Palast-Sensation

Buckingham Palace: Irre Funde unter den Dielen entdeckt

© Getty Images
Bei der millionenschweren Generalsanierung des Buckingham Palace sind Bauarbeiter auf eine spektakuläre Sammlung historischer Alltagsgegenstände gestoßen. Unter den uralten Holzdielen des britischen Königshauses schlummerten jahrzehntelang geheime Schätze, die nun einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen offenbaren.
Zur Vollversion des Artikels

Während der laufenden, rund 370 Millionen Pfund (ca. 440 Millionen Euro) teuren Generalsanierung des Buckingham Palace sind Bauarbeiter auf eine faszinierende Sammlung historischer Alltagsgegenstände gestoßen. Unter den jahrzehntealten Holzdielen des britischen Königshauses verbarg sich ein wahrer Schatz an vergessenen Relikten, die einen einzigartigen Einblick in das verborgene Leben der Palastangestellten und der königlichen Familie bieten.

Einzigartige Einblicke in das Leben hinter den Kulissen

Die umfassende Renovierung des Palastes läuft bereits seit einem Jahrzehnt. Das Mammutprojekt dient primär dazu, die veralteten elektrischen Leitungen komplett zu erneuern, die Sanitär- und Heizungssysteme zu modernisieren und die gesamte Infrastruktur zu überholen, um langfristige Schäden an der historischen Substanz zu verhindern. Bei diesen tiefgreifenden Arbeiten stießen die Restauratoren auf eine Vielzahl an Alltagsgegenständen, die über Generationen hinweg unbemerkt unter den Böden schlummerten. Zu den Fundstücken gehören unter anderem:

  • Ein Paar abgetragene Arbeiterstiefel: Die robusten, historischen Nagelschuhe zeugen von der harten Arbeit früherer Handwerker im Schloss.
  • Ein Wettschein für Fußball-Pools: Ein unausgefüllter Wettschein der Firma Littlewoods aus dem Jahr 1957.
  • Eine leere Zigarettenschachtel der Marke Silk Cut: Jene Marke, die früher auch von Königin Camilla geraucht wurde.
  • Ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1889: Ein fast 140 Jahre altes Fragment der Zeitung The Standard, das die Theaterstücke im Londoner West End auflistet.
  • Ein Ticket für einen Spieleabend („Whist Drive“): Eine Eintrittskarte für den Social Club des königlichen Haushalts von 1949.

Geheime Pläne für Queen Elizabeth II. entdeckt

Besonders faszinierend ist ein maschinengeschriebener Ablaufplan aus dem Jahr 1977, dem Silberjubiläumsjahr von Queen Elizabeth II. Das Dokument beschreibt detailliert die Richtlinien und zeitlichen Vorgaben für einen diplomatischen Empfang im Palast. Aus den Anweisungen geht hervor, dass sich die Monarchin und andere Mitglieder der königlichen Familie im Ballsaal strikt im Uhrzeigersinn bewegen mussten, um mit den Gästen zu sprechen.

Die Palastangestellten wurden in dem Protokoll angewiesen, die rund 350 britischen Gäste dazu zu ermutigen, sich unter die Diplomaten zu mischen. Der Dresscode für dieses hochoffizielle Event war streng vorgegeben: Frack und Orden („White Tie“) oder Nationaltracht, wobei die königlichen Damen prächtige Tiaras trugen. Zudem war das Rauchen in bestimmten Prunkräumen wie dem Blauen Salon, dem Staats-Speisezimmer und der Westgalerie strengstens verboten. Getränke wurden den Gästen laut dem peniblen Zeitplan exakt zwischen 21:30 Uhr und 22:00 Uhr serviert.

Gefährliche Altlasten und historische Zeitungen

Neben den persönlichen Besitztümern stießen die Renovierungscrews auch auf handfeste technische Funde. So wurden alte Elektrokabel mit einer Isolierung aus vulkanisiertem Naturkautschuk (VIR) entdeckt. Diese Kabel stellten aufgrund ihrer Alterung und Brüchigkeit das größte Brandrisiko für das historische Gebäude dar. Der Austausch dieser Leitungen hatte seit dem Beginn der Arbeiten im Jahr 2017 erstklassige Priorität. Bisher wurden rund zwei Kilometer dieses gefährlichen Kabels entfernt – eine Länge, die etwa 40 olympischen Schwimmbecken entspricht.

Ein weiteres historisches Dokument ist eine Ausgabe der Zeitung Daily Express aus dem Jahr 1966. Die Seiten berichten ausführlich über das Hochsicherheitsgefängnis in Durham, in dem die berühmten Posträuber des "Großen Postraubs" (Great Train Robbery) einsaßen. Der Artikel zeigt Bilder aus dem Inneren des Gefängnisses und enthüllt, dass die verurteilten Posträuber ihre Tage damit verbrachten, Postsäcke für einen Wochenlohn von neun Schilling zu flicken.

Keramikfliesen und weihnachtliche Funde

Die Liste der Entdeckungen unter den Dielen lässt sich noch weiter fortsetzen. Die Bauarbeiter legten unter anderem dekorative Keramikfliesen der renommierten Manufaktur Minton aus der Mitte des 19. Jahrhunderts frei, die einst einen Kamin zierten. Auch ein gealterter Zinnkrug, eine leere Flasche englisches Quellwasser der Marke Schweppes Still Malvern, eine hölzerne Anschlussdose für elektrische Leitungen und eine verblasste Schachtel mit sechs unbenutzten Weihnachtskarten kamen zum Vorschein.

Diese Fundstücke sollen nun archiviert werden, um die Alltagsgeschichte des Palastes für die Nachwelt zu sichern. Das gigantische Renovierungsprojekt soll planmäßig im kommenden Jahr abgeschlossen werden, sodass der Buckingham Palace für die zukünftigen Generationen sicher und modernisiert erhalten bleibt.