Wegen Trump-Freundschaft

FIFA legt sich mit Gianni Infantino an

© FIFA via Getty Images
FIFA-Boss Gianni Infantino muss wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl des Fußball-Weltverbandes den nächsten Rückschlag einstecken.
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Die Wahl zum nächsten FIFA-Präsidenten wird immer mehr zum Krimi. Zwar gibt es immer noch keinen offiziellen Gegenkandidaten für den umstrittenen Gianni Infantino. Spätestens seit seinem Plan, die Weltmeisterschaften zu privatisieren, ist der Widerstand gegen den 56-jährigen Schweizer Fußball-Boss stark spürbar.

Dennoch hält er an seiner angestrebten Wiederwahl fest und will sich nicht von der Unruhe beirren lassen, auch wenn er sich mittlerweile für seine Pläne entschuldigt hat.

Im März wird im Rahmen des FIFA-Kongresses in Marokko das neue Oberhaupt des Weltfußballs gewählt. Vor allem der europäische Verband UEFA versucht vehement, einen neuen Präsidenten zu finden. Doch bisher findet sich keiner, der sich die Aufgabe zutrauen möchte.

Nächster FIFA-Aufstand gegen Infantino

Hinter den Kulissen des Weltfußballs brodelt es aber ohnehin gewaltig. Bei der jüngsten Sitzung des FIFA-Rats am Donnerstag geriet der Verbandspräsident wegen des im Vorjahr ins Leben gerufenen Friedenspreises massiv unter Druck. Mehrere hochrangige Mitglieder des Rats forderten laut der britischen Zeitung Guardian, die umstrittene Auszeichnung, die mehr als Freundschaftsdienst für US-Präsident Donald Trump gewirkt hat, komplett abzuschaffen. Damit wäre die nächste wahnwitzige Infantino-Idee schon wieder Geschichte.

Donald Trump erhält den FIFA-Friedenspreis von Gianni Infantino. © AFP

Andere Ratsmitglieder plädierten für eine sofortige und konsequente Entpolitisierung des Preises. Der Schweizer versuchte, den wachsenden Unmut abzufedern, indem er gleich zu Beginn des Treffens mitteilte, dass die Angelegenheit an das FIFA-Komitee für gesellschaftliche Verantwortung (Social Responsibility Committee) übertragen wurde.

Doch damit war das Thema noch lange nicht beendet. Im Verlauf der Sitzung brachten Ratsmitglieder die Auszeichnung im Rahmen einer Reihe kritischer Nachfragen zu potenziellen Interessenskonflikten innerhalb der FIFA erneut zur Sprache. Innerhalb des FIFA-Rats herrscht die feste Überzeugung vor, dass der Friedenspreis in seiner bisherigen Gestalt durch die direkte Verknüpfung mit Donald Trump nachhaltig beschädigt ist. Einige Funktionäre äußerten zudem massive Bedenken mit Blick auf künftige Verleihungen.

Abschaffung unwahrscheinlich

Eine komplette Abschaffung der Auszeichnung gilt derzeit dennoch als eher unwahrscheinlich. Das 22-köpfige Komitee für gesellschaftliche Verantwortung wird von Vertretern aus Ländern dominiert, die als treue Gefolgsleute Infantinos gelten. Ein ersatzloses Streichen des Preises würde als schwere persönliche Demütigung für den FIFA-Präsidenten gewertet werden.

Als wahrscheinlichstes Szenario gilt laut Ratskreisen eine vollständige Neudefinition des Preises: Künftig soll die Ehrung ausschließlich an Persönlichkeiten aus dem Fußballsport vergeben werden, die sich in herausragender Weise um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Verantwortung verdient gemacht haben. Eine ausdrückliche Klausel soll dabei festschreiben, dass aktive Politiker von der Vergabe kategorisch ausgeschlossen sind. Die Entscheidung darüber fällt bereits im Dezember bei der angesetzten FIFA-Sitzung in Doha. Ein weiterer Termin, der über die Zukunft des umstrittenen FIFA-Präsidenten mitentscheidend sein könnte.