Kälte-Schock
Diese September-Bauernregel prophezeit uns einen Eis-Winter
Der September markiert in Österreich den klassischen Übergang vom Spätsommer in den Herbst, geprägt von warmen Sonnenstunden am Nachmittag und bereits empfindlich kühlen Morgenstunden. In dieser Zeit des Wandels bereitet sich die Natur auf die kalte Jahreszeit vor, die Blätter verfärben sich langsam und die Erntezeit auf den heimischen Feldern und in den Obstgärten läuft auf Hochtouren. Genau jetzt greifen viele Menschen auf die Beobachtungen ihrer Vorfahren zurück, die über Jahrhunderte hinweg versuchten, aus kleinen Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt das kommende Winterwetter vorherzusagen.
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Eine besonders populäre Weisheit, die in diesen Tagen wieder in vielen Gartenkalendern auftaucht, widmet sich dem Kernobst: "Im September die Birnen fest am Stiel, bringt der Winter Kälte viel." Im Gegensatz zu den sogenannten Lostagen, die an das Fest eines bestimmten Heiligen im Kalender gekoppelt sind, bezieht sich diese Bauernregel auf den gesamten Monat September und das ganz spezifische Verhalten der reifen Früchte am Baum.
Was die zähen Früchte über den kommenden Winter verraten
Würde man dieser traditionellen Regel Glauben schenken, ließe sich für das laufende Jahr eine sehr einfache und zugleich beunruhigende Prognose für das Wetter erstellen. Hängen die Birnen in den heimischen Gärten heuer besonders fest an den Zweigen und lassen sie sich bei der Ernte nur mit spürbarem Widerstand pflücken, stünde uns demnach ein extrem strenger, klirrend kalter und schneereichen Winter bevor. Ein vorzeitiger, leichter Abfall der Früchte hingegen würde auf einen eher milden und feuchten Jahreswechsel hindeuten. Solche simplen Ursache-Wirkung-Prinzipien erklären die ungebrochene Faszination von Bauernregeln, da sie komplexe meteorologische Vorgänge in leicht verständliche Bilder übersetzen.
Aus wissenschaftlicher Sicht der modernen Meteorologie stellt sich die Situation freilich völlig anders dar. Bauernregeln sind zweifellos ein wertvolles immaterielles Kulturerbe und zeugen von der scharfen Beobachtungsgabe früherer Generationen, die gänzlich ohne Satellitenbilder und Supercomputer auskommen mussten. Als verlässliches Instrument für präzise Langzeitprognosen taugen sie in der heutigen Klimaregion jedoch nicht mehr:
- Sorte und Reifegrad: Wie fest eine Birne am Ast sitzt, wird in erster Linie von der jeweiligen Obstsorte und dem individuellen Reifezustand bestimmt.
- Sommerwitterung: Eine langanhaltende Trockenheit oder ein besonders feuchter Sommer beeinflussen die Saftzirkulation im Baum und damit die Festigkeit des Stiels massiv.
- Klimawandel: Durch die globale Erderwärmung verschieben sich die Vegetationsphasen der Pflanzen ohnehin drastisch, wodurch alte Regeln ihre Gültigkeit verlieren.
Meteorologen verweisen auf moderne Wettermodelle
Seriöse Wetterdienste in Österreich verlassen sich bei ihren Prognosen längst nicht mehr auf die Festigkeit von Obststielen oder das Verhalten von Waldtieren. Zwar gibt es vereinzelte Bauernregeln, die statistisch eine gewisse Trefferquote aufweisen – wie etwa der Siebenschläfertag im Sommer, der eine Großwetterlage für mehrere Wochen anzeigen kann –, doch selbst dort sprechen Experten lediglich von Tendenzen und niemals von sicheren Vorhersagen.
Da physikalisch fundierte und verlässliche Wetterprognosen ohnehin nur für einen Zeitraum von maximal zehn Tagen möglich sind, lässt sich aus dem Zustand der Birnen im September absolut kein Rückschluss auf das Wetter im kommenden Jänner oder Februar ziehen. Die alte Bauernregel bleibt somit ein schönes Stück ländliche Nostalgie und eine charmante Tradition, die den herbstlichen Spaziergang im Obstgarten bereichert, jedoch keinesfalls als Grundlage für den Kauf von Schneeketten dienen sollte.