Schumacher-Stunt
Elektro-SUV schafft 360-Grad-Tunnel-Looping
Vor genau 16 Jahren begeisterte ein legendärer Werbespot von Mercedes-Benz die Menschen weltweit. Damals fuhr Formel-1-Legende Michael Schumacher mit dem Flügeltürer Mercedes SLS AMG in einem Straßentunnel die Wand hoch, vollführte an der Decke einen kompletten Looping und landete sicher wieder auf der Fahrbahn. Doch dieser Stunt war ein reiner Fake, der mithilfe aufwendiger Computeranimationen realisiert wurde. Ein Augenzwinkern des Rennfahrers am Ende des Videos verriet den Zuschauern damals die digitale Schummelei.
Nun hat sich der chinesische Hersteller Voyah dieser physikalischen Herausforderung gestellt und wollte beweisen, dass eine solche Fahrt an der Decke auch in der Realität möglich ist. Dafür wurde ein brandneues Serienfahrzeug des Typs Passion S in einen speziell für diesen Versuch präparierten Tunnel geschickt, um die physikalischen Grenzen moderner Elektrofahrzeuge auszutesten.
Extreme Physik im präparierten Tunnel
Das Unterfangen war aus physikalischer Sicht ein absoluter Ritt auf dem Rasierklingen-Uhrwerk. Bei dem verwendeten Fahrzeug handelt es sich nämlich nicht um einen leichten Rennwagen, sondern um einen massiven Brocken. Der Voyah Passion S ist gut fünf Meter lang, knapp zwei Meter breit und bringt in der Allradversion stolze 2,6 Tonnen auf die Waage. Trotz dieses enormen Gewichts gelang es dem Allrad-Elektroauto, die 360-Grad-Runde über die Wand und die Decke des Tunnels tatsächlich zu absolvieren.
Für den Erfolg des Stunts mussten extrem präzise Parameter eingehalten werden. Nach Angaben des Herstellers musste das schwere Elektroauto mit einer Geschwindigkeit von exakt 130 km/h in die eigens im Tunnel errichteten Rampen hineinfahren. Der Lenkwinkel beim Übergang auf die gebogene Wand musste genau 16 Grad betragen. Schon eine minimale Abweichung bei der Geschwindigkeit von nur drei bis fielen km/h weniger hätte ausgereicht, damit das schwere Fahrzeug den Kontakt zur Decke verliert und abstürzt.
Zweifel an einer sauberen Landung
Obwohl der eigentliche Looping an der Decke offenbar gelang, bleiben erhebliche Zweifel an der Perfektion des Stunts. Das vom Hersteller als "ungeschnitten" veröffentlichte Werbevideo bricht abrupt ab, genau in jenem Moment, in dem das Auto wieder auf den Rädern landen sollte. Ein vollständiges Video, das den Voyah Passion S vor und nach dem Stunt komplett unbeschädigt zeigt, existiert bis heute nicht.
Zudem deuten Reifenspuren im Tunnel und diverse Videos auf Social-Media-Kanälen darauf hin, dass im Zuge der Vorbereitungen mehrere Fahrzeuge im Tunnel bewegt wurden. Wie viele der rund 2,6 Tonnen schweren Elektroautos bei den Fehlversuchen geschrottet wurden, behält der chinesische Konzern für sich. Auch ein unabhängiger Rekordnachweis fehlt bislang, weshalb die Aktion offiziell nur als reine Herstellerdemonstration eingestuft werden kann.
Starke Technik unter der Haube des Passion S
Auch abseits dieses spektakulären Stunts ist das neue Modell ein technisches Schwergewicht. Der Voyah Passion S erinnert optisch mit seinem flachen Dach, den breiten Hüften und einem markanten Heckspoiler an exklusive Sport-Crossover wie den Ferrari Purosangue oder den Xiaomi YU7.
Für den nötigen Vortrieb sorgen zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. In der leistungsstarken Allradversion leistet der vordere Motor 175 kW, während das Aggregat an der Hinterachse zusätzliche 300 kW mobilisiert. Das ergibt eine Systemleistung von beachtlichen 475 kW oder umgerechnet 637 PS sowie ein maximales Drehmoment von 765 Nm. Die Energie liefert ein 98,1 kWh großer Akku mit moderner 800-Volt-Technologie, der eine Normreichweite von bis zu 700 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Zyklus ermöglichen soll. Ein Arsenal an hochentwickelten Sensoren, darunter vier Lidar-Einheiten, rundet das Paket ab, das in China für umgerechnet rund 37.000 Euro angeboten wird.