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Experten warnen eindringlich vor Social-Media-Verbot

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt nächste Woche neue Pläne für Altersgrenzen auf Social-Media-Plattformen vor. Über 130 Organisationen laufen bereits Sturm gegen ein pauschales Verbot und fordern stattdessen strenge Sicherheitsstandards für die Tech-Riesen.
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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant für die kommende Woche die Vorstellung weitreichender Richtlinien für Altersbeschränkungen auf Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube. Zahlreiche Kinderrechtsorganisationen und Wissenschaftler sprechen sich nun jedoch vehement gegen ein generelles Verbot aus und fordern stattdessen strenge Sicherheitsstandards für Onlinedienste.

Am Dienstag wendete sich eine breite Allianz aus 132 renommierten Organisationen und internationalen Forschern mit einem eindringlichen Appell an die Europäische Union. In dem offenen Brief warnen die Experten davor, den Zugang zu sozialen Netzwerken für junge Menschen einfach komplett zu sperren. Zu den namhaften Unterzeichnern gehören unter anderem die weihin bekannte Organisation für digitale Kinderrechte 5Rights Foundation, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sowie das renommierte Zentrum gegen digitalen Hass. Nach Ansicht dieser Experten würde ein pauschales Verbot die eigentlichen Probleme nicht lösen, sondern sie lediglich in den digitalen Untergrund verschieben.

Der französische Vorstoß für eine Altersgrenze ab 15 Jahren

Die Diskussion hat auf politischer Ebene in ganz Europa bereits enorm an Fahrt aufgenommen. Eine Reihe von EU-Mitgliedstaaten liebäugelt derzeit sehr konkret mit der Einführung von harten Social-Media-Verboten für Kinder und Jugendliche. Je nach Land stehen dabei unterschiedliche Altersgrenzen im Raum, die wahlweise bei unter 13, 15 oder 16 Jahren liegen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron erhöhte am Dienstag nochmals den Druck auf die Brüsseler Behörden. Er forderte die Europäische Kommission explizit dazu auf, ein einheitliches europäisches Mindestalter von 15 Jahren vorzuschlagen – ein Modell, das in Frankreich bereits seit geraumer Zeit in Planung ist. Auch Ursula von der Leyen hat sich grundsätzlich für Einschränkungen ausgesprochen, hielt sich mit konkreten Details zu ihren Plänen bis dato aber bedeckt.

Warum Verbote laut Experten die falsche Lösung sind

Die Unterzeichner des offenen Briefes warnen eindringlich vor den unbeabsichtigten Nebenwirkungen eines solchen Verbots. Wenn man Jugendliche einfach aus den Netzwerken verbanne, lade man die gesamte Verantwortung für die Sicherheit im Internet fälschlicherweise bei den Jugendlichen selbst und ihren ohnehin oft überforderten Eltern ab. Stattdessen müsse die Europäische Union ihre Macht nutzen, um die Tech-Konzerne direkt in die Pflicht zu nehmen.

Die Experten schlagen daher ein konkretes Modell vor:

  • Festlegung von Standards: Die EU soll strenge, altersgerechte Jugendschutz-Standards für Onlinedienste definieren.
  • Nachweispflicht für Tech-Riesen: Plattformen müssen aktiv beweisen, dass sie diese Richtlinien lückenlos erfüllen.
  • Altersgerechte Freischaltung: Nur jene Dienste, welche die Kriterien nachweislich erfüllen, dürfen für Jugendliche freigegeben werden.

Bereits bestehende EU-Regeln durch den Digital Services Act

Ein juristisches Fundament für solche Maßnahmen existiert in Europa bereits. Mit dem Gesetz für digitale Dienste, dem sogenannten Digital Services Act (DSA), hat die Europäische Union bereits ein mächtiges Regelwerk für Onlineplattformen geschaffen. Brüssel wirft Giganten wie Meta sowie TikTok seit langem vor, junge Nutzer nicht ausreichend vor schädlichen Inhalten und Suchtmechanismen zu schützen.

Derzeit laufen intensive Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und den betroffenen Tech-Unternehmen über notwendige Anpassungen. Zusätzliche gesetzliche Standards oder gar flächendeckende Verbote müssten in den kommenden Monaten im Europaparlament sowie im Rat der 27 EU-Mitgliedstaaten intensiv verhandelt werden. Der herbstliche Verhandlungsmarathon in Brüssel ist damit offiziell eröffnet.