"Die Lücken"

Deutscher Buchpreis geht an Shida Bazyar

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Die Favoritin Shida Bazyar ist für ihr Buch "Die Lücken" am Montagabend im Frankfurter Römer mit dem Deutschen Buchpreis 2026 ausgezeichnet worden.
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Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Autorin spürt in ihrem Buch an einem fiktiven Ort im Hunsrück 90 Jahren deutscher Geschichte nach. "Ein Roman gegen Gleichgültigkeit", befand die Jury.

Ihr Roman reflektiere "anhand einzelner Figurenschicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens. Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen", heißt es in der Jurybegründung. "Die Autorin wählt überzeugende literarische Strategien: Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen. Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes."

Politische Dankesrede

Es falle ihr nicht leicht, "so richtig Freude zu empfinden", sagte die Autorin in ihren Dankesworten. "Wenn man einen Roman schreibt über Menschen, die verfolgt wurden und terrorisiert wurden und ermordet wurden, und sich dann einfach richtig zu freuen - das kommt mir nicht ganz richtig vor. Deswegen möchte ich gerne sagen, dass all meine Freude oder die Wertschätzung, die ich bekomme, den Personen gehören soll, um die es in diesem Roman geht."

Sie wolle "darauf hinweisen, dass antisemitische Straftaten auf dem Höchststand sind, und die rassistischen auch. Und dass es im Moment keine Minderheit in Deutschland gibt, die keinen Grund zur Sorge hat", so Bazyar weiter. "Auch wenn das die Stimmung immer ein bisschen vermiest, aber dafür sind ja solche Abende vielleicht auch da, über die Sachen zu reden, über die man sonst nicht reden möchte", mache sie darauf aufmerksam, dass man heute in Deutschland wieder von Deportation rede, "auch wenn ein anderes Wort dafür benutzt wird. Und ich möchte sehr eindringlich dazu auffordern, dagegenzuhalten."

Mit 25.000 Euro dotiert

Einziger Österreicher auf der sechs Titel umfassenden Shortlist war der 1994 geborene Wiener Elias Hirschl mit seinem das Verhältnis von Welt und Sprache grundlegend hinterfragenden Roman "Schleifen". Weiters im Finale mit dabei waren Franziska Gänsler ("Orca"), Valeria Gordeev ("Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle"), Peggy Mädler ("Selbstregulierung des Herzens") und Dana Vowinckel ("Anton und Alma").

Hirschl mit zweiter Chance in Wien

Auf der Suche nach dem besten deutschsprachigen Roman des Jahres hatte eine siebenköpfige Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. Die Siegerin erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.

Die Preisvergabe fand traditionell am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse statt. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Dorothee Elmiger für ihr Buch "Die Holländerinnen". Elias Hirschl hat noch eine weitere Chance auf eine große Auszeichnung, nämlich auf den Österreichischen Buchpreis. Am 14. Oktober wird die zehn Titel umfassende Longlist auf die fünf Bücher der Shortlist verkürzt, die Siegerkür findet dann am 23. November statt.