Hitzesommer

Das würde ein Super-El Niño in Europa verursachen

Die aktuelle Hitzewelle in Europa könnte erst der Anfang sein. Ein wachsendes El-Niño-Ereignis würde weitere Hitzewellen im Sommer verschärfen.
OE24 auf Google bevorzugen

Meteorologen warnen: Ein sich entwickelndes El-Niño-Ereignis im Pazifik könnte in diesem Sommer die bereits gefährlichen Hitzemuster in Europa noch verstärken. Dadurch könnten sich die Auswirkungen der frühen Hitzewelle, die bereits Rekorde gebrochen und zu Dutzenden Todesfällen beigetragen hat, noch verschärfen. Die Wetterlage trifft viele Regionen zu einem Zeitpunkt, an dem die Belastung durch hohe Temperaturen ohnehin bereits außergewöhnlich hoch ist.

Laut Experten von "AccuWeather" helfe das Klimaphänomen dabei, die atmosphärische Zirkulation umzuformen und heißere Luft weiter nach Norden bis nach Europa zu bringen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit längerer Hitzephasen an. Der Effekt könnte sogar noch verstärkt werden, wenn das Ereignis zu einem sogenannten Super-El-Niño anwächst, eine seltene und besonders starke Ausprägung, so "Merkur". Der Super-El-Niño ist mit extremeren globalen Wetterschwankungen verbunden.

Rekordhitze in Europa

Die extreme Hitzewelle in Europa sorgt für Rekordtemperaturen in weiten Teilen des Kontinents. Vielerorts steigen die Temperaturen auf über 40 Grad, während Infrastruktur und Gesundheitssysteme an ihre Grenzen geraten. Im Südwesten Frankreichs wurden mehr als 44 Grad Celsius gemessen, zugleich fielen landesweit zahlreiche Monats- und Allzeitrekorde.

In den vergangenen Tagen sind Dutzende Menschen ertrunken, als sie versuchten, sich in Flüssen und Seen abzukühlen. Jährlich sterben allein in Europa laut Schätzungen rund 175.000 Menschen an den Folgen der extremen Hitze.

El Niño beeinflusst das Wetter

Jason Nicholls von "AccuWeather" erklärte, das derzeitige Muster spiegle eine übergeordnete atmosphärische Konstellation wider, durch die sich Wärme an einem Ort festsetzen könne. Er betonte, dass El Niño das Wetter weltweit auf unterschiedliche Weise beeinflusst und die Voraussetzungen dafür schaffen kann, dass ungewöhnlich warme Luftmassen weiter nach Norden gelangen und sich ausbreiten.

Gegenüber Newsweek sagte Nicholls: "El Niño wirkt sich weltweit auf unterschiedliche Weise auf das Wetter aus. In Europa kann El Niño den Jetstream anheben, sodass warme afrikanische und mediterrane Luft nach Norden ziehen und sich ausbreiten kann." Und setzte fort: "Das sehen wir gerade. Was diese Welle so lange anhalten lässt, ist etwas, das wir "Blocking" nennen: Ein Hochdruckrücken staut den Durchzug von Wettersystemen. Es ist wie ein atmosphärischer Damm. Dieser ist besonders stark, und manche in der Region werden erst bis Mitte nächster Woche Entlastung spüren."

Natürlich auftretendes Klimamuster

In Europa treten gewöhnlich die schwersten Hitzwellen erst im Juli und August auf. Weitere Hitzewellen können durch den El-Niño verschärft werden. Er würde die Belastung in einer Phase erhöhen, wo die Temperaturen ohnehin hoch sind.

El Niño ist ein natürlich auftretendes Klimamuster, das im tropischen Pazifik beginnt, wo sich die Meeresoberflächentemperaturen über das Normalmaß hinaus erwärmen. Wissenschaftler verfolgen diese Veränderungen als Teil der El-Niño-Southern-Oscillation, eines Zyklus, der sich typischerweise alle zwei bis sieben Jahre entwickelt. Wenn sich El Niño ausbildet, kann er Wetterverläufe weltweit stören, indem er die atmosphärische Zirkulation verändert und Temperaturen, Niederschläge sowie Zugbahnen von Stürmen auf mehreren Kontinenten beeinflusst. In Europa kann das Verschiebungen des Jetstreams bedeuten.

El Niño kann Klimawandelfolgen verschärfen

Ein El Niño verschärft die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Die Auswirkungen sind mit Dürren und Überschwemmungen in Regionen vor allem auf der Südhalbkugel zu spüren. Für Europa halten sich die Folgen in Grenzen.

Die Oberflächentemperatur an der Pazifikküste Südamerikas sei zwischen Ende April und Mitte Mai auf das Niveau wie in El-Niño-Jahren gestiegen, berichtete die WMO. Zusätzlich komme ungewöhnlich warmes Wasser aus tieferen Lagen hinzu, dessen Temperatur teils sechs Grad über dem langjährigen Durchschnitt liege.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden