FPÖ-Chef
"Bedeutend!" Israel feiert Kickl-Rede
So sei seine Anerkennung des dunklen Kapitels in der Geschichte Österreichs und der daraus resultierenden Verantwortung sowie seine Entschuldigung gegenüber den jüdischen Bürgern Österreichs, den Opfern des Nationalsozialismus, ihren Nachkommen und dem jüdischen Volk zu begrüßen, schrieb der israelische Außenminister Gideon Saar im Online-Netzwerk X.
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Kickl hatte im Rahmen einer Konferenz mit dem Titel "Islamismus und Antisemitismus: Bedrohungen für Europas Freiheit" der EU-Fraktion "Patrioten für Europa", an der auch Vertreter der Likud-Partei von Israels Premier Benjamin Netanyahu teilnahmen, gesprochen. Kickl betonte dabei die enge Beziehung zum Likud, der "vom Beobachter zum Partner in unserem internationalen Parteienbündnis geworden ist". Die historische Zusammenarbeit mit dem Likud erfülle ihn "mit einem gehörigen Bewusstsein für Verantwortung", sagte Kickl.
Kickl "übernimmt Verantwortung"
Als Parteiobmann stelle er sich der Geschichte seines Landes und seiner Partei, erklärte Kickl weiter. "Wir übernehmen Verantwortung für das Heute und das Morgen. Die Bekämpfung des Antisemitismus, der Kampf gegen Antizionismus wird Teil des Programms einer Bundesregierung sein, die ich anführen möchte." Und er kündigte an, bei einer Regierungsübernahme die österreichische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Kickl bekannte sich zur Sicherheit und Freiheit des jüdischen Lebens in Österreich. "Das beispiellose Menschheitsverbrechen des Holocaust darf nicht in Vergessenheit geraten." Er "bedauere, was den jüdischen Bürgern widerfahren ist. Es darf keine Relativierung des Holocaust geben und es darf keine Toleranz geben für jene, die dieses Regime verherrlichen."
Kickl berichtete, dass das Parteipräsidium die Arbeitsdefinition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) von 2026 einstimmig anerkannt habe. Er verwies in seiner Rede außerdem auf den Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober. Dies sei kein Widerstand, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen, welches tanzende Menschen im Gazastreifen und auch in Großstädten in Europa gefeiert hätten. Er kritisierte die finanzielle Hilfe der EU für die Palästinenser. Gleichzeitig betonte er, Muslime nicht pauschal verurteilen zu wollen.
Saar spricht von wichtiger und positiver Entwicklung
Israels Außenminister begrüßte Kickls "unmissverständliche Verurteilung" des Hamas-Massakers vom 7. Oktober, seine Anerkennung des Rechts Israels auf Existenz und Selbstverteidigung sowie sein Engagement für den Schutz jüdischen Lebens in Österreich und Europa. Außerdem würdigte Saar die vollständige Übernahme der IHRA-Definition von Antisemitismus durch die Freiheitliche Partei sowie die "klare Ablehnung" jedes Versuchs, die Gräuel des Holocaust herunterzuspielen oder das NS-Regime zu verherrlichen.
"Vor dem Hintergrund der komplexen Geschichte sehen wir in diesen Äußerungen eine wichtige und positive Entwicklung", erklärte Saar. Kickls Äußerungen ermöglichten es, "einen sachlichen, offenen und konstruktiven Dialog zu beginnen", mit dem Ziel, ein tieferes Verständnis für seine Standpunkte und Verpflichtungen zu gewinnen.
Seit Jahrzehnten keine offiziellen Beziehungen
Israel pflegt an sich seit Jahrzehnten keine Beziehungen zur FPÖ, unter anderem aus Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Österreich. Laut FPÖ-Angaben sprach der israelische Minister für Diaspora, Amichai Chikli, nun in einer Stellungnahme von einem historischen Wendepunkt im Verhältnis zwischen der FPÖ, dem Staat Israel und der jüdischen Bevölkerung. Israels Verkehrsministerin Miri Regev habe während der Konferenz bestätigt, dass sie die positive Entwicklung ausdrücklich begrüße.
Die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) dagegen gab sich nach Kickls Worten zurückhaltend. "Glaubwürdigkeit misst sich nicht an Inszenierungen in Straßburg, sondern an Verhalten und Entscheidungen in Wien", sagte IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele gegenüber dem "Standard". "Die FPÖ ist der politische Arm der deutschnationalen Burschenschaften, und bis in ihre Führung hinein bestehen enge Kontakte zu Rechtsextremen."
Kritik von Lopatka
Der ÖVP-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Reinhold Lopatka, kritisierte seinerseits die "rüde Beschimpfung der Israelitischen Kultusgemeinde durch Harald Vilimsky" - dies "zeigt, wessen Geistes Kind er wirklich ist". Vilimsky hatte mit Hinweis auf den ebenfalls eingeladenen politischen Direktor des Likud, Ariel Bulshtein, laut "Presse" davon gesprochen, dass es in Wien "eine sehr, sehr linke, mit den Sozialisten sehr verbrüderte Führung der jüdischen Wiener Gemeinschaft" gebe.
Bemerkenswerterweise habe Kickl zudem eine ausdrückliche Bitte um Entschuldigung an die Opfer des Nationalsozialismus und deren Nachkommen unterlassen, schreibt die "Presse" (Samstag-Ausgabe). In einem Transkript der Rede habe es geheißen: "Als Obmann der Freiheitlichen Partei Österreichs bringe ich vor dieser internationalen Öffentlichkeit mein tiefes Bedauern zum Ausdruck und entschuldige mich aufrichtig bei den jüdischen Bürgern Österreichs, bei den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus, bei ihren Nachkommen und beim jüdischen Volk." Tatsächlich sagte Kickl laut der Zeitung aber: "Ich bedauere, was den jüdischen Bürgern widerfahren ist. Und meine Gedanken sind bei allen Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus, bei ihren Nachkommen, und beim jüdischen Volk."