, doch die Medardus-Münze hat eine Kehrseite, die weitaus düsterer formuliert ist:
- "Regnet's am Medardustag, regnet's 40 Tag danach."
Hier zeigt sich die direkte Parallele zum weitaus bekannteren Siebenschläfertag. Die Bauern glaubten fest daran, dass das Pendel heute extrem in die eine oder andere Richtung ausschlägt und die Wetterrichtung für die nächsten fünf bis sechs Wochen gnadenlos vorgibt.
Der Dauerregen-Fluch:
- "Ist’s an Medardus feucht und nass, regnet’s weiter ohne Unterlass."
Fällt heute Regen, sahen die Landwirte früher sprichwörtlich schwarz für die anstehende Heuernte ("Regen am Medardustag verdirbt den ganzen Heuertrag"). Ein nasser Medardus-Tag galt als Garant für einen verregneten Frühsommer.
Die Auswirkung auf die Ernte:
- "Was der Medardus für ein Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt."
Ob die Kornkammern voll werden oder das Getreide auf den Feldern verfault, entschied sich in den Augen unserer Vorfahren genau am heutigen Tag.
Ein kleiner Trost bleibt immerhin für die Winzer: "Medard bringt keinen Frost mehr her, der dem Weinstock gefährlich wär." Die Zeit der gefürchteten Nachtfröste ist nun endgültig vorbei.
Meteorologischer Kern: Was ist dran an den Regeln?
Moderne Meteorologen schmunzeln zwar oft über den starren Bezug auf ein einzelnes Kalenderdatum, aber sie geben den Bauernregeln im Kern recht. Der Juni ist eine Phase der meteorologischen Singularität.
In dieser Zeit des Jahres stabilisiert sich die Großwetterlage über Mitteleuropa. Der sogenannte Jetstream – ein Starkwindband in der oberen Atmosphäre – pendelt sich auf seine Sommerposition ein:
Liegt dieser Strom so, dass er Tiefdruckgebiete immer wieder zu uns lenkt, bleibt das Wetter oft wochenlang wechselhaft und kühl. Setzt sich hingegen ein kräftiges Hochdruckgebiet durch, stehen die Chancen gut für eine stabile, sonnige Phase.
Der Medardus-Tag ist quasi der Frühwarnstreik des Sommers. Er ist zwar statistisch nicht ganz so treffsicher wie der Siebenschläfertag Ende Juni, gibt aber durch die Einspielung der Großwetterlagen bereits einen sehr soliden ersten Trend vor. Die "40 Tage" sollte man also nicht auf die Stunde genau nehmen, als Richtwert für einen unbeständigen Sommer taugen sie aber allemal.