Evonik-Drama
Deutschlands Polykrise: Wieder 3200 Jobs weg!
Der Spezialchemiekonzern Evonik zieht die nächste Stufe seines Konzernumbaus durch: Weltweit sollen 3200 Stellen wegfallen, 2150 davon in Deutschland. Das Unternehmen bestätigte die Pläne nach einer Strategieklausur von Vorstand und Aufsichtsrat in Essen. Die Börse honorierte den Sparkurs, die Aktie legte zeitweise um fast fünf Prozent zu.
Übergangschef Claus Rettig machte keinen Hehl aus der Lage. Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter seien sich einig: Die Industrie stecke in einer strukturellen und ökonomischen Krise. Evonik wolle diese "Polykrise" nutzen, um alte Strukturen zu ändern und sich neu aufzustellen. Finanzielle Details zu Einsparungen und Sonderkosten nannte der MDax-Konzern zunächst nicht.
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Schwerste Krise seit 1945
Bereits bis Ende 2026 fallen durch laufende Spar- und Effizienzprogramme 2800 Jobs weg. Der neue Plan gilt von 2027 bis Ende 2029 und soll sozialverträglich ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden: frei werdende Stellen bleiben unbesetzt, Beschäftigte gehen früher in den Ruhestand, freiwillige Abgänge werden mit Abfindungen geregelt. Ende 2025 beschäftigte Evonik noch 31.053 Menschen, fast 900 weniger als ein Jahr zuvor.
Zusätzlich will sich der Konzern von den Töchtern Oxeno und Syneqt mit zusammen rund 4300 Beschäftigten trennen. Mit Investoren für Oxeno werde bereits gesprochen, der Verkaufsprozess für Syneqt soll 2027 beginnen. Inklusive früherer Programme und Abspaltungen könnte die Belegschaft um rund 10.000 Menschen schrumpfen. Kleinere Standorte in Hamburg und Bitterfeld mit zusammen etwa 90 Beschäftigten sollen ebenfalls geschlossen werden.
Diese Entwicklung bestätigt eine massive Branchenkrise: Die Chemie zählt zu den größten Industriezweigen Deutschlands, ihre Anlagen sind unterdurchschnittlich ausgelastet. Teure Energie, US-Zölle, schwache Konjunktur und weltweite Überkapazitäten belasten die Unternehmen. Der Verband der Chemischen Industrie spricht von der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte.