"The Great Lock In"

Deshalb zieht sich die Gen Z jetzt vier Monate zurück

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Nicht bis zum Neujahr warten, sondern schon im September durchstarten: Der Social-Media-Trend soll die Gen Z dazu bringen, vier Monate lang konsequent an ihren Zielen zu arbeiten.
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Der September wird zum Startschuss für die persönliche Selbstoptimierung. Statt auf die klassischen Neujahrsvorsätze zu warten, sollen junge Menschen bereits ab 1. September ihre Ziele verfolgen und bis Jahresende möglichst viel erreichen.

Unter dem Namen "The Great Lock In" verbreitet sich der Trend derzeit auf TikTok und anderen sozialen Plattformen. Die Idee: weniger Ablenkung, mehr Fokus – und eine klare Vorstellung davon, welche Version von sich selbst man bis zum Jahresende werden möchte.

Die TikTokerin Lenalifts, die mehr als 400.000 Follower hat, empfiehlt ihren Fans, sich drei bis fünf konkrete Ziele zu setzen und die eigenen Fortschritte täglich festzuhalten.

Dabei kann es um ganz unterschiedliche Dinge gehen: mehr Sport, gesündere Ernährung, bessere Finanzen, einen neuen Job oder neue Gewohnheiten.

"Winter Arc" und "75 Hard" lassen grüßen

Ganz neu ist das Prinzip allerdings nicht. Schon zuvor sorgten ähnliche Selbstoptimierungs-Trends in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit.

Beim sogenannten "Winter Arc" arbeiten Teilnehmer während der dunklen Monate an Fitness und festen Routinen. Bei "75 Hard" geht es darum, 75 Tage lang konsequent ein vorgegebenes Programm durchzuziehen. Und beim "No Scroll September" steht der Verzicht auf soziale Medien im Mittelpunkt.

"The Great Lock In" reiht sich damit in eine ganze Reihe von Trends ein, bei denen junge Menschen versuchen, möglichst viel aus sich herauszuholen.

Kleine Schritte statt Perfektion

Content-Creatorin Kadie Glenn rät dabei allerdings ausdrücklich dazu, sich nicht zu viel vorzunehmen. Wer jahrelang keinen Sport gemacht habe, müsse nicht plötzlich fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio gehen. Ein- bis zweimal pro Woche könne für den Anfang völlig ausreichen.

Auch Fortschritte sichtbar zu machen, könne helfen – etwa mit einem Habit-Tracker oder einfachen Post-its. Ihre Regel: Ein ausgelassener Tag sei kein Problem, zwei hintereinander sollten es möglichst nicht werden.

Auch die eigene Umgebung könne angepasst werden. Wer beispielsweise am Vorabend Kleidung oder Sporttasche vorbereitet, macht es sich leichter, am nächsten Tag tatsächlich loszulegen.

Warum ausgerechnet der 1. September?

Der Start im September ist kein Zufall. Die Idee dahinter: Wer bereits im Herbst beginnt, könnte seine Ziele erreichen, bevor andere überhaupt mit ihren Neujahrsvorsätzen starten.

Auch wissenschaftlich gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Stichtage die Motivation erhöhen können. Forschende der University of Pennsylvania beschrieben 2014 den sogenannten "Fresh Start Effect".

Ein neues Jahr, ein Geburtstag oder der Beginn eines Semesters kann demnach dabei helfen, einen mentalen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und sich neue Ziele zu setzen.

Auch die Art, wie ein Datum präsentiert wird, kann eine Rolle spielen. In einer Studie wurden Studierende unterschiedlich an ihre persönlichen Ziele erinnert. Wurde ein Datum beispielsweise als "erster Frühlingstag" statt als gewöhnlicher Wochentag bezeichnet, setzten einige Teilnehmer ihre Ziele häufiger um.

Wenn Selbstoptimierung zum Druck wird

So motivierend "The Great Lock In" wirken kann, die Sache hat auch eine Schattenseite. Wer ständig das Gefühl hat, noch produktiver, fitter oder erfolgreicher werden zu müssen, kann sich damit selbst unter Druck setzen.

Eine Auswertung der Forschung zu sogenannten Stichtagen aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass konkrete Zeitpunkte zwar motivieren können, gleichzeitig aber auch Angst und Stress auslösen können.

Auch der Perfektionismus spielt eine Rolle. Eine Meta-Analyse mit rund 41.000 Studierenden zeigte, dass Perfektionismus seit den 1980er-Jahren zugenommen hat. Gerade soziale Medien können diesen Druck verstärken, weil Nutzer ständig mit vermeintlich perfekten Versionen anderer Menschen konfrontiert werden.

Wer seine eigenen Fortschritte daran misst, kann schnell das Gefühl bekommen, nicht gut genug zu sein.

Nach dem "Lock In" darf es wieder lockerer werden

Genau deshalb kommt es auf realistische Ziele an. Vier Monate konsequenter Fokus können dabei helfen, neue Gewohnheiten aufzubauen. Aus einem persönlichen Projekt sollte aber kein Dauerstress werden.

Denn auch das gehört zum Prinzip des Trends: "The Great Lock In" endet am 31. Dezember.

Und danach darf aus "locked in" ruhig wieder ein bisschen "locker" werden.