NATO und Russland
Experte analysiert Wahrscheinlichkeit eines russischen Angriffs
Militärexperte Markus Reisner, Leiter des Instituts für Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, analysiert im Gespräch mit dem "Münchner Merkur" von "Ippen.Media" die aktuelle Bedrohungslage. Nachdem der US-Geheimdienst gewarnt hatte, dass Russland die NATO noch im Herbst 2026 angreifen könnte, stellt sich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit eines solchen Militäreinsatzes. Einen russischen Angriff mit massiven Truppen auf Zentraleuropa hält Reisner für unwahrscheinlich, da Moskau stattdessen auf hybride Methoden setze.
Strategie der hybriden Kriegsführung
Im 21. Jahrhundert sei vor allem der Informationsraum das "entscheidende Schlachtfeld". Es gehe darum, die "Köpfe und Herzen der Menschen" zu beeinflussen, dass vor allem die Bevölkerung sagt: 'Naja, eigentlich ist der Gegner doch gar kein Gegner'. Russland versuche zwar, die NATO zu testen, setze dabei aber auf kleine Nadelstiche und psychologische Spaltung, anstatt mit massiven Truppenzahlen nach Zentraleuropa einzumarschieren.
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Vier Phasen des Kremls
Laut Reisner folgt die russische Taktik einer klaren Systematik aus vier Phasen:
- Demoralisierung über bis zu zehn Jahre
- Destabilisierung im Informationsraum
- Eine darauffolgende Krise
- Als letzte Phase eine militärische Intervention
Als Beispiel nennt er die Entwicklung in der Ukraine, die zur Niederschlagung der Maidan-Proteste durch die prorussische Regierung und den Einmarsch russischer Truppen 2022 führte.
Obwohl er hybride Angriffe für deutlich wahrscheinlicher hält als einen massiven russischen Angriff auf Zentraleuropa, könnte es "sehr wohl sein, dass es begrenzte russische Vorstöße auf NATO-Gebiet geben wird", so Reisner gegenüber "Münchner Merkur". Das würde zur dritten Phase, "also zur Krise – vor einer möglichen Vollinvasion" gehören.
NATO: Weitere Provokationen von Russland
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Angriffe auf kritische Infrastruktur
Reisner rechnet mit weiteren hybriden Angriffen und einer Zunahme von Sabotageakten. Die versuchten Drohnenangriffe in Leipzig oder den Vorfällen bei der deutschen Bundesmarine seien nur ein Vorgeschmack gewesen. Russlands Ziel sei es, "maximale Betroffenheit, Angst und Schrecken" zu erzeugen. Bei einer weiteren Eskalation drohten verstärkte Angriffe auf kritische Infrastruktur wie Flughäfen, Unterseekabel und Waffenproduktionsstätten, um Gesellschaften zu lähmen und Regierungen handlungsunfähig zu machen.