Das neue europäische Ein- und Ausreisesystem (EES) sorgt weiterhin für massive Probleme an den Grenzen des Schengen-Raums. Fast sechs Monate nach der vollständigen Einführung ist von einer Entspannung keine Spur. Die europäischen Flughafen- und Fluglinienverbände ACI EUROPE und Airlines for Europe (A4E) schlagen jetzt Alarm und warnen vor anhaltend chaotischen Zuständen bei den Grenzkontrollen. In extremen Fällen müssen Reisende zu Stoßzeiten bis zu fünf Stunden auf ihre Kontrolle warten, während Wartezeiten von mehr als zwei Stunden die Regel bleiben. Die Folgen sind verpasste Flüge, überfüllte Terminals und enormer Druck auf das Personal.
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Mehrere Schwachstellen im System
Verantwortlich für die Probleme sind laut ACI und A4E fehlendes Personal, instabile EES-Computersysteme sowie der begrenzte Einsatz von Selbstbedienungskiosken und automatisierten Kontrollsystemen. Auch die EU-App "Travel to Europe" wird wegen eingeschränkter Funktionen und geringer Verbreitung bisher nicht ausreichend genutzt. Das Entry/Exit-System (EES) ist seit dem 10. April 2026 vollständig in Betrieb und erfasst Drittstaatsangehörige elektronisch mit persönlichen Daten, Gesichtsbildern und Fingerabdrücken statt mit Passstempeln. Österreichische Staatsbürger sind von der Registrierung zwar nicht betroffen, müssen bei der Rückreise aus Nicht-Schengen-Ländern in gemeinsamen Kontrollbereichen jedoch ebenfalls mit längeren Wartezeiten rechnen.
Sechs Forderungen an die EU
Die Verbände fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten mit einem Sechs-Punkte-Plan zum sofortigen Handeln auf. Sie verlangen die Abschaffung doppelter Überprüfungen, eine Optimierung der Kontrolle biometrischer Daten sowie die Verhinderung doppelter Eintragsdaten im System. Zudem sollen die "Travel to Europe"-App überarbeitet und automatisierte Grenzkontrollen für Nicht-EU-Bürger ausgebaut werden. Die weitreichendste Forderung sieht vor, dass bei übermäßig langen Wartezeiten die biometrische Erfassung per EES vorübergehend teilweise ausgesetzt werden kann, wofür eine dauerhafte gesetzliche Verankerung gefordert wird.
Deutliche Kritik der Verbände
Die Schwierigkeiten seien längst keine anfänglichen Kinderkrankheiten mehr, üben ACI-EUROPE-Chef Olivier Jankovec und A4E-Geschäftsführerin Ourania Georgoutsakou massive Kritik an den Missständen. Es könne nicht sein, dass Passagiere, Flughäfen und Fluglinien weiterhin den Preis für vermeidbare Störungen zahlen müssten. Obwohl das System die Sicherheit an Europas Außengrenzen verbessert habe, sei das Versprechen schnellerer und einfacherer Reisen bisher nicht eingelöst worden, weshalb die beiden Verbände rasche und grundlegende Änderungen verlangen.