Der 78-jährige Gregor Gysi befürwortet zwar eine rot-rot-grüne Regierung in Berlin, drängt jedoch auf personelle Konsequenzen in den eigenen Reihen. Konkret geht es um die Abgeordnete Vanessa Emde (45), die sich unter anderem gegen das Existenzrecht Israels aussprach und mit dem Terror-Aktivisten Ibrahim Ibrahim für Fotos posierte. Im Gespräch mit Paul Ronzheimer in dessen Podcast sagte er über seine Parteikollegin: "Ich hoffe, dass wir sie ausschließen."
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Gregor Gysi zieht klare Grenzen
Angesprochen auf Intifada-Rufe und das ständige Zweifeln am Existenzrecht des einzigen jüdischen Staates vertrat der Politiker eine eindeutige Haltung. Sein Urteil dazu lautet: "Das ist antisemitisch und vor allen Dingen indiskutabel für meine Partei." Beim Existenzrecht Israels ziehe er die Grenze und betonte: "Wir brauchen rote Linien, die man nicht überschreiten darf." Genau diese durchzusetzen falle der Partei allerdings schwer. Er verwies auf Erfahrungen mit Ausschlüssen in der ehemaligen SED, weshalb die Hürden besonders hoch seien: "Jetzt sind wir ein bisschen Opfer unserer eigenen Tat und müssen das wieder ein bisschen zurückschrauben", sagte er.
Offene Fragen bei Clan-Kontakten
Neben den Vorwürfen gegen Emde stehen auch die Verbindungen des Berliner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (47) zum Remmo-Clan im Fokus. Laut Gregor Gysi sei hier noch nicht alles geklärt: "Nein, alles ist mir nicht klar, aber weitgehend ist es aufgeklärt." Koçak habe "einen Fehler begangen". Der 78-Jährige ergänzte zu möglichen Folgen: "Es gibt wohl noch ein paar offene Fragen, die auch noch geklärt werden. Und dann werden wir dazu auch Stellung nehmen. Und wenn Konsequenzen gezogen werden müssen, werden wir die auch ziehen."
Druck auf Spitzenkandidatin in Berlin
Besonders heikel sind die Skandale für die Spitzenkandidatin Elif Eralp (45), die als Regierende Bürgermeisterin ins Rote Rathaus einziehen will. Angesprochen auf die Sorgen jüdischer Berliner erklärte er: "Es gibt nicht wenige, die Angst haben." Er vertrat jedoch die Ansicht, dass Eralp sich wegen der Vorwürfe gegen ihre Partei besonders bewähren werde: "Gerade weil sie unter diesem Ruf steht, wird sie sogar besondere Anstrengungen in dieser Hinsicht unternehmen. Jemand, der das nicht nötig hat, weil er ja unter keinem Druck steht, ist da viel schwächer."
Ausblick auf künftige Regierungsbündnisse
Trotz der internen Auseinandersetzungen hält der Politiker langfristig eine Rot-Grün-Rote Koalition auf Bundesebene für denkbar. Ein solches Bündnis wäre für ihn "eine fantastische Aussicht im Vergleich zu einer Beteiligung der AfD". Auf die Frage nach einer Verwirklichung meinte er: "Tja, das ist durchaus möglich". Während früher praktisch alles dagegen gesprochen hätte, schloss er ab: "Aber es kann passieren".