Die umstrittene Aufhebung der Sperre von US-Nationalspieler Folarin Balogun sorgt für ein wahres WM-Beben. Nun hat sich auch der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter zu Wort gemeldet – und deutliche Kritik an dem Vorgehen des Weltverbandes geübt.
Auf der Plattform X warnte der 90-Jährige vor einer politischen Einflussnahme auf den Fußball. "Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert", schrieb Blatter. Sollte tatsächlich ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert haben und ein Spieler kurz vor einem K.-o.-Spiel freigesprochen werden, stelle sich unweigerlich die Frage: "Quo vadis, FIFA?"
Besonders deutlich wurde der langjährige Verbandschef mit Blick auf die Unabhängigkeit des Sports. "Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden", betonte Blatter.
Trump-Anruf
Auslöser der Debatte sind Berichte der US-Medien The Athletic sowie der Nachrichtenagenturen AFP und AP. Demnach soll US-Präsident Donald Trump FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen haben, um sich für eine Aufhebung der Sperre Baloguns einzusetzen. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen sollen diesen Ablauf bestätigt haben. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben die Berichte bislang kommentiert.
Kurz darauf gab die FIFA bekannt, dass Balogun trotz seiner Roten Karte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina im Achtelfinale gegen Belgien spielberechtigt ist. Der Stürmer war nach einem harten, allerdings unabsichtlichen Foul des Feldes verwiesen worden. Normalerweise zieht eine Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich. Die FIFA erklärte jedoch, die Sperre werde gemäß Artikel 27 des Disziplinarreglements für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.
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Trump begrüßte die Entscheidung umgehend und bedankte sich öffentlich bei der FIFA dafür, "das Richtige getan" und eine "große Ungerechtigkeit" korrigiert zu haben.
Für zusätzliche Empörung sorgte die Entscheidung in Belgien. Der belgische Fußballverband zeigte sich "fassungslos" und kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Teamchef Rudi Garcia sprach auf einer Pressekonferenz sogar von einem möglichen "Aprilscherz", während Torhüter Thibaut Courtois erklärte, die kurzfristige Entscheidung habe sein Team überrascht.
Dass die FIFA Artikel 27 bereits angewendet hat, ist zwar nicht neu. So wurde etwa die Sperre von Cristiano Ronaldo im Vorjahr teilweise zur Bewährung ausgesetzt. Im Fall Balogun wurde die automatische Sperre jedoch faktisch vollständig aufgehoben – ein Schritt, der nun nicht nur sportlich, sondern auch politisch für erhebliche Diskussionen sorgt.