Hochspannung

Graz-Wahl: Schafft es die "KahrPÖ" schon wieder?

© der Plankenauer/Mag. Plankenauer
Elke Kahr vor Platz 1 ++ Aber: ÖVP will zweitgrößte Stadt zurückerobern ++ Grüne & SPÖ drohen Verluste ++ FPÖ skandalgebeutelt
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Man sollte Elke Kahr nicht unterschätzen. Schon als sie 2005 den Job als Wohnbaustadträtin vom KPÖ-Übervater Ernst Kaltenegger übernahm, hatte man den altvaterisch daherkommenden Kommunisten den Absturz vorausgesagt - doch es kam anders. Und auch als Kahr 2021 den angeschlagenen ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl vom Thron stieß, hatten viele im Hinterkopf: Diese wackelige Linkskoalition hält nicht, schon gar nicht angesichts des riesigen Schuldenbergs.

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Nun, der Schuldenberg ist zwar gewachsen, aber nicht so stark wie unter Nagl: Die Dreierkoalition hat gehalten - und alle Umfragen sagen Kahr bei der Gemeinderatswahl am Sonntag erneut einen klaren Sieg voraus.

Listig die Wahl angesetzt

Listigerweise hat die 64-Jährige einen Passus des Stadtstatuts genutzt und die Wahl just an jenen Sonntag gelegt, an dem das Nationalteam um 4 Uhr früh in Kansas City um den WM-Aufstieg kämpft und in Spielberg  der Grand Prix steigt. Das mag so manchen ÖVPler und Blauen von der Wahl abhalten,  Kahr-Fans aber vielleicht nicht, so das - heftig dementierte - Kalkül.

Die Umfragen sind inzwischen aber so klar, dass Kahr Angst hat, ihre Unterstützer könnten fremdgehen, um die Dreierkoalition zu retten - seit Tagen warnt sie davor, auch beim Wahlkampf-Finale am Südtirolerplatz sollte diese Platte aufgelegt werden.

Dreierkoalition könnte Mehrheit verlieren

Grüne Spitzenkandidatin und Vizebürgermeisterin Judith Schwentner. © APA/PETER KOLB
Doris Kampus (SPÖ) während einer Schuldiskussion anl. der Graz-Wahl. © APA/ERWIN SCHERIAU

Doch tatsächlich muss Kahr Angst um ihre Koalitionspartnerinnen haben: Sowohl der Grünen Judith Schwentner als auch der SPÖ mit Doris Kampus drohen Stimmenverluste - dass sich ein erneutes Bündnis nicht mehr ausgeht, ist also durchaus möglich. Außerdem hat Kampus die Latte schon hochgelegt: Sie werden nur weitermachen, wenn sie einen Sitz im Stadtsenat erreicht. Bei erwarteten Werten von 7,5 bis 11,4 Prozent wohl eher ein Wunschtraum.

ÖVP-Hohensinner will wieder Bürgermeister werden

Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ /links) und Stadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP). © APA/ERWIN SCHERIAU

Erster Herausforderer Kahrs ist ohnehin jemand anderer: ÖVP-Stadtrat Kurt Hohensinner. Der betont bei jeder Gelegenheit, Bürgermeister werden zu wollen - schließt aber inzwischen sogar die verpönte Zusammenarbeit mit den Kommunisten Kahrs nicht mehr aus. Mit dem Thema Parkplätze versucht er, zu punkten.

FPÖ diesmal wohl nur Dritte

Bundesparteiobmann Herbert Kickl, Spitzenkandidat René Apfelknab und LH Mario Kunasek (alle FPÖ) anlässlich des Wahlkampfabschlusses der FPÖ in Graz. © APA/INGRID KORNBERGER

Schwer in diesem Wahlkampf hat's die FPÖ. Was verwundert, schließlich stellt sie mit Mario Kunasek den Landeshauptmann. Doch in Graz macht dem neuen Parteichef René Apfelknab nach einem Finanzskandal eine abgespaltene Liste Konkurrenz. Zudem wird seine Partei von einem Antisemitismusskandal erschüttert, zwei Kandidaten wurden mit Funktionsverbot belegt. Zwar kamen FPÖ-Chef Herbert Kickl und Kunasek zur Schlussveranstaltung - alles, was besser als ein dritter Platz ist, wäre allerdings eine Riesenüberraschung.

NEOS nutzen die Gunst der Stunde

Spitzenkandidat Philipp Pointner, NEOS-Klubobmann Yannick Shetty und Landtagsklubchef Niko Swatek anlässlich des Wahlkampfabschlusses der NEOS in Graz. © APA/PETER KOLB

Von der Situation der Dreier-Koalition versuchen indes die NEOS zu profitieren - NEOS-Spitzenkandidat und Gemeinderatsklubchef Philipp Pointner bringt sich, wenn schon nicht als Koalitionspartner, so doch als Mehrheitsbeschaffer ins Spiel.

Dass die NEOS eine Wahlsiegerin Kahr mit Hilfe von ÖVP und FPÖ verhindern, ist indes eine höchst unwahrscheinliche Variante. Somit ist es höchst wahrscheinlich, dass die nächste Bürgermeisterin wieder "die Elke" wird, wie sie in Graz stets genannt wird.