Nieder- und Oberösterreich
Fischsterben durch Rekord-Niedrigwasser
Der Pegel Kienstock (Bezirk Krems) ist am Dienstag erneut auf ein Rekordtief von 109 Zentimetern gesunken. In Oberösterreich ist die Mattig auf mehreren Kilometern trockengefallen.
"Viele Jungfische verenden", sagte der Wachauer Fischereiaufseher Hermann Miedler zur APA. "Das Problem wird immer dramatischer." Das Fischsterben reiße auch die kleinen Lebewesen am Bachgrund mit sich, von denen sich Fische ernähren, führte Oberösterreichs Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) aus.
Derzeit werde an allen Gewässern in Niederösterreich ein ziemlich niedriger Wasserstand verzeichnet, sagte Günther Konheisner, stellvertretender Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Niederösterreich. Entlang der Donau sowie an 20 bis 30 Prozent der Messstellen an kleineren Gewässern liege der Pegel im Bereich der historischen Tiefstwerte. In Anbetracht der prognostizierten Hitze und ausbleibenden Niederschläge in den kommenden Tagen werden diese "höchstwahrscheinlich unterschritten". Der mittlere jährliche Niedrigwasserabfluss, also der Mittelwert aus den geringsten Abflüssen, sei derzeit an 80 Prozent der Messstellen unterschritten - "das zieht sich über das ganze Bundesland", so Konheisner.
Große Zubringer zur Donau unter Niederwasserwert
Auch an fast allen großen Zubringern zur Donau in Oberösterreich liegt der Abfluss bereits unter dem langjährigen Niederwasserwert. Und im Innviertel ist die rund 40 Kilometer lange Mattig, die in den Inn mündet, auf einer Strecke von fünf Kilometern komplett trockengefallen. Die Prognosen für die kommenden zwei Wochen zeigen: Ohne Regen im Einzugsgebiet der Donau sinken die Pegel weiter, hieß es aus dem Büro des Landesrats.
Miedler rechnet auch damit, dass der Pegel Kienstock in den kommenden Tagen unter 100 Zentimeter fallen wird. In den vergangenen Tagen wurde der historische Tiefstand von bisher 111 Zentimetern aus 2018 unterschritten, wie auch mehrere Medien berichteten. Durchschnittlich werden hier um die 300 Zentimeter gemessen. In Aggstein reicht die Messlatte nicht einmal mehr in die Donau. Das habe es noch nie gegeben, berichtete der erfahrene Fischereiaufseher.
Fische werden übersiedelt
Die Hitze sorgt für wärmere Gewässer, der Sauerstoffgehalt sinkt. Werden an einer der Messstellen in Niederösterreich kritische Temperaturen erreicht, werden die Fischereiverbände automatisch gewarnt, damit sie Tiere abfischen und übersiedeln oder im Bereich von Kraftwerken bzw. Stauanlagen mehr Wasser zuführen können. Ein Sauerstoffmangel habe "letale Auswirkungen auf die Fische", erklärte Konheisner. Bereits in Zusammenhang mit der Hitzewelle vor rund einem Monat seien wegen der hohen Temperaturen und der geringen Wasserführung vereinzelt Fische verendet. Durch das Niedrigwasser fallen auch Laichplätze am Rand trocken. Damit sich die Lage wieder entspannt, "ist man auf Niederschlag angewiesen", betonte er.
Durch den fehlenden Niederschlag und die Hitze entstehen Tümpel ohne Zufluss, in denen die Wassertemperatur auf 28 bis 30 Grad steigt. Vor allem junge Tiere, die sich bevorzugt in Ufernähe aufhalten, verenden. "Wir finden immer wieder tote Fische", berichtete Miedler.
20 Grad schon für Bachforelle oder Saibling ernst
Kälteliebende Arten wie Bachforelle, Äsche oder Saibling geraten schon bei rund 20 Grad in Bedrängnis, so Kaineder. Bleibe das Wasser länger über 25 Grad warm, überleben die meisten dieser Tiere das nicht. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Oberösterreichs Gewässer stärker aufgeheizt als die Luft.
Die Fischer versuchen immer wieder, vor allem größere Tiere aus Tümpeln in Bereiche zu übersiedeln, wo sie besser überleben können. Doch für viele Jungfische ist die Lage aussichtslos. Eine Bedrohung stellt auch der Schiffsverkehr dar, der allerdings aufgrund des Niedrigwassers derzeit bereits deutlich eingeschränkt ist. Durch den Wellenschlag werden Fische ans Ufer geschwemmt und verenden dort. Einen Schutz davor bieten sollen Nebenarme entlang der Donau - etwa in Rossatz, Aggsbach und Schallemmersdorf sowie Grimsing, wo derzeit ein Renaturierungsprojekt läuft.
Fließgewässer zurück in naturnahen Zustand
Bäume und Sträucher am Ufer spenden Schatten und kühlen das Wasser spürbar ab. Genauso wichtig: freie Wege im Fluss, über die Fische in kühlere Zonen ausweichen können, etwa flussauf oder in Seitenbäche - vorausgesetzt, keine Barriere versperrt ihnen den Weg. Auch der Austausch mit dem Grundwasser hält Bäche kühl.
Das Land Oberösterreich baut auch Fließgewässer in einen naturnahen Zustand zurück. Mit Ufergehölzen und Sträuchern, die Schatten auf das Wasser werfen, sowie freien Wanderwegen für Fische werde versucht, den heimischen Fischarten auch in den heißeren Sommern ein Überleben zu ermöglichen.