Schule der Zukunft

Erste Schule macht KI jetzt zum Pflichtfach

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Während über die Digitalisierung der Bildung viel diskutiert wird, schafft eine Schule in Thüringen Fakten. An der Klosterschule Roßleben steht Künstliche Intelligenz ab sofort als reguläres Pflichtfach auf dem Stundenplan.
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In den meisten Schulen stehen Mathe, Deutsch, Englisch oder Biologie ganz oben auf dem Stundenplan. In der traditionsreichen Klosterschule Roßleben im Kyffhäuserkreis (Thüringen) betreten die Lehrkräfte und Schüler nun echtes Neuland: Als erste Bildungsstätte in ganz Deutschland hat die Privatschule das Fach "KI-Kunde" als verbindliches Pflichtfach eingeführt.

Betroffen von der Neuerung sind alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 8. Damit reagiert die Schule frühzeitig auf die rasanten technologischen Entwicklungen unserer Zeit. Um den neuen Unterrichtsstoff in den Schulalltag zu integrieren, nehmen die Jugendlichen und deren Eltern eine spürbare Änderung in Kauf: Sie absolvieren dafür eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche. Insgesamt besuchen 334 Schüler die traditionsreiche Schule, und die Resonanz auf das innovative Pilotprojekt ist bereits kurz nach dem Start beachtlich.

Vom Klassensong bis zum Faktencheck: Was die Schüler lernen

Hinter dem neuen Unterrichtsfach steckt ein sorgfältig ausgearbeitetes Konzept. Der pädagogische Leiter der Privatschule, Karsten Plöger, erklärt, wie die Initiative zustande kam: "Wir konnten einen KI-affinen Physik- und Mathelehrer für das Projekt gewinnen, der bereit war, einen Lehrplan zu entwickeln. Auch die Schüler konnten sich mit Wünschen und Anregungen einbringen."

Im Unterricht geht es keineswegs nur um das bloße Ausprobieren moderner Text- oder Bildgeneratoren wie ChatGPT. Vielmehr steht ein kritischer und reflektierter Umgang mit den digitalen Werkzeugen im Mittelpunkt:

  • Ethische und rechtliche Leitplanken: Wann ist der Einsatz von generativer Software erlaubt und wo liegen die Grenzen von Urheberrecht und Datenschutz?
  • Quellenkritik und Verlässlichkeit: Die Jugendlichen lernen, wann sie den Ergebnissen einer Künstlichen Intelligenz vertrauen dürfen und wann größte Skepsis geboten ist.
  • Praxisnahe Erkennungsübungen: Anhand konkreter Beispiele wird geprüft, ob ein Text für einen Klassensong von einer Mitschülerin stammt oder per Mausklick generiert wurde.
  • Erkennen von Fälschungen: Schiefe Darstellungen, falsche Quellen oder sogenannte Halluzinationen von Algorithmen werden gezielt analysiert und entlarvt.

Karsten Plöger betont die Dringlichkeit der Initiative: "Künstliche Intelligenz wird die Lebens- und Berufswelt unserer Schüler grundlegend prägen. Deshalb reicht es aus unserer Sicht nicht, KI nur punktuell im Unterricht zu thematisieren."

Vorreiterrolle: Warum Thüringen staatlichen Plänen meilenweit voraus ist

Mit diesem mutigen Vorstoß stellt die Klosterschule staatliche Bildungsinstitutionen in den Schatten. Während das Bundesland Hessen sich gerne als bundesweiter Vorreiter darstellt und plant, das Schulfach "KI und Digitale Welt" verpflichtend zu verankern, liegt der Start dort noch in weiter Ferne. In Hessen soll der Unterricht erst im Schuljahr 2027/28 für die 5. Klassen starten, gefolgt von Klasse 6 im Jahr 2028/29. Höhere Jahrgänge mit speziellem Informatik-Schwerpunkt sind dort sogar erst ab 2029/30 vorgesehen.

In Roßleben hingegen ist die Zukunft bereits gelebte Realität. Die ersten Rückmeldungen aus der Schülerschaft und dem Elternkreis seien durchweg positiv. Plöger erläutert die ersten Erkenntnisse aus der Praxis: "Bei Kindern und Jugendlichen besteht ja die Gefahr, dass sie alles glauben, was generiert wird. Unsere ersten Erfahrungen zeigen aber, dass sie meistens mehr über KI wissen, als wir glauben."

Pflichtweiterbildung für Lehrkräfte und geplante Expansion

Der Erfolg des Modellprojekts sorgt bereits für Ausbaupläne. Das Fach "KI-Kunde" soll in den kommenden Jahren sukzessive auf weitere Klassenstufen ausgeweitet werden, um die Jugendlichen bis zum Schulabschluss lückenlos digital fit zu machen. Darüber hinaus wird das Thema auch für das Kollegium verpflichtend: Die Klosterschule macht Künstliche Intelligenz zum festen Bestandteil der Weiterbildung für alle Lehrkräfte, damit die Pädagogen stets mit dem Wissensstand der Jugendlichen Schritt halten können.