Richtig gießen
Deshalb sollten Sie Ihre Pflanzen NIEMALS mit kaltem Wasser gießen
Wenn wir unter der Hitze leiden, sehnen wir uns nach einer eiskalten Erfrischung. Warum also nicht auch den durstigen Hortensien, Tomaten und dem Rasen eine Abkühlung direkt aus der Leitung gönnen? Doch was für uns belebend wirkt, löst bei Pflanzen eine lebensbedrohliche Stressreaktion aus.
So gefährlich ist kaltes Wasser für unsere Pflanzen
Wenn Pflanzen im Hochsommer ihre Blätter schlaff hängen lassen, wirkt das wie ein stummer Hilferuf – und der Griff zur Gießkanne scheint die einzig richtige Reaktion. Doch was gut gemeint ist, kann im Inneren der Pflanze genau das Gegenteil bewirken. Das Problem liegt am extremen Temperaturunterschied: Während sich die Erde an heißen Sommertagen, vor allem in Töpfen, Kübeln und Hochbeeten, teils auf über 30 bis 40 Grad aufheizt, kommt frisches Leitungswasser oft mit eisigen 10 bis 12 Grad aus dem Schlauch.
Trifft dieses eiskalte Wasser auf die heißen Wurzeln, erleidet die Pflanze einen regelrechten Temperatur- bzw. Kälteschock.
So reagieren die Pflanzen auf den Kälteschock
Das eiskalte Wasser führt dazu, dass sich die Gefäße der Pflanze schlagartig zusammenziehen. Die Folge: Die Wasseraufnahme wird abrupt gestoppt. Ironischerweise können Pflanzen also direkt nach dem Gießen vertrocknen, weil sie das kalte Wasser einfach nicht verarbeiten können.
Besonders gefährdet: Vor allem wärmeliebende Gewächse wie Tomaten, Gurken, Zucchini, empfindliche Balkonpflanzen sowie Zimmerpflanzen reagieren extrem sensibel auf zu kaltes Gießwasser. Robuste Freilandstauden im tiefen Gartenboden stecken es zwar etwas besser weg, aber optimal ist es auch für sie nicht.
Wurzelschäden und Pilzbefall
Doch der Schock ist nicht das einzige Problem. Das eiskalte Wasser kann auch die feinen Wurzelhaare dauerhaft schädigen. Diese sind jedoch essenziell für die Nährstoffaufnahme. Werden sie zerstört, kümmert die Pflanze über Wochen dahin, selbst wenn die Hitze längst vorbei ist. Zudem begünstigt die Kombination aus feuchter Erde und gestresstem Pflanzengewebe das Wachstum von Bodenpilzen. Eine geschwächte Pflanze hat der Ausbreitung von Fäulnis kaum etwas entgegenzusetzen.
So bringen Sie Ihren Garten sicher durch die Hitze
Abgestandenes Wasser nutzen
Nutzen Sie Wasser aus der Regentonne. Das hat von Natur aus die ideale Temperatur und ist obendrein weich und kalkarm. Wer mit Leitungswasser gießt, sollte die Gießkannen am besten schon einige Stunden vor dem Gießen füllen und in der Sonne oder im Schatten anwärmen lassen. Idealerweise sollte das Gießwasser umgebungswarm oder zumindest lauwarm sein. Der Temperaturunterschied zum Boden sollte so gering wie möglich gehalten werden.
Das richtige Timing
Gießen Sie niemals in der prallen Mittagssonne. Das Wasser auf den Blättern wirkt wie eine Lupe (Brennglas-Effekt) und verbrennt das Laub. Zudem verdunstet ein Großteil des Wassers, bevor es die Wurzeln erreicht. Die beste Zeit ist der frühe Morgen zwischen 4 und 7 Uhr, wenn der Boden noch abgekühlt ist. Abendliches Gießen ist die zweitbeste Option, birgt jedoch bei feucht bleibendem Laub die Gefahr von Pilzkrankheiten und lockt Schnecken an.
Seltener, aber durchdringend gießen
Statt jeden Tag oberflächlich ein bisschen zu tröpfeln, sollten Sie lieber zwei- bis dreimal pro Woche richtig kräftig und tiefgründig wässern. So werden die Pflanzen angeregt, ihre Wurzeln tiefer in den Boden wachsen zu lassen, genau dorthin, wo die Erde auch bei anhaltender Dürre noch länger feucht und kühl bleibt.