Frontal-Angriff
FIFA-Beben: Rücktritt von Infantino gefordert
FIFA-Präsident Gianni Infantino ist nach Ansicht von Spaniens Liga-Chef Javier Tebas im Amt nicht mehr tragbar. "Der Weltfußball braucht eine neue Führung, die die Verbandsstrukturen modernisiert, die institutionelle Glaubwürdigkeit wiederherstellt und künftige Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren entwickelt", forderte Tebas in den sozialen Medien den Rücktritt Infantinos, der nach seinem gescheiterten Investorendeal immer stärker in die Kritik gerät.
Der Schweizer Infantino hatte zuletzt nach massiver Kritik seinen Plan aufgegeben, Anteile an den kommerziellen Rechten der FIFA-Wettbewerbe wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM an private Investoren zu verkaufen.
Tebas mit Frontal-Angriff: "Lediglich die Spitze des Eisbergs"
"Das Problem war nie nur dieser eine Vorschlag. Das Problem ist ein Modell der Verbandsführung, das Macht konzentriert, Kontrollmechanismen schwächt und diejenigen an den Rand drängt, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind", schrieb Tebas. "Der Rückzug eines Vorschlags macht das Geschehene nicht ungeschehen. Er ist lediglich die Spitze des Eisbergs."
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Isoliert ist Infantino trotz der immer lauter werdenden Kritik nicht. Der 56-Jährige, der sich im kommenden März beim FIFA-Kongress in Rabat in Marokko nach elf Jahren im Amt eigentlich ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen will, bekommt noch Zuspruch, insbesondere aus Afrika.
Unter anderem der ägyptische Fußballverband bekräftigte sein "volles Vertrauen" in die Führung von Infantino. Und auch Marokko, gemeinsam mit Spanien und Portugal Haupt-Gastgeber der Männer-WM 2030, sprach ihm neuerlich seine Unterstützung aus.
UEFA im Machtkampf mit Infantino
Dennoch: Die Kritiker stürzen sich nach dem krachenden Scheitern der milliardenschweren Investorenpläne auf den angezählten FIFA-Boss Gianni Infantino.
Unter der Führung von Präsident Aleksander Ceferin heizte die Europäische Fußball-Union UEFA den Machtkampf mit markigen Worten an und legte dem mächtigsten Mann im Weltfußball notdürftig verklausuliert den Abschied nahe. Kritik kam auch vom ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll.
WM-Boykotts: Infantino - "Vorschlag keine Verpflichtung"
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"Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie", erklärte der europäische Dachverband, nachdem der angeschlagene Infantino angesichts weltweiter Empörung und unter massivem öffentlichem Druck bei seinem heftig umstrittenen Kommerz-Projekt eine peinliche Kehrtwende vollzogen hatte. "Das ist ein Sieg für das ganze Spiel. Aber es darf nicht das Ende der Geschichte sein", hieß es vonseiten der UEFA. "So können wir nicht weitermachen - mit geheimen Machenschaften, die im Eiltempo von gesichtslosen Individuen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport fragwürdig ist". Man müsse "die Verantwortlichen ausfindig machen und sie zur Rechenschaft ziehen."
Pröll: "Fußball weltweit in seinen Grundfesten erschüttert"
Pröll äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme ebenso mit klaren Worten. Den Investorenplan vom Tisch zu nehmen, sei ein "erster richtiger Schritt" gewesen. Die Pläne haben den Fußball weltweit in seinen Grundfesten erschüttert und viel Vertrauen ist verloren gegangen."
Dennoch könne man nicht zur Tagesordnung übergehen, mahnte Pröll. "Es sind viele Fragen offen. Dem Fußball steht eine intensive Zeit mit grundlegenden Diskussionen bevor. Wir sind bereit, diese besonnen und im engen Dialog mit den Verbänden und der UEFA an der Spitze zu führen, um gemeinsam die richtigen Weichen für eine nachhaltige und vertrauensvolle Zukunft des Fußballs zu stellen, in der der Sport im Zentrum steht. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung."
Mit besonderer Schärfe trug die CONCACAF ihre Kritik vor. Der ursprünglich geplante Investoren-Deal der FIFA sei "Symptom für eine Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen", teilte der Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik mit.