Zwölf-Stunden-Haft
Dachte an Anschlag: Ukrainischer Star-Journalist in Wien festgenommen
Der Journalist war am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit seinem Kameramann Jaroslaw Bondarenko in einem Mietwagen unterwegs. An einer roten Ampel im Wiener Stadtgebiet seien plötzlich Männer aus mehreren Autos gesprungen und hätten die Seitenscheiben eingeschlagen, erzählte Tkatsch der APA.
Die Männer hätten Waffen auf sie gerichtet und etwas auf Deutsch gerufen. "Mein erster Gedanke war, dass das ein Anschlag ist oder jemand unsere Entführung angeordnet hat", schilderte der Journalist. Er habe zunächst nicht erkannt, dass es sich um einen Polizeieinsatz handle.
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Beide Männer seien aus dem Wagen gezerrt und zu Boden geworfen worden. Tkatsch berichtete von Blutergüssen. Sein Kameramann sei auf Glasscherben gestoßen und habe Gesichtsverletzungen erlitten. Im Krankenhaus sei Bondarenko genäht worden – laut Tkatsch habe er dabei Handschellen getragen.
Zwölf Stunden in Polizeigewahrsam
Nach dem Zugriff seien die beiden Journalisten rund eine halbe Stunde mit dem Gesicht zur Wand gedrückt worden. Anschließend sei Tkatsch zur Polizeidienststelle in der Roßauer Lände gebracht und in eine Einzelzelle gesperrt worden. Seine Schuhe seien ihm abgenommen worden.
Nach eigenen Angaben musste er längere Zeit warten, ohne eine Erklärung für seine Festnahme zu erhalten. Später sei er in weitere Räume gebracht und zu verschiedenen Fragen befragt worden. Ein deutschsprachiges Dokument habe er nicht unterschreiben wollen.
Über eine vertraute Person gelangte die Nachricht von seiner Festnahme an die ukrainische Zeitung "Ukrajinska Prawda", für die Tkatsch arbeitet. Erst gegen 4 Uhr früh sei er wieder freigekommen. Sein Kameramann wurde erst am Freitagnachmittag entlassen.
Journalist recherchierte zu ukrainischem Ex-Generalstaatsanwalt
Tkatsch leitet das Investigativressort des ukrainischen Onlinemediums und hielt sich für Recherchen in Wien auf. Dabei ging es um den mutmaßlich nach Wien geflohenen ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko.
Der Zugriff stand laut Polizei im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Spionageverdachts. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) führte den Einsatz durch. Anfang der Woche waren in Wien bereits zwei ukrainische Staatsbürger wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft genommen worden.
Tkatsch wurde zu diesen beiden Männern befragt. Ihre Namen seien ihm allerdings nicht bekannt gewesen, sagte er. Auch die Frage nach einem möglichen Bezug zur ukrainischen Armee habe ihn verwundert.
"Sie hätten einfach googeln können"
Besonders irritiert zeigte sich Tkatsch darüber, dass die Ermittler offenbar nicht ausreichend über seine journalistische Tätigkeit informiert gewesen seien. Er habe den Beamten aufgefordert, auf Google oder YouTube nachzusehen, mit wem sie es zu tun hätten.
Selbst in der Ukraine würden Behörden vor einem derartigen Zugriff genauer prüfen, wen sie festnehmen, sagte der Journalist der APA. Vor seiner Entlassung sei er außerdem gefragt worden, wann er Österreich verlassen wolle.
Warum der Zugriff derart ablief und welche konkreten Verdachtsmomente gegen die beiden Journalisten bestanden, blieb zunächst offen. Auch ob die österreichischen Behörden möglicherweise falsche Informationen über Tkatsch erhalten hatten, war vorerst unklar.