Kein Mikrofon/Dialog

Grüner Aumannplatz-Eklat: Bürger abgewatscht

© ÖVP Wien
Hunderte Währinger wollen mitreden und stehen vor einem Saal ohne Mikrofon. Die ÖVP spricht von einer "Farce", die Grünen feiern ihr Projekt als "lebenswerten Platz für alle".
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Chaos im Pfarrsaal St. Gertrud. Bis auf den letzten Platz war er gefüllt, als die Bürgerversammlung zum Aumannplatz stieg. Allein die ÖVP Währing hatte im Vorfeld rund 14.000 Haushalte eingeladen. Das Interesse war riesig, der Ablauf laut Opposition ein Desaster.

Die von ÖVP, NEOS und FPÖ gemäß Wiener Stadtverfassung verlangte Bürgerversammlung ist von Rot-Grün nicht als Dialogveranstaltung, sondern als reine Informations- und Werbeveranstaltung für die bereits seit September bekannten Pläne inszeniert worden, heißt es vonseiten der Wiener Volkspartei.

Demonstration gegen die Pläne. © zVg

"Die Bürgerversammlung verfehlte ihren eigentlichen Zweck völlig", wettert Oliver Möllner, Bezirksvorsteher-Stellvertreter der ÖVP. Die Organisatoren, die Stadt Wien und Bezirksvorsteherin Silvia Nossek von den Grünen, hatten "offenbar keinerlei Interesse" an kostengünstigeren Alternativen oder einem Verkehrskonzept. Sein Urteil: "eine demokratiepolitische Farce, ein organisatorisches Chaos und eine vertane Chance für echten Bürgerdialog".

Kein Mikrofon

Wie es im Saal zuging, schildert Möllner so: "Es gab kein einziges Mikrofon für die Bürgerinnen und Bürger, keine geordnete Moderation und keine funktionierende Diskussionsmöglichkeit. Viele Anwesende mussten quer durch den Saal rufen, um überhaupt gehört zu werden. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger konnten ihre Fragen nicht stellen."

Bürgerversammlung im Saal von St. Gertrud. © St. Gertrud Währing

Auch der Auftritt der Bezirksvorsteherin sorgt für Empörung. Laut ÖVP gab es keine Eröffnung und keine Begrüßung. Nossek betrat die Bühne erst nach mehrfachen Aufforderungen aus dem Publikum. "Wer Bürgerbeteiligung ernst nimmt, stellt sich den Menschen von Beginn an und sucht das Gespräch. Genau dieser Eindruck wurde gestern nicht vermittelt", so Möllner.

Demo-Motto. © zVg

Dieter Granser, Initiator der Bürgerbewegung und Online-Petition, sagt zu oe24: "Die Bürgerversammlung war eine Farce, ein demokratiepolitisches Vesagen und die Emotionen gingen auch hoch." Auf der Online-Plattform haben mittlerweile schon an die 4.000 Personen unterzeichnet: Sie möchten, dass die Pläne der Bezirksgrünen überdacht werden.

Thema verfehlt

Der Titel der Versammlung lautete "Neugestaltung Aumannplatz: Folgen für den Verkehr in ganz Währing und Evaluierung von kostengünstigeren Varianten". Doch genau darüber wurde laut ÖVP gar nicht gesprochen. "Weder wurde ein Verkehrskonzept präsentiert noch wurden kostengünstigere Alternativen vorgelegt oder ernsthaft geprüft", erklären Möllner und Klubobfrau Beate Marx.

Brisant ist ein weiterer Vorwurf: Die MA 28 bestätigte laut ÖVP, dass die Bezirksvorsteherin sie mit keiner Alternativplanung beauftragt hat. "Damit bleibt völlig unklar, welche Varianten überhaupt geprüft wurden." Statt Antworten gab es nach Darstellung der Opposition "Belehrungen und das pauschale Zurückweisen kritischer Anmerkungen".

Neustart gefordert

Die ÖVP zieht die Reißleine. "Die berechtigten Sorgen und Fragen hunderter Bürgerinnen und Bürger wurden ignoriert", sagt Möllner. Die Forderungen: ein Neustart des Projekts, ein Verkehrskonzept, die ernsthafte Prüfung kostengünstiger Varianten und eine "echte Einbindung der Währingerinnen und Währinger".

Die Grünen sehen das völlig anders. Für sie bringt die Umgestaltung ab dem kommenden Frühjahr eine "bedeutende Verbesserung für die Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit", wie Nossek sagt. Aus einem "überdimensionierten Kreisverkehr" wird ein "lebenswerter und klimafitter Platz für alle".

Grüne Oase

Geplant sind unter anderem eine Fußgängerzone auf der Währinger-Straßen-Seite, eine größere Parkfläche, Sitzmöbel, Hängematten und ein Wasserspiel. Dazu kommen eine neue WC-Anlage, neue Parkbeleuchtung und 27 zusätzliche Bäume. Der Radweg der Währinger Straße wird an die Schulgasse angebunden. Fahrbahnanhebungen bei Klostergasse und Vinzenzgasse sollen die Fußwege sicherer machen.

Grünen-Klubobfrau Raphaela Veit versichert: "Wir nehmen die Wünsche der Bevölkerung ernst. Die überwiegende Zahl der Anliegen sind in die Planungen eingeflossen." Die stadteinwärts führende Verbindung von Pötzleinsdorf in die Innere Stadt bleibt erhalten. Eine Verdrängung des Autoverkehrs in die Seitengassen ist laut Grünen nicht zu erwarten. Stadt und Bund fördern das Projekt mit rund 60 Prozent der Projektsumme, den Rest trägt der Bezirk.

Showdown im Frühjahr

Die Fronten sind verhärtet. Die Grünen freuen sich auf den Baustart, denn dann "wird aus einem rundherum von Autos befahrenen Platz ein attraktiver, lebendiger und einladender Ort", wie Nossek und Veit sagen. Die ÖVP will das nicht hinnehmen und fordert weiter den Neustart. Wer sich durchsetzt, entscheidet sich spätestens, wenn im Frühjahr die Bagger auffahren.