Rechnungshof warnt

636 Millionen Euro: Kostenexplosion für "Haus im Berg" der Salzburger Festspiele

© Visualisierung Jabornegg&Pálffy
Der Rechnungshof sieht beim Salzburger Großprojekt "Festspielbezirk 2030" erhebliche finanzielle Risiken. Die Kosten könnten auf mehr als 636 Millionen Euro steigen, während für Teile des Vorhabens weiterhin Finanzierungszusagen fehlen. Der Festspielfonds widerspricht der Kritik und verweist auf bereits umgesetzte Verbesserungen.
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Salzburg. Der Rechnungshof übt deutliche Kritik am Großprojekt "Festspielbezirk 2030" der Salzburger Festspiele. Laut dem veröffentlichten Endbericht könnten die Gesamtkosten von ursprünglich prognostizierten 532,07 Millionen Euro auf bis zu 636,23 Millionen Euro steigen. Zudem ist die Finanzierung wesentlicher Teile des Vorhabens weiterhin ungeklärt.

Nach Angaben des Rechnungshofes fehlten mit Stand Oktober 2025 konkrete Finanzierungsvereinbarungen für einen Betrag zwischen 88,84 und 193 Millionen Euro. Die Prüfer bemängeln außerdem, dass nicht sämtliche projektbedingten Ausgaben in der offiziellen Kostendarstellung berücksichtigt wurden.

Rechnungshof fordert mehr Kostentransparenz

Zu den nicht vollständig ausgewiesenen Ausgaben zählen unter anderem Grundstückskosten, zusätzliche Betriebskosten der Bauherrenorganisation sowie Aufwendungen für vorübergehende Spielstätten während der Bauarbeiten. Kritisch beurteilt der Rechnungshof auch die Bewertung möglicher Risiken bei bestehenden Gebäuden. Diese seien mit einer Bandbreite von lediglich 0,5 bis 1,6 Prozent der prognostizierten Errichtungskosten vergleichsweise niedrig angesetzt worden.

Die Prüfer empfehlen deshalb, sämtliche durch das Bauprojekt entstehenden Kosten in die Gesamtübersicht aufzunehmen. Dadurch sollen die tatsächlichen finanziellen Verpflichtungen transparenter und nachvollziehbarer dargestellt werden.

Festspielfonds weist Kritik zurück

Der Salzburger Festspielfonds widerspricht mehreren Feststellungen des Rechnungshofes. Von insgesamt 35 Empfehlungen seien bereits zum Zeitpunkt der Prüfung 22 umgesetzt gewesen. Zudem beziehe sich die Untersuchung auf eine frühere Planungsphase. Zahlreiche Verbesserungsvorschläge seien inzwischen in die weitere Projektentwicklung eingeflossen.

Uneinigkeit besteht insbesondere bei der möglichen Kostensteigerung. Nach Darstellung des Festspielfonds handelt es sich bei der vom Rechnungshof berücksichtigten Schwankungsbreite um eine planerische Unsicherheit, die nach den geltenden Regelwerken nicht Bestandteil des eigentlichen Kostenrahmens sei. Durch den Abschluss der Planungsphase habe sich diese Schwankungsbreite mittlerweile auf zehn Prozent reduziert.

Der Festspielfonds betont außerdem, dass die Finanzierungszusagen von Bund, Land und Stadt Salzburg einen verbindlichen Kostenrahmen mit Reserven für unvorhergesehene Entwicklungen und Preissteigerungen enthalten. Bei einem bereits erreichten Beauftragungsstand von 25 Prozent würden konkrete Angebote zudem tendenziell unter den zuvor berechneten Kosten liegen. Auch den Vorwurf mangelnder Transparenz weist der Festspielfonds zurück.

Erste Bauphase bereits angelaufen

Das Großprojekt ist in zwei Bauabschnitte gegliedert. Die erste Phase umfasst die Sanierung des Großen Festspielhauses sowie die Errichtung eines sogenannten Hauses im Berg.

Dafür sind rund 395 Millionen Euro ohne zusätzliche Schwankungsbreite vorgesehen. Die Finanzierung ist gesichert. Der Bund übernimmt 40 Prozent, das Land Salzburg und die Stadt Salzburg tragen jeweils 30 Prozent.

Im Mönchsberg haben die Arbeiten für eine neue Kaverne bereits begonnen. Dort sollen unter anderem eine Montagehalle, Proberäume, technische Einrichtungen, Verbindungsgänge und Anlieferungsbereiche entstehen.

Querschnitt: Haus im Berg. © Visualisierung Jabornegg&Pálffy

Weniger Klarheit besteht bei der geplanten zweiten Bauphase. Diese umfasst die Sanierung des Hauses für Mozart und der Felsenreitschule. Ursprünglich waren dafür rund 86 Millionen Euro vorgesehen. Eine verbindliche Finanzierung liegt allerdings noch nicht vor. Zusätzliche Unsicherheit brachte die Ankündigung von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, die im Sommer angesichts der angespannten öffentlichen Haushalte einen Kostendeckel von rund 400 Millionen Euro für das gesamte Vorhaben in Aussicht stellte.

Zweite Bauphase weiterhin ungewiss

Welche Auswirkungen diese Begrenzung auf die weiteren Bauabschnitte haben könnte, ist bislang nicht öffentlich geklärt. Auch die vorübergehende Verlegung von Einrichtungen verursacht erhebliche Kosten. Für Ersatzräumlichkeiten und Interimsspielstätten sind weitere 38 Millionen Euro veranschlagt, davon sollen 35 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln stammen.

Während der geplanten Sanierung des Großen Festspielhauses sollen Aufführungen in den Sommern 2029 und 2030 vorübergehend im Salzburger Messezentrum stattfinden. Damit bleibt die Finanzierung des gesamten Festspielprojekts trotz bereits begonnener Bauarbeiten eine zentrale Herausforderung.