Bilanz vom Samstag

Frankreich-Proteste: Krawalle, 1.000 Festnahmen, Tränengas

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Am Samstag gingen in Frankreich erneut Hunderttausende Menschen auf die Straße. Sie forderten mehr Kaufkraft sowie bessere öffentliche Dienstleistungen, während es in vielen Städten zu Krawallen kam.
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Frankreich. An einem erneuten Protesttag sind in ganz Frankreich zwischen 410.000 (laut französischem Innenministerium) und 800.000 Menschen (laut Gewerkschaft CGT) für mehr Kaufkraft und bessere öffentliche Dienstleistungen auf die Straße gegangen. Das berichtet "Le Parisien" online. Obwohl die Mobilisierung etwas geringer ausfiel als in der Vorwoche (550.000 laut Behörden), kam es in mehreren Städten zu Ausschreitungen. Landweit sicherten 70.000 Einsatzkräfte die Demonstrationen; knapp 1.000 Personen wurden festgenommen. Der französische Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete die Proteste dennoch als weitgehend "friedlich".

Krawalle in Paris und Schwerverletzter in Toulouse

  • Paris: Bei der Großdemonstration (110.000 laut Behörden / 250.000 laut CGT) griffen am Abend am Cours de Vincennes mehr als 500 Randalierer die Sicherheitskräfte mit Wurfgeschoßen an. Die Polizei löste die Versammlung auf und setzte Wasserwerfer sowie Tränengas ein. Nach über 3.000 Kontrollen gab es 65 Festnahmen. Laut Polizeipräsidium blieb dies der einzige Konfliktherd der Hauptstadt.
  • Toulouse: Neben stark abweichenden Teilnehmerzahlen (26.500 Präfektur / 80.000 CGT) überschattete ein schwerer Vorfall die Kundgebung: Einem 20-Jährigen wurden bei Zusammenstößen durch die Explosion eines nahen Sprengkörpers mehrere Finger an der rechten Hand abgerissen.
Eine Gruppe von Demonstranten schützt sich während eines Protestes in den Straßen von Paris am 24. Oktober 2026 in Paris (Frankreich) vor einem Wasserwerfer. Nach Gewaltausbrüchen und Plünderungen am Rande der Proteste vom 17. Oktober haben die Behörden in französischen Städten und Gemeinden für den 24. Oktober Ausgangssperren, Bewegungseinschränkungen und zum Teil vollständige Demonstrationsverbote verhängt. © Getty Images

Unruhen in zahlreichen Städten

Auch in zahlreichen anderen Städten kam es am Rande der Märsche zu Krawallen und Polizeieinsätzen:

  • Lyon: Rund 10.000 Personen zogen unangemeldet und in Gruppen unkoordiniert durch die Innenstadt. Aufgrund eines erweiterten Versammlungsverbots – nach einem Brandschaden am Fremdenverkehrsamt in der Vorwoche – schritt die Polizei mit Tränengas ein.
  • Nantes & Saint-Nazaire: In Nantes drangen fast 20.000 Demonstranten trotz Absperrungen ins Zentrum vor; die Polizei drängte sie mit Tränengas zurück. Es gab sechs Festnahmen. In Saint-Nazaire protestierten Samstagmorgen 1.000 bis 1.500 Menschen.
  • Marseille, Lille & Toulon: In Marseille (17.000 Präfektur / 100.000 CGT) bewarfen Vermummte die Polizei und steckten Müllcontainer in Brand. Auch in Lille (15.000 Präfektur / 35.000 CGT) wurden Einsatzkräfte attackiert und erwiderten dies mit Tränengas sowie Wasserwerfern. Ruhiger blieb es in Toulon mit knapp 1.000 Teilnehmern.
Demonstranten kicken Tränengasgranaten weg während einer Demonstration für Kaufkraft, den Schutz öffentlicher Dienstleistungen sowie steuerliche und soziale Gerechtigkeit in Lyon am 24. Oktober im Rahmen eines landesweiten Aufrufs zur Mobilisierung, der ehemalige Mitglieder der Gelbwesten-Bewegung, Gewerkschaften, Schüler sowie Studierende zusammenbringt. Proteste von Schülern gegen die Lernbedingungen lösten eine Bewegung aus, die sich seitdem im ganzen Land ausgebreitet hat und durch die breitere Wut über die steigenden Lebenshaltungskosten angeheizt wird. © APA/AFP/OLIVIER CHASSIGNOLE

Friedlicher Gegenprotest in Orléans

Einen besonderen Schwerpunkt bildete Orléans, wo die rechtspopulistische Partei Rassemblement National sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl seinen Parteikongress abhielt. Hier demonstrierten zwischen 13.000 (Präfektur) und 26.000 Menschen (Veranstalter) friedlich gegen "Rassismus, Faschismus und Imperialismus". Ein massives Polizeiaufgebot verhinderte dort die befürchteten Eskalationen.