Von einem Sommerloch kann der ORF derzeit nur träumen. Am Dienstag stehen schließlich gleich zwei wichtige Termine im ORF-Kalender:
Die vom designierten ORF-Chef Clemens Pig vorgestellten Direktoren sollen in der Stiftungsratssitzung am 11. August schließlich gewählt werden. Für sein Team – Pig überraschte mit einem relativ unabhängigen Direktoriumsvorschlag – dürfte er eine deutliche Mehrheit erhalten. Schwarz, Rot, Pink, Grüne und auch Betriebsräte dürften das Personalpaket im Unterschied zu den blauen Stiftungsräten absegnen.
Weißmann klagt auf vier Millionen Euro
Keine Entscheidung ist beim zweiten für den ORF entscheidenden Tagesordnungspunkt vor dem Arbeitsgericht zu erwarten. Dort klagt der vom ORF gekündigte Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann seinen früheren Arbeitgeber auf knapp vier Millionen Euro.
Geboten hatte der ORF – Weiterzahlung von neun Monaten Gehalt plus zwei Jahre Abfertigung – die de facto gesetzliche Summe in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro
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Die Verhandlung wird wohl vertagt werden und jede Menge Schmutzwäsche könnte weiter gewaschen werden.
Immerhin hatte Weißmann – eine ORF-Mitarbeiterin bezichtigt ihn der sexuellen Belästigung, die er dementiert – Strafanzeige gegen die Frau und deren Anwalt sowie unbekannte Täter wegen mutmaßlicher Erpressung und Nötigung eingebracht. Gegen die Frau und ihren Anwalt ermittelt die Staatsanwaltschaft seit knapp zwei Monaten.
Ermittlungen gegen Stiftungsratsvorsitzenden
Seit einem Monat wird auch ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer von der Staatsanwaltschaft Wien in einem Anfangsverdacht-Verfahren als Beschuldigter wegen einer mutmaßlichen "qualifizierten Nötigung" als Beschuldigter geführt. Via oe24 kontert Lederer, dass "ich nur meine Aufgabe als haftender Stiftungsrat erfüllt" habe.
Weißmann hatte in einer Aussage vor der Staatsanwaltschaft angegeben, dass Lederer ihn eine "halbe Stunde angebrüllt" habe und Personalwünsche geäußert habe.
Genau diese dürfte Pig übrigens in der ersten Runde – dem Vierer-Gremium in seinem Direktorium – abgewehrt haben. Aber: Die Politik hatte sich aufgrund der Klagsdrohungen nach Pigs Wahl mit allzu forschen Forderungen ausnahmsweise zurückgehalten.
Das könnte sich 2027 – Clemens Pig soll ab 1. Jänner 2027 den ORF übernehmen – schlagartig ändern.
ORF: FPÖ bringt jetzt ihre Klage ein
Immerhin dürften laut ORF-Insidern sowohl SPÖ als auch ÖVP bereits um Chefredakteursposten rittern.
Die FPÖ dürfte indes eine Popularbeschwerde gegen gegen den ORF bei der KommAustria (Kommunikationsbehörde) gegen den ORF einbringen. Die Blauen meinen, dass Clemens Pig angeblich die Qualifikationskriterien nicht erfülle.
Dass die KommAustria das entscheidet, gilt als unwahrscheinlich. Sie würde wohl eher die Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof weiterleiten. Was das Kalkül der Blauen wäre.
Bis dahin arbeitet übrigens die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher die diversen Compliance-Vorwürfe gegen die diversen ORF-Manager ab. Kürzlich berief sie auch den mehr als umstrittenen ORF-3-Chef Schöber ab.