Es gibt ja Aussagen, die bleiben an ihren Urhebern picken wie Pattex. Beim SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz war es in den 1980ern der Satz „Ohne die Partei bin ich nichts.“ Sein Nachnachfolger Karl Nehammer trug sich mit der Empfehlung in die Geschichtsbücher ein, arme Kinder sollten Burger essen. Ob es Christian Stocker ebenso gehen wird, der am Donnerstag in Salzburg einigen Müttern etwas von oben herab erklärte, dass Kinderbetreuung keine Arbeit ist? Es ist noch offen.
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Tatsache ist: Bei der Veranstaltungsreihe „Österreich im Gespräch“ ließ Stocker ein eher gestriges Frauenbild aufblitzen. Allerdings zog der ÖVP-Chef nicht einmal 24 Stunden später spektakulär die Notbremse: „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit. Kinderbetreuung ist Arbeit. Gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisten damit Großartiges.“
Ein Kanzler, der in Sack und Asche geht - das ist auch nicht alltäglich.
Frauen arbeiten doppelt so viel wie Männer unbezahlt
Dem war ein ebenfalls nicht alltäglicher Empörungssturm vorausgegangen. Kein Wunder: Laut Statistik Austria übernehmen Frauen rund zwei Drittel der unbezahlten Arbeit (Haushalt, Pflege, Kinderbetreuung). Während Männer im Schnitt 2,5 Stunden täglich für unbezahlte Arbeit aufwenden, sind es bei Frauen rund 4,3 Stunden.
Protest aus allen Parteien - auch aus der ÖVP
Der Protest kam aus allen Parteien - auch aus der ÖVP: Denn der Stocker-Sager - getätigt ausgerechnet in Salzburg - traf eine ganz besonders: Karoline Edtstadler, die derzeit mit einer Kampagne „Landeshauptfrau mittendrin“ zu punkten versucht und 2028 eine Landtagswahl gegen ihre FPÖ-Stellvertreterin Marlene Svazek zu schlagen hat. Edtstadlers Reaktion glich somit einer Zurechtweisung: „Als ehemals alleinerziehende Mutter weiss ich, wie sehr Frauen gefordert sind und wie schwierig es ist, die Betreuung für Kinder sicherzustellen. Unsere Aufgabe ist es, Familien zu unterstützen und ihnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten. Dafür steht die ÖVP.“
Doch auch aus den anderen Parteien hagelte es Kritik: Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) zeigte sich „überrascht“ und legte die entsprechenden Statistiken vor. NEOS-Familiensprecherin Gertraud Auinger-Oberzaucher widersprach Stockers Aussage und betonte, dass Kinderbetreuung natürlich Arbeit sei, wenn auch eine verantwortungsvolle und oft auch harte Arbeit.
Bemerkenswert auch die Reaktion der FPÖ, die ja in Sachen Gleichberechtigung und Ausbau der Kinderbetreuung stets auf der Bremse steht. FPÖ-Obmann Herbert Kickl in dieser Frage anscheinend geläutert: „Diese ÖVP ist völlig empathielos, familienfeindlich und Lichtjahre von der Lebensrealität der eigenen Bevölkerung entfernt.“ Noch vor einigen Monate hatte Kickl die Rolle der Frauen mit einem Lob erklärt, nämlich dafür, dass diese den Männern den Rücken freihalten.
Auch die Gewerkschaft meldete sich zu Wort: Laut ÖGB-Frauen-Chefin Christa Hörmann offenbare Stocker ein Familienbild, „das Frauen seit Jahrzehnten benachteiligt“.
Dann also die Entschuldigung. Stocker wird der Sager trotzdem weiter verfolgen. Zumindest bei den Sommergesprächen kann sich der Kanzler dann kritischen Nachfragen nicht mehr entziehen...
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