Bauern stöhnen
Dürre, Hitze: Große Sorge um unsere Ernten
Mit rund 2,5 Mio. Tonnen liege die Getreideproduktion ohne Mais um 19 Prozent unter dem guten Vorjahreswert und um 14,4 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt, teilte die Agrarmarkt Austria (AMA) am Mittwoch mit. Für den noch am Feld stehenden Mais wird ebenfalls eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet. In einzelnen Landesteilen in Österreich war es noch nie so trocken wie heuer.
In manchen Gegenden hätte der Ertragsrückgang bei Weizen bis zu 50 Prozent betragen, sagte Agrarmarkt Austria-Chef Günter Griesmayr am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Trotz der geringeren Getreideernte würden "ausreichend Mengen für die Herstellung von Brot, Mehl und Backwaren zur Verfügung" stehen, so Griesmayr. "Besonders erfreulich ist die hohe Qualität des geernteten Brotgetreides", so Griesmayr.
Weizenernte: Weniger Anbaufläche und Ertrag
Die Weichweizenernte beträgt heuer laut AMA rund 1,24 Mio. Tonnen - ein Rückgang um 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Minus von 18,4 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Ausschlaggebend dafür seien eine rückläufige Anbaufläche (-2 Prozent) sowie ein deutlich gesunkener Hektarertrag von 4,9 Tonnen pro Hektar (-22,2 Prozent).
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Der Weizenpreis an der Pariser Warenterminbörse stieg im Juli um rund 20 Prozent auf 245 Euro je Tonne, ging dann aber wieder bis auf rund 220 Euro zurück. Die Produktionskosten würden bei 300 Euro je Tonne liegen, damit sei es ein Minusgeschäft für die Bauern, sagte der designierte Landwirtschaftskammer-Niederösterreich-Chef und AMA-Verwaltungsratsvorsitzender Lorenz Mayr bei der Pressekonferenz. Der Weizenpreis müsse "dringend" nach oben gehen. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs schoss der Weizenpreis kurzzeitig bis auf knapp 440 Euro in die Höhe.
Der Fokus vieler Bauern liegt nun auf der Maisernte. Mais wird erst im Laufe des Sommers und Herbst geerntet. Die Getreide-Gesamtproduktion inklusive Körnermais soll laut AMA-Prognose heuer mit 4,5 Mio. Tonnen deutlich (-18,4 Prozent) unter dem Vorjahresergebnis und 12,2 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt liegen. Die Mais-Bestände seien aufgrund der extremen Trockenheit "stark gefährdet", so der AMA-Chef. Deswegen sei die Prognose "mit einem großen Fragezeichen versehen", möglicherweise müsse man die Prognose "noch einmal nach unten" korrigieren.
"Große Sorgen" um Kartoffeln, Kürbis, Mais und Zuckerrüben
AMA-Verwaltungsratsvorsitzender Mayr blickt mit "großer Sorge" in den Herbst und erwartet deutliche Ernteeinbußen bei Mais, Kartoffeln, Mais, Soja und Zuckerrüben. Aufgrund der Trockenheit setze Mais teilweise keine Kolben an und werde von den Bauern bald zu Silofutter für Tiere verarbeitet. Auch Kürbis, Kartoffeln und Soja würden stark unter der extremen Trockenheit leiden, so Mayr. Nur die Zuckerrübe könne, wenn es regnet, weiterwachsen, "bei allen anderen ist es erledigt".
Der "Wiener Zucker"-Produzent Agrana hofft noch auf ein besseres Pflanzenwachstum der Zuckerrüben. "Durch die Trockenheit wird es zu einer geringeren Rübenmenge kommen. Für eine Schätzung ist es aber noch zu früh und wird noch von der Niederschlagsmenge im August abhängen", erklärte Agrana-Sprecher Markus Simak auf APA-Anfrage.
Die Dürreschäden der heimischen Landwirtschaft lassen sich laut dem Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung noch nicht finanziell beziffern. Kommenden Montag will der Versicherer erste Zahlen liefern und lädt zu einer Pressekonferenz mit dem Titel "Katastrophale Dürreschäden in der Landwirtschaft: Ursachen und Folgen". In Österreich sind laut Hagelversicherung rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert.
FPÖ fordert "sofortiges Hilfspaket" für Landwirtschaft
Angesichts der dürrebedingten Ernte- und Futtermittelausfälle fordert FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz "ein sofortiges Hilfspaket" für die heimische Landwirtschaft. "Unsere Bauern brauchen jetzt keine weiteren Beobachtungsrunden, Arbeitskreise oder unverbindlichen Ankündigungen, sondern rasche und konkrete Hilfe", so Schnedlitz am Mittwoch in einer Aussendung. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hatte zuletzt ein Maßnahmenpaket in Aussicht gestellt. Die FPÖ drängt auf ein Dürre-Hilfspaket "mit unbürokratischen Direkt- und Überbrückungshilfen für nachgewiesene Schäden, Zuschüssen für Futterzukäufe und notwendige Transporte sowie befristeten Entlastungen bei Sozialversicherungsbeiträgen".
Erleichterungen bei der Förderungsabwicklung
Aufgrund der Rekord-Trockenheit und den damit verbundenen Herausforderungen für die Landwirtschaft habe das Landwirtschaftsministerium Erleichterungen in der Förderungsabwicklung im Rahmen des Agrarumweltprogramm ÖPUL und der Bergbauern-Ausgleichszulage beschlossen, teilte die Agrarmarkt Austria am Mittwochnachmittag mit.