Wien im Sinkflug
Flughafen Bratislava knackt 4-Millionen-Marke: Billigflieger setzen Wien unter Druck
Zum ersten Mal in seiner 75-jährigen Geschichte hat der Flughafen Bratislava heuer die Marke von vier Millionen Passagieren innerhalb eines Kalenderjahres durchbrochen.
Bratislava plus 100%
Der viermillionste Passagier hob am 21. Oktober via Pegasus Airlines in Richtung Istanbul ab. Bis zum Jahresende 2026 rechnet die Flughafenleitung in der slowakischen Hauptstadt mit rund 4,3 Millionen Fluggästen. Das bedeutet fast eine Verdopplung gegenüber dem bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2025, als 2,4 Millionen Reisende gezählt wurden.
Flughafen Wien im September -7,5%
Ganz anders stellt sich die Situation am Flughafen Wien-Schwechat dar. In den ersten neun Monaten des Jahres von Jänner bis September wurden am Standort Wien 23,5 Millionen Passagiere abgefertigt. Das entspricht einem Rückgang von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Allein im September lag das Minus bei 7,5 Prozent. Die Flughafenführung macht für diese Entwicklung vor allem das ausgedünnte Angebot der Low-Cost-Airlines verantwortlich.
Aus den Ländern wächst der Druck auf die Bundesregierung für eine Abschaffung der Flugabgabe. Die Landeshauptleute von Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten - Anton Mattle, Karoline Edtstadler, Thomas Stelzer (alle ÖVP), Mario Kunasek (FPÖ) und Daniel Fellner (SPÖ) - richteten ein gemeinsames Schreiben an Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ), in dem sie diese Forderung erhoben.
Die Flugabgabe beträgt zwölf Euro pro Ticket. Bei Kurzstrecken bis 350 Kilometer fallen 30 Euro an.
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Bratislava führt europaweites Wachstum an
Von Jänner bis September 2026 verzeichnete Bratislava exakt 3.693.231 Passagiere: Ein Zuwachs von satten 99 Prozent. Im Monat September kletterte das Aufkommen um 89 Prozent auf 498.957 Fluggäste. Nach Erhebungen des europäischen Flughafenverbandes ACI Europe belegt Bratislava damit Platz eins beim prozentualen Passagierwachstum unter allen mittelgroßen Airports des Kontinents mit einer Kapazität von einer bis zehn Millionen Fluggästen.
Verantwortlich für diesen massiven Schub sind in erster Linie zwei Fluglinien:
- Wizz Air: Eröffnung einer eigenen Basis in Bratislava im November 2025 (und völliger Rückzug aus Wien)
- Ryanair: Kontinuierlicher Ausbau des Streckennetzes und der Flugfrequenzen
Besonders stark nachgefragt waren in den ersten neun Monaten die Verbindungen nach Barcelona, London, Antalya, Košice sowie Rom. Für den Sommerflugplan sind bereits weitere Destinationen fixiert: Ryanair bedient ab 28. März 2027 Chania auf Kreta, während Wizz Air neue Routen nach Agadir, Baku, Hurghada und Sarajevo aufnimmt.
Streit um die Flugabgabe: Schwechat fordert Entlastung
Dass ein wesentlicher Teil des Zuwachses in Bratislava direkt auf Kosten Wiens geht, bestätigt das Wiener Flughafenmanagement. Vorstand Julian Jäger stellte klar: "Ryanair und Wizz Air reduzieren Kapazitäten und verlagern Streckenangebote nach Bratislava." Wizz Air schloss ihren Standort in Wien im März 2026 komplett und verweist Reisende seither auf Abflüge ab Bratislava sowie Budapest. Ryanair strich zum Winterflugplan zusätzliche Routen ab Schwechat.
Hintergrund des Konflikts ist die österreichische Ticketabgabe von zwölf Euro pro abfliegendem Passagier. Am 18. Oktober forderten die Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner gemeinsam mit den Bundesländern Wien und Niederösterreich die Abschaffung dieser Abgabe mit deutlichen Worten: "Österreich hat sich mit der Flugabgabe hinausgepreist." Die Bundesregierung stellte im Doppelbudget immerhin eine jährliche Entlastung von 30 Millionen Euro für die heimische Luftfahrt in Aussicht.
Busanbindung ab Wien als günstige Alternative
Für Passagiere aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland entwickelt sich Bratislava zunehmend zur ernsthaften Drehscheibe:
- Slovak Lines bedient die Strecke vom Wiener Hauptbahnhof direkt zum Airport Bratislava ohne Zwischenhalt
- Die Fahrzeit beträgt rund 70 Minuten
- Tickets sind online bereits ab 7,90 Euro buchbar
Dennoch gilt für Schnäppchenjäger: Genau nachrechnen! Wer Zusatzkosten für Gepäck, Sitzplätze und Transfer nicht im Blick hat, verliert den Preisvorteil rasch. Zudem müssen die Busabfahrten genau zum Flugplan passen.