Enttäuschung

Frust: Schlagerstars lassen Fans im Stich

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Ein Schlag ins Gesicht für Live-Veranstalter und Schlagerfans: Immer häufiger lassen Stars gebuchte Konzerte kurzfristig platzen, weil lukrative TV-Produktionen von ORF, ARD und ZDF den Vorrang in den Verträgen genießen.
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Wer Karten für ein Schlager-Open-Air kauft, freut sich auf seine Lieblingsstars – erlebt derzeit aber immer öfter eine böse Überraschung. Große Samstagabendshows wie der "Schlagerbooom" (der erst kürzlich wieder in Kitzbühel aufgezeichnet wurde) oder die "Giovanni Zarrella Show" spülen Millionenpublikum vor die Bildschirme von ORF, ARD und ZDF. Doch während die Sender Jubelquoten feiern, bleiben lokale Veranstalter auf leeren Bühnen sitzen.

Besonders dreist zeigt sich das Problem bei Event-Reihen wie der "Schlagernacht der Stars". Ursprünglich sollten Publikumslieblinge wie Beatrice Egli, Kerstin Ott, Vincent Gross, Norman Langen und Tim Peters gemeinsam auf der Bühne stehen. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß: Mehrere Stars sagten ihre Auftritte kurzfristig ab – zugunsten einer zeitgleichen Aufzeichnung von Giovanni Zarrella im ZDF.

Die umstrittene Vertragsklausel: Musiklabels fordern TV-Vorrang

Hinter dem Frust steckt System. Veranstalter berichten von strikten Vertragsklauseln, die auf ausdrücklichen Wunsch der Musiklabels in fast jeden Kontrakt diktiert werden: Erhalten die Stars ein Angebot für einen großen Fernsehauftritt, dürfen sie bereits zugesagte Live-Konzerte spontan stornieren. "Letztes Jahr war es nur ein Künstler, dann sind wir extra ein Wochenende nach vorn gerutscht. Aber der liebe Zarrella meinte es noch besser mit uns dieses Mal", klagt ein betroffener Event-Manager.

Auch Österreich ist von dieser Praxis direkt betroffen. Als im Juni die Absagewelle bei Freiluft-Veranstaltungen um sich griff – unter anderem baten Maite Kelly und Vanessa Mai um Vertragsauflösung –, lag der Grund direkt in den Tiroler Alpen: Am Folgetag stand das große "Schlagerbooom Open Air" in Kitzbühel auf dem TV-Plan.

Sender wiegeln ab: Die Zeche zahlen die Fans

Auf Nachfrage zeigen sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wortkarg. Das ZDF betont, keinen direkten Einfluss auf abgesagte Konzerte zu nehmen: "Die Entscheidung, ob und wo ein Künstler auftritt, liegt natürlich beim Künstler selbst." Die ARD wiederum verweist schwammig auf "programmplanerische Erfordernisse sowie organisatorische Rahmenbedingungen" bei der Terminfindung und verweigert zu konkreten Vertragsklauseln jeglichen Kommentar.

Am Ende stehen die Veranstalter vor enormen finanziellen sowie organisatorischen Schäden – und die Schlagerfans vor abgesagten Träumen. Denn solange die TV-Präsenz vor dem Live-Publikum rangiert, bleibt der Ticketkauf ein absolutes Glücksspiel.