Harte Kritik

Christine Neubauer: Bittere Absage für Ü60-Projekt

© Getty Images/Johannes Simon
Die beliebte Schauspielerin Christine Neubauer übt scharfe Kritik an den Entscheidungsträgern des deutschen und österreichischen Fernsehens. Trotz großer Erfolge muss sie hart um Filmprojekte kämpfen, die reifere Generationen in den Mittelpunkt stellen.
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Die namhafte Schauspielerin Christine Neubauer geht mit den Verantwortlichen der Film- und Fernsehbranche hart ins Gericht. Im Gespräch mit der Münchner "Abendzeitung" sprach die gebürtige Bayerin offen wie nie über die massiven Hürden, die Frauen und Männer ab der Mitte des Lebens in der Medienwelt überwinden müssen. Auslöser für ihren Unmut sind wiederkehrende Abfuhren für Filmstoffe, die sich gezielt mit den Lebensrealitäten der sogenannten "Best Ager" auseinandersetzen.

Obwohl Christine Neubauer seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Gesichtern im deutschsprachigen Fernsehen gehört, stößt sie bei Sendern und Produktionsfirmen zunehmend auf taube Ohren. Ihr wird immer wieder vermittelt, dass Geschichten über Menschen in der zweiten Lebenshälfte schlichtweg kein Publikum finden würden.

Für Christine Neubauer ist diese Haltung der Verantwortlichen ein absolutes Rätsel, das völlig an der Realität der Zuschauer vorbeigeht. In Interviews und persönlichen Gesprächen mit ihren Fans erfahre sie nämlich regelmäßig das genaue Gegenteil. Die Sehnsucht nach anspruchsvollen Geschichten über reifere Charaktere ist beim Publikum riesig.

Lachend kommentierte die Schauspielerin diesen Widerspruch in der Medienbranche: "Vielleicht haben die Menschen, die entscheiden, und die Menschen, die am Ende einschalten oder ins Kino gehen, gelegentlich noch nicht miteinander telefoniert." Dieser Graben zwischen den Programmmachern und den tatsächlichen Wünschen der Zuseher sorgt in der Branche zunehmend für Unverständnis und Frust.

Scharfe Kritik am verzerrten Altersbild

Besonders die Darstellung von Frauen ab fünfzig Jahren im Fernsehen ist Christine Neubauer ein Dorn im Auge. In der heutigen Medienlandschaft werde oft fälschlicherweise vermittelt, dass das spannende Leben ab diesem Zeitpunkt schlagartig aufhören würde. Sie wehrt sich vehement gegen das Klischee, dass ältere Generationen keine Rolle mehr in emotionalen Geschichten spielen sollten.

Die Liste der Themen, die älteren Charakteren im Fernsehen oft abgesprochen werden, ist lang und zeigt die Einseitigkeit der Drehbücher:

  • Das Erleben von neuer, leidenschaftlicher Liebe im Alter
  • Das Scheitern an Lebensentwürfen und mutige Neuanfänge
  • Das Ausleben von Träumen, Sexualität und tiefen Konflikten
  • Das Erleben von spannenden Abenteuern abseits des Alltags

Laut Neubauer entspricht dieses Bild in keiner Weise ihrer eigenen Lebensrealität oder der Lebensweise der Menschen, denen sie täglich im echten Leben begegnet. Die ältere Generation stehe keineswegs nur am Rand der Gesellschaft, um auf den sprichwörtlichen Abspann zu warten.

Bittere Niederlage trotz Bestseller-Vorlage

Wie tief die Vorurteile der Programmmacher verankert sind, musste Christine Neubauer erst kürzlich am eigenen Leib erfahren. Sie bot den Verantwortlichen einen hervorragenden Stoff an, der auf einem erfolgreichen und vielgelesenen Literatur-Bestseller basierte. Trotz der bewährten Vorlage holte sich die engagierte Filmemacherin eine unmissverständliche und schmerzhafte Absage ein.

Die Begründung der Senderchefs war für sie ein echter Schlag ins Gesicht. Da die Protagonisten der Geschichte bereits jenseits der sechzig waren, hieß es vonseiten der Entscheider kurz und bündig, dass solche Geschichten angeblich niemand sehen wolle. Eine Argumentation, die Neubauer zutiefst anzweifelt. Sie betont, dass Themen wie Liebe, Verlust, Humor, Sehnsucht, Mut und große Entscheidungen glücklicherweise kein Verfallsdatum besitzen.

Auf dem Regiestuhl in Chile statt auf der Wiesn

Ihre Konsequenz aus den verkrusteten Strukturen der Branche ist der Schritt in die Selbstständigkeit. Bereits im Jahr 2024 feierte sie mit dem packenden Kinofilm "Hundswut" eine erfolgreiche Premiere. Dabei stand sie nicht nur vor der Kamera, sondern fungierte mit ihrer eigens gegründeten Produktionsfirma "Santiago Film" erstmals auch als Co-Produzentin, um unabhängiger agieren zu können.

Aktuell widmet sie sich in Chile voll und ganz ihrem neuesten Herzensprojekt. Bei den Dreharbeiten zum Film "La Puta Vida" übernimmt sie erneut die Doppelrolle als Schauspielerin und Co-Produzentin. Dieser intensive Arbeitseinsatz im Ausland fordert jedoch auch persönliche Opfer. Wegen des straffen Zeitplans in Südamerika muss sie in diesem Jahr sogar auf den traditionellen Besuch des Oktoberfests verzichten. Die Wiesn laufe ihr hoffentlich nicht davon, doch dieses Herzensprojekt habe für sie derzeit oberste Priorität.