Wasserturm fertig

Café zieht in Wahrzeichen des Nordbahnviertels

© Lukas Leonte
Der historische Wasserturm in der Leopoldstadt strahlt nach monatelanger Sanierung in neuem Glanz. Das denkmalgeschützte Bauwerk, das im Jahr 1890 als Speicher für das Kesselwasser der Dampflokomotiven erbaut wurde, soll sich ab dem kommenden Winter in einen neuen Grätzel-Treffpunkt verwandeln.
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Mehr als 130 Jahre nach seiner Errichtung bekommt eines der letzten Relikte des alten Wiener Nordbahnhofs eine neue Aufgabe. Der historische Wasserturm in der Freien Mitte im Nordbahnviertel ist fertig saniert. Im Dezember soll dort ein Café mit Gastgarten eröffnen.

Der markante Backsteinbau stammt aus dem Jahr 1890. Einst wurde darin Kesselwasser für die Dampflokomotiven des Nordbahnhofs gespeichert. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude das letzte erhaltene Bauwerk der ehemaligen Bahnhofsanlage und eines der auffälligsten historischen Wahrzeichen des Viertels. "Der Wasserturm ist eines der letzten sichtbaren Zeugnisse des historischen Nordbahnhofs und ein prägendes Wahrzeichen des gesamten Quartiers", erklärt Claudia Brey, Geschäftsführerin des ÖBB-Immobilienmanagements. Mit der neuen Nutzung werde das Gebäude erstmals auch stärker für die Öffentlichkeit zugänglich.

Spuren des Krieges bleiben sichtbar

Bei der Sanierung wurde die historische Vollziegelfassade gereinigt. Fenster wurden saniert oder nach historischem Vorbild rekonstruiert, weitere Details des ursprünglichen Bauwerks wieder freigelegt. Eine besondere Spur der Vergangenheit bleibt bewusst erhalten. Ein ehemaliger Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg ist weiterhin am Gebäude zu erkennen.

Auch im Inneren wurde der Turm für seine künftige Nutzung umgebaut. Die dafür notwendige technische Infrastruktur befindet sich in einem neu geschaffenen Kellergeschoß. Der eigentliche Innenraum beeindruckt mit einer Höhe von rund 13 Metern. Zurückgekehrt sind zudem vier historische Skulpturen, die früher den Hofwartesalon des Nordbahnhofs schmückten. Sie stehen für Wien, Brünn, Olmütz und Krakau und haben nun nach Jahrzehnten wieder einen Platz auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände gefunden.

Café öffnet im Dezember

Alexander Nikolai (Bezirksvorsteher Leopoldstadt), Jürgen Czernohorszky (Stadtrat für Klima, Umwelt, Demokratie und Personal), Michael Müller-Baatz (CPO PAUL Austria) und Max Rammerstorfer (ÖBB Immobilien). © Lukas Leonte

Für neues Leben im Turm soll künftig PAUL sorgen. Die Bäckerei ist auf französische Backwaren spezialisiert und betreibt in Wien unter anderem bereits einen Standort im Hundertwasserhaus. Im Wasserturm entsteht ein rund 114 Quadratmeter großer Gastraum. Dazu kommt ein Gastgarten in der Freien Mitte.

Die Inneneinrichtung und letzte Anpassungsarbeiten stehen noch aus. Die Eröffnung ist für Dezember 2026 vorgesehen. "Für uns geht es um weit mehr als die Eröffnung eines neuen PAUL-Standorts", erklärt Michael Müller-Baatz, CPO von PAUL Austria. Das Lokal soll vom Frühstück bis in die Abendstunden geöffnet sein und französische Backkultur mit Wiener Kaffeehauskultur verbinden.

Neuer Treffpunkt in der Freien Mitte

Der Wasserturm liegt direkt in der rund zehn Hektar großen Freien Mitte, die als Grünraum durch das Nordbahnviertel führt. Rund um das Gebäude wurden zusätzliche Bäume und artenreiche Grünflächen vorgesehen. Auch konsumfreie Aufenthaltsbereiche sollen erhalten bleiben.

"Mit dem revitalisierten Wasserturm und dem neuen gastronomischen Angebot kommt jetzt ein weiterer Treffpunkt dazu, der die Menschen ins Grätzl einlädt und gleichzeitig die Geschichte dieses Ortes sichtbar hält", betont Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Auch Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ) sieht im neuen Café eine Aufwertung für das Viertel. "Der Wasserturm gehört zum Nordbahnviertel und ist für viele Menschen ein vertrautes Wahrzeichen", so Nikolai. Nun werde das historische Gebäude nicht nur erhalten, sondern wieder genutzt.