ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner forderte Wiederkehr auf, das Regierungsprogramm umzusetzen, sich auf die Länder für gemeinsame Reformen zuzubewegen und die Schulen vor noch mehr Bürokratieaufwand zu verschonen.
Auch interessant
Eine "Schieflage" wurde von der Volkspartei beim Chancenbonus für Schulen geortet. Von insgesamt 800 Vollzeitäquivalenten würden lediglich 38 auf Niederösterreich entfallen, während Wien 500 erhalte, obwohl Niederösterreich doppelt so viele Schulen habe.
Förderung müsse im Mittelpunkt stehen
"Ein Chancenbonus muss echte Chancen schaffen und darf nicht zu einem Bonus für die Bundeshauptstadt werden", betonte Rene Lobner, ÖVP-Landtagsabgeordneter und -Bildungssprecher, in der Aussendung anlässlich eines Pressetermins in St. Pölten. "Gerade Kinder mit unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsbedürfnissen brauchen individuelle Unterstützung", diese Förderung müsse im Mittelpunkt stehen. "Deshalb ist der Erhalt der Sonderschulen und die Wiedereinführung einer spezifischen sonderpädagogischen Ausbildung unbedingt notwendig."
Bildungskompass-Darstellung "irreführend"
Kritik gab es von Lobner zudem für den Bildungskompass, dessen derzeitige Darstellung der Standortdaten "irreführend" sei. "Schulen werden in Leistungsdrittel eingeteilt, ohne transparent darzustellen, auf welchen Vergleichsgrundlagen und Rahmenbedingungen diese Einordnung beruht. Das ist, als ob man Noten aus den Benotungsskalen 'Standard' und 'Standard AHS' vergleicht und nicht dazusagt, welche Note sich auf welche Skala bezieht."
"Die Realität sieht oft anders aus als die Vorstellungen, die man sich in Wien am Schreibtisch macht. Wir brauchen Reformen, die in der Praxis funktionieren und nicht nur auf dem Papier gut aussehen. Wiederkehr liebt das Malen der Zierzeile, vergisst dabei aber leider die Hausübung darüber", sagte Zauner.
Aus Sicht von NEOS-Landesparteichefin Indra Collini hat die ÖVP den Chancenbonus "nicht verstanden". "Weniger Schulen im Programm sind kein Grund zur Kritik, sondern ein gutes Zeichen: Denn der Chancenbonus ist gezielte Unterstützung für jene Schulen, die ihn aufgrund besonderer sozialer Herausforderungen wirklich brauchen - keine Gießkannenförderung nach ÖVP-Manier. Die Kriterien sind klar, transparent und nachvollziehbar. Dass es in Niederösterreich nur wenige dieser Schulen gibt, ist eine gute Nachricht für unser Land", betonte Collini in einer Aussendung. Dass Lobner "die Vergleichbarkeit beim Bildungskompass ablehnt, zeigt eine alte Denkweise", hielt die pinke Landesparteivorsitzende weiters fest: "Dabei geht es darum, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern Transparenz und Orientierung zu geben und gleichzeitig unser Bildungssystem durch Messen und Vergleichen besser zu machen." (APA)