Im Atlantik

Genial: 3D-Drucker soll zerstörte Riffe retten

© Getty Images/iStockphoto
Im Atlantik erprobt ein Forschungsteam künstliche Riffe aus dem 3D-Drucker. Die riesigen Strukturen sollen geschädigte Kaltwasserkorallen bei ihrer Regeneration unterstützen.
Zur Vollversion des Artikels

Um die geschädigten Kaltwasserkorallenbestände im Atlantischen Ozean zu regenerieren, setzt ein internationales Forschungsteam aktuell auf modernste Technik. Insgesamt 23 künstlich hergestellte Strukturen wurden vor der irischen Porcupine Bank sowie im französischen Golf von Biskaya erfolgreich im Meer versenkt. Die Arbeiten sind Teil der Projekte REDECOR und REDRESS, an denen Institutionen wie die University of Galway, Ifremer und die Sorbonne Université beteiligt sind.

Spezial-Beton

Die Basis für die Unterwasser-Bauten bildet ein spezieller CO₂-reduzierter Beton, der mit vulkanischen Bestandteilen angereichert wurde, so 3druck.com. Die Ausmaße der additiv gefertigten Module sind beachtlich: Jedes einzelne Element ist etwa 80 Zentimeter hoch, misst rund einen Meter in der Breite und bringt ungefähr 600 Kilogramm auf die Waage.

Komplexe Formen aus dem Drucker

Der Einsatz von 3D-Druckern bietet bei der Herstellung einen enormen Vorteil. Die Technologie ermöglicht es, ganz gezielt komplexe Geometrien mit verschiedenen Tunneln, Vorsprüngen und Überhängen zu integrieren. Diese verwinkelte Bauweise schafft geschützte Bereiche und spezielle Oberflächen, auf denen sich Korallenlarven und weitere Meeresorganismen optimal ansiedeln können.

Die Bedeutung dieses Eingriffs betonte Dr. Anthony Grehan, ein Tiefseeökologe an der University of Galway und Co-Leiter der Porcupine-Bank-Mission. Er erklärte: "Diese Tiefsee-Korallenriffe bieten einer Vielzahl von Meereslebewesen einen lebenswichtigen Lebensraum, doch viele von ihnen wurden über viele Jahre hinweg geschädigt."

Der Zeitfaktor

Das langsame natürliche Wachstum der Kaltwasserkorallen von nur wenigen Millimetern pro Jahr macht das Problem besonders akut. Eine natürliche Erholung der zerstörten Riffe würde laut den Forschern sonst Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern. Durch die neuen Ausgangstrukturen soll die Erholung der Korallen gezielt beschleunigt werden.

Die ersten Ergebnisse vor Ort seien bereits sehr vielversprechend. Sollte sich der Ansatz als funktionierend erweisen, könnten die neuartigen Methoden bald an weiteren Standorten im Atlantik neue Möglichkeiten eröffnen.