Im Frühjahr

Erste Landes-SPÖ offen für Marterbauer als Parteichef

© APA/GEORG HOCHMUTH
Am Tag nach der Krisensitzung haben sich die SPÖ-Landesparteien mit dem erzielten Kompromiss zufrieden gezeigt. Eine Landes-SPÖ sprach sich bereits für Marterbauer als Parteichef aus.
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Wie ein APA-Rundruf ergab, wurde sowohl die aus mehreren Personen bestehende Führung, die dafür vorgesehenen Akteure als auch der ventilierte Fahrplan positiv bewertet. Selbst aus dem Burgenland kam keine explizite Kritik. Landesparteichef Hans Peter Doskozil will aber erst nach dem Abgang des Noch-Vorsitzenden Andreas Babler in die Bundesgremien zurückkehren.

Überraschung ist das freilich keine, haben doch die Landesparteivorsitzenden - bis auf Doskozil - gestern nach der Krisensitzung SPÖ-Chef Babler zu seinem Statement begleitet, ebenso wie Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner und ÖGB-Chef Wolfgang Katzian. Gemeinsam lauschte man dem von Babler vorgetragenen, zuvor erzielten Kompromiss, um nicht zuletzt Einigkeit zu signalisieren.

Die nicht ganz unkomplizierte Lösung sieht vor, dass sich Babler auf Raten zurückziehen wird. Bis zumindest Jahresende will er Vizekanzler bleiben, ehe er an Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) übergibt, der sich derzeit noch der Heilung seiner Krebserkrankung widmet. Mit Beginn des Jahres soll es zudem zu einem interimistischen Wechsel an der Parteispitze kommen hin zu Klubobmann Philip Kucher und Frauenvorsitzender Holzleitner. Ein außerordentlicher Parteitag im Frühling soll dann die oder den künftige(n) Vorsitzende(n) bestimmen.

Doskozil will erst nach Babler-Abgang in Gremien zurückkehren

Doskozil hielt sich am Montag mit Kritik zurück. Er will aber erst in die Gremien der Bundespartei, in denen er aktuell nicht vertreten ist, zurückkehren, wenn Babler diesen nicht mehr angehört. Die jetzt getroffene Vereinbarung soll "eine Chance bekommen", hieß es aus Doskozils Büro am Montag auf APA-Anfrage.

Der Landeshauptmann habe in der Sitzung am Sonntag zugesagt, den "mühsam zustande gekommenen Kompromiss nicht durch öffentliche Kritik zu konterkarieren". Die nun getroffene Vereinbarung soll eine Chance bekommen. In die Parteigremien werde Doskozil dann zurückkehren, "wenn die anvisierte personelle Neuaufstellung vollständig abgeschlossen ist und Andi Babler diesen nicht mehr angehört".

Zufriedenheit in den anderen Ländern

Expliziter war das Wohlwollen in den anderen Ländern. "Der Erneuerungsprozess wurde gestartet", sagte Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner am Montag auf APA-Anfrage, der im Vorfeld das Treffen der Landeschefs eingefordert hatte. Die am Sonntag präsentierte Vorgangsweise in der SPÖ bewertete er "positiv": "Diese neue Einigkeit in der SPÖ, wenn Länder, Gewerkschaften und Frauen mit einer Stimme sprechen, das hat eine Wucht, die ich in den letzten Jahren vermisst habe." Um diese Einigkeit zu erhalten, müsse man genannte Parteiakteure zusammenbringen, die Namen dafür seien genannt worden: Finanzminister Marterbauer, Klubobmann Kucher, Frauenministerin Holzleitner. "Da gibt es absolutes Vertrauen und Loyalität." Vielleicht werde das in der momentanen Lage nicht von allen so bewertet, Parteikenner würden das aber wissen. Es sei mindestens zehn Jahre her, dass alle Länderchefs in eine Richtung gearbeitet hätten.

Fellner sieht noch "das eine oder andere Fragezeichen" bezüglich des Prozesses, das werde sich aber im Laufe der nächsten Woche klären. "Der erste Schritt ist gesetzt, weitere müssen folgen." In Richtung der Koalitionspartner ÖVP und NEOS bekräftigt Fellner: "Wir sind ein stabiler Koalitionspartner." Es werde sich nicht viel verändern im roten Regierungsteam, nur wenige Kompetenzverschiebungen. Für die Bundesregierung bedeute dies keinen Grund für Unsicherheit, sondern ein Signal für Kontinuität. Auf die Frage, ob Medienmanager Gerhard Zeiler, der mit seiner Ankündigung, den roten Chefsessel übernehmen zu wollen, die aktuellen Entwicklungen losgetreten hatte, noch Thema sei, meinte Fellner: "Zeiler war auch gestern ein Randthema."

Zuspruch auch aus Ober- und Niederösterreich

Oberösterreichs SPÖ-Parteichef Martin Winkler begrüßte in einer Aussendung ebenfalls die Lösung um die künftige Aufstellung der Bundespartei. Es sei ein klarer und geordneter Weg für die kommenden Monate vereinbart worden. Die von allen Parteispitzen getragene Lösung "ist wichtig. Die Personaldebatte hat in den vergangenen Wochen schon zu viel Raum eingenommen", sagte er. Winkler gab sich zuversichtlich, dass "nach dem Bundesparteitag im Frühjahr 2027 die SPÖ gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen" werde. Er appellierte an die Genossen, "jetzt zusammenzuhalten, nach vorne zu schauen", meinte Oberösterreichs Landesparteivorsitzender, der im Herbst 2027 in seinem Bundesland eine Wahl zu schlagen hat.

Auch in Niederösterreich sah man ein wichtiges Signal für eine gute Zukunft der SPÖ. "Die Veränderung war notwendig, es wurden Gräben zugeschüttet und Ruhe in die Partei gebracht", betonte SPNÖ-Chef Landesrat Sven Hergovich: "Wir sind guten Mutes, dass wir nun in eine geeintere und bessere Zukunft gehen können." Andreas Babler habe mit seinem Rückzug die Türe für eine gemeinsame Veränderung aufgemacht, "dafür gebührt ihm Respekt". Mit Marterbauer, Holzleitner und Kucher habe die SPÖ "drei hervorragende Personen gefunden", die die SPÖ nun in "ruhigere Zeiten führen", hieß es in einem schriftlichen Statement.

Tirol für Marterbauer auch als Vorsitzenden

Tirols SPÖ-Chef Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth sprach sich unterdessen am Montag gegenüber der APA dafür aus, dass Marterbauer beim Bundesparteitag im kommenden Frühjahr auch den Parteivorsitz übernimmt. Dies sei der "klare Wunsch" der Tiroler SPÖ. Ansonsten zeigte sich Wohlgemuth mit dem Ergebnis des sonntäglichen Treffens zufrieden. Es sei "Klarheit geschaffen" worden. Die Bundesländer hätten "gemeinsam mit dem Bund, den SPÖ-Frauen und der Gewerkschaft Verantwortung übernommen und einen geordneten Übergang sowie eine personelle und inhaltliche Neuausrichtung vereinbart." Marterbauer habe als künftiger Vizekanzler seine "volle Unterstützung und Loyalität".