Immer mehr Bergunfälle
Bergrettung zieht Bilanz: Täglich zwei Einsätze
"Wir sind an der Schwelle zu einer einsatzintensiven Zeit", sagt Landesleiter Karl Weber und verweist auf den erfahrungsgemäß besonders fordernden August.
Die Bergrettung NÖ/W musste seit Sommerferienbeginn (Juli) statistisch gesehen 2 Mal täglich ausrücken. Gleichzeitig stieg sowoehl die Zahl der verletzten Personen von 29 auf rund 40 (+38 Prozent), aber auch jene der unverletzt geretteten Personen nahm von 14 auf rund 18 (+29 Prozent) zu. Mitten in der Hauptsaison bestätigt sich damit jener Trend, der die Bergrettung bereits seit mehreren Jahren begleitet.
Sorglosigkeit als Problem
Rund ein Drittel der geretteten Personen ist unverletzt – oft, weil sie schlecht vorbereitet oder erschöpft sind. Weber sieht darin einen klaren Trend: "Wer in den Bergen unterwegs ist, trägt Verantwortung – für sich selbst, aber auch für jene, die ihn begleiten." Gute Planung und realistische Selbsteinschätzung seien keine Kür, sondern Pflicht. Wie schnell kleine Fehler gefährlich werden, zeigte ein Einsatz am Herminensteig am Schneeberg, wo ein Wanderer nach dem Verlassen des markierten Wegs abstürzte und sich schwer verletzte.
Das alpine Einsatzgeschehen ist heute vielfältiger denn je. Neben klassischen Sturz- und Absturzunfällen mit Traumafolge prägen zunehmend Suchaktionen, medizinisch internistische Notfälle infolge der sommerlichen Hitze sowie Wetterextreme den Einsatzalltag der Bergrettung.
Hitze und Gewitter
Neben klassischen Sturzunfällen sorgen zunehmend auch Suchaktionen sowie hitzebedingte Notfälle wie Kreislaufprobleme und Dehydrierung für Einsätze. Auch plötzliche Wetterumschwünge fordern die Bergretter, etwa bei einem Gewittereinsatz auf der Rax. Weber rät: "Wer früh startet und Wetterberichte laufend beobachtet, erhöht seine Sicherheit wesentlich."
Nur zwei Beispiele. Am 20. Juli erlitt ein 61-jähriger Wanderer am Muckenkogel bei Lilienfeld während einer Tour einen medizinischen Notfall mit Verdacht auf Schlaganfall. Nach der Erstversorgung durch die Bergrettung Lilienfeld-Freiland wurde der Patient mittels Notarzthubschrauber zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus geflogen. Tags darauf verletzte sich eine 50-jährige Wanderin am Großen Ötscher schwer am Sprunggelenk. Nach der medizinischen Erstversorgung, Ruhigstellung und Schmerztherapie transportierten die Bergretterinnen und Bergretter der Bergrettung Lackenhof die Patientin ins Tal und übergaben sie dem Roten Kreuz.
Mountainbikes im Fokus
Auch wenn die Zahl der Mountainbike-Unfälle leicht zurückgeht, zählen sie weiterhin zu den häufigsten Einsatzarten. Höhere Geschwindigkeiten und E-Mountainbikes führen regelmäßig zu schweren Verletzungen, wie zuletzt bei einem Sturz im Bereich der Flatzer Wand.
Gut vorbereitet
Die Bergrettung investiert laufend in neue Technologien wie Drohnen und moderne Vitalparameter-Monitore, um Einsatzkräfte bestmöglich zu unterstützen. Landesleiter-Stellvertreterin Simone Radl betont zudem die Bedeutung der Nachwuchsarbeit: "Unsere Einsatzbereitschaft beginnt lange vor der Alarmierung." Ein besonderer Dank gilt dabei Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Landesrätin Eva Prischl (SPÖ) für die Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit.
Auch interessant
Sommerbilanz der Bergrettung: Ansturm auf die Berge
Fazit: Mit steigenden Einsatzzahlen und einem besonders herausfordernden August vor der Tür appelliert die Bergrettung eindringlich an Eigenverantwortung, sorgfältige Tourenplanung und realistische Selbsteinschätzung.