Ausstellungs-Hit

Belvedere liefert mit "Stellprobe" Momentaufnahme einer Sammlung

© Johannes Stoll/Belvedere, Wien
Die neue Schau "Stellprobe" bietet im Belvedere 21 einen Rückblick auf die Sammlungsneuzugänge unter der Ägide von Stella Rollig
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Disparat wie nur wenige Zusammenstellungen und gerade in dieser Diversität ein überraschend homogenes Bild zeichnend - so präsentiert sich "Stellprobe", die neue Schau im Belvedere 21. Unter diesem theatralen Titel versammelt das Haus rund 160 Werke, die in den vergangenen zehn Jahren in die Belvedere-Sammlung gewandert sind. Heimo Zobernig hat dieses vielstimmige Kompendium zwischen Biedermeier und Videokunst mit einer installativen und luftigen Schau zusammengeschnürt.

Luftige Schau im Belvedere

Teils rohe Pressspanwände, teils glänzende Untergründe bilden den Rahmen, mit dem die weiten Hallen des Belvedere gegliedert werden und Werke als Nachbarn präsentieren, die auf den ersten und bisweilen auch zweiten Blick wenig miteinander gemein haben. Gemälde des 19. Jahrhunderts wie Rudolf von Alts "Der schöne Brunnen vor der Frauenkirche in Nürnberg" finden sich in trauter Eintracht mit VALIE EXPORTS "Die Mappe der Hundigkeit" aus 1969 oder Birke Gorms "Woman cut in half" aus 2024. Altmeisterliche Porträts von Franz Eybl blicken vermeintlich amüsiert auf Toni Schmales neue, monumentale Schmiedearbeit "gefährt*innen".

"Was bleibt von einer Direktorin?"

Belvedere Stellprobe © Johannes Stoll/Belvedere, Wien

Vielleicht bildet rohe Farbkraft einen gewissen roten Faden beim Rückblick auf die vergangene Belvedere-Dekade unter der Ägide von Stella Rollig. Die Ausstellung sei mithin auch eine gewisse Rechenschaft, die sie hiermit ablege, machte die Noch-Generaldirektorin als Co-Kuratorin deutlich. "Was bleibt von einer Direktorin nach zehn Jahren?", zeigte sich die Museumschefin dabei vor ihrem Gang in die Pension mit 1. Jänner sanft melancholisch. Personelle Weichenstellungen oder eine inhaltliche Ausrichtung seien reversibel. "Das Einzige, das nicht verändert werden kann, sind die Zugänge in die Sammlung."

Belvedere Stellprobe © Johannes Stoll/Belvedere, Wien

Hier habe sie mit dem jährlichen Ankaufsbudget von rund einer Million Euro die Strategie verfolgt, einerseits Stärken auszubauen, was etwa die Biedermeier-Bestände betreffe. Und andererseits galt es, Lücken zu schließen, was etwa auf die feministische Medienkunst der 70er zugetroffen habe. Von den rund 2.500 Werken, die in den Rollig-Jahren via Ankauf oder Schenkung ans Belvedere kamen, hat man repräsentativ die jetzigen 160 ausgewählt, die den Zeitraum der vergangenen 500 Jahre abdecken. Die Ausstellung erstreckt sich dabei über die gesamte Anlage, inklusive des Skulpturengartens.

Hundetraining und KI im Keller

Einzig das Untergeschoß des Belvedere 21 ist hier ausgenommen und bietet der chinesischen Künstlerin Miao Ying mit "Come, Sit, Stay" ihre erste Einzelausstellung in Europa. Auch das Oeuvre der 1985 in Shanghai Geborenen ist durch vehemente Farbigkeit gekennzeichnet und verschränkt im konkreten Fall KI mit der Abrichtung von Hunden. Die Künstliche Intelligenz wird dabei nicht als Bedrohung gesehen, sondern als ebenso lenkbar wie der kanide Freund des Menschen.