Neue Studie

Experte: Mega-Hitze wäre ohne Klimawandel "unmöglich"

Experten: "Sehen, dass dieses Event im Klima, das noch vor 50 Jahren herrschte, nahezu unmöglich war"
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Wäre der Klimawandel nicht so weit fortgeschritten, würde die beispiellos lange und intensive Juni-Hitzewelle, die am Wochenende auf ihren Höhepunkt zusteuert, merklich kühler ausgefallen: Im Jahr 1976 hätte man unter ähnlichen Umständen geschätzt rund 3,5 Grad Celsius niedrigere Tagestemperaturen und ungefähr 2,4 Grad niedrigere Nachttemperaturen registriert, berechneten Experten der World Weather Attribution-Initiative (WWA) in einer Schnellanalyse.

Die internationale Forschungsgruppe um den Studien-Erstautor Theodore Keeping vom Imperial College in London hat auch Berechnungen dazu angestellt, wie stark die dahinterliegende fortschreitende und menschgemachte Erderwärmung in einzelnen von der momentanen Hitzewelle besonders betroffenen europäischen Metropolen durchschlägt. Wien liegt im Feld jener europäischen Hauptstädte, in denen sich die zu verzeichnenden Extremtemperaturen über drei Tage hinweg deutlich schneller erhöhten, als es aufgrund des weltweiten Durchschnittsplus von 0,6 Grad Celsius seit 2003 zu erwarten wäre. In der österreichischen Hauptstadt ist die Zunahme mehr als doppelt so hoch, als eigentlich auf Basis des Welt-Trends abzusehen wäre. Der Befund trifft auch auf weitere 13 Hauptstädte zu, wie die Forschenden schreiben.

Europa als Erderwärmungs-Hotspot

Klar sei, dass sich Europa schneller erhitzt als jeder andere Kontinent. Hierzulande wies der "Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel" (AAR2) aus dem vergangenen Jahr im Schnitt eine Erwärmung um 3,1 Grad Celsius im Vergleich zum Jahr 1900 aus. "Ein Trend, der mit großer Sicherheit auf den menschverursachten Klimawandel zurückgeführt werden kann", schreiben die Forschenden aus Großbritannien, den Niederlanden, Irland, Schweden, Dänemark und Ungarn. Damit einher geht eine statistisch gesehen höhere Wahrscheinlichkeit, dass auch Sommerhitzewellen intensiver ausfallen können - ein Zusammenhang, der vielfach untersucht wurde.

Insgesamt hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren große Fortschritte darin gemacht, einzelne Extremereignisse - wie etwa auch das verheerende Hochwasser in Österreich im Herbst 2024 - mit dem Gesamt-Trend des sich erwärmenden Klimas in Verbindung zu bringen. Die WWA-Initiative wurde 2014 gegründet und legt derartige Studien immer wieder vor - auch in Reaktion auf aktuelle Ereignisse.

Vor 50 Jahren noch "nahezu unmöglich"

Die aktuelle Juni-Hitzewelle habe in etwa eine Wiederauftrittswahrscheinlichkeit von mehreren Jahrzehnten bzw. bis zu um die 100 Jahre in vielen Regionen. "Wir sehen, dass dieses Event im Klima, das noch vor 50 Jahren herrschte, nahezu unmöglich war", schreiben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter.

Im Jahr 2003 litt Europa bereits unter einem massiv heißen Sommer. Die damaligen Ereignisse führten zu rund 70.000 Todesfällen, die auf die Belastungen durch die erhöhten Temperaturen zurückzuführen sind. Die momentane Welle wäre laut den Berechnungen vor 23 Jahren um ungefähr zwei Grad Celsius im Tages- und 1,3 Grad im Nachttemperatur-Schnitt kühler ausgefallen, heißt es in dem Bericht.

Europas Gesellschaft am Rande der Anpassungsfähigkeit

Was die Belastung für den Menschen betrifft, halten sich die Forschenden an eine Maßzahl zum kombinierten Effekt von Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Luftbewegungen. Diese Faktoren beeinflussen gemeinsam, wie gut der Körper mit der Hitze umgehen kann. Der Studie zufolge wird der bisherige Rekord für diese Maßzahl für Hitzestress aktuell in über 90 Prozent der Städte in Deutschland, den Niederlanden und in Polen übertroffen. Das gelte auch für mehr als die Hälfte der untersuchten Städte in Dänemark, der Slowakei, Belgien, Irland, Großbritannien und Österreich.

Man sehe, dass schon die bisherige Erhöhung der Sommertemperaturen in Europa die Gesellschaft an den Rand dessen bringt, womit sie umgehen kann. Um noch exzessivere Hitzewellen und höhere Durchschnittstemperaturen möglichst zu vermeiden, braucht es daher einen raschen Ausstieg aus dem Verbrennen von fossilen Energieträgern, halten die Expertinnen und Experten fest.