Cyber-Attacke

Hacker-Angriff: Pornos liefen zeitgleich auf Werbedisplays

© Getty Images
Unbekannte Täter haben sich weltweiten Zugriff auf digitale Werbetafeln verschafft und mitten im öffentlichen Raum explizite Hardcore-Videos ausgestrahlt. Von Südamerika bis Asien wurden mehrere Länder zeitgleich von der koordinierten Cyber-Attacke getroffen, bis die geschockten Betreiber den Stecker zogen.
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Am vergangenen Dienstag kam es in mehreren Staaten rund um den Globus zu massiven Störungen öffentlicher Anzeigesysteme. Passanten und Autofahrer wurden Zeugen pikanter Szenen, als riesige LED-Wände plötzlich pornografisches Material zeigten.

Die koordinierte Attacke betraf mehrere Kontinente zur gleichen Zeit:

  • Ägypten: Explizite Inhalte liefen mitten im dichten Verkehr auf einer der wichtigsten Hauptstraßen.
  • Brasilien: Im Norden des Landes zeigte ein großflächiger LED-Screen einen nackten Mann.
  • Malaysien: In der Stadt Kluang flimmerten Sex-Videos über ein digitales Billboard.
  • Irak: Ebenfalls von den Störungen und Ausstrahlungen betroffen.
  • China & Iran: Laut Bekennerschreiben wurden auch dort Systeme infiltriert, offizielle Bestätigungen stehen hier noch aus.

Die Betreibergesellschaften reagierten mit Notabschaltungen, um die unautorisierte Übertragung zu stoppen, nachdem unzählige Videos und Fotos der Vorfälle in den sozialen Netzwerken gelandet waren.

Ägyptens Geheimdienst-Firma im Visier der Angreifer

Besonders brisant spielte sich der Vorfall in Ägypten ab: Über der 26.-Juli-Straße (Schari' 26 Yulyu), einer der meistbefahrenen Hauptverkehrsrouten des Landes, war ein explizites Video für Tausende Verkehrsteilnehmer unübersehbar. Das ägyptische Innenministerium sah sich zu einer offiziellen Stellungnahme gezwungen und erklärte, die Internetseite des internationalen Unternehmens sei gezielt attackiert worden, woraufhin die Firma die Übertragung sofort abdrehte.

Recherchen von "The Cairo Report" brachten heikle Details ans Licht: Das betroffene Billboard wird von der Firma Al Arabia betrieben. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture zwischen einem saudischen Medienkonzern und dem Unternehmen United Media Services, welches direkt dem ägyptischen Geheimdienst Gihaz El Mukhabarat El ‘Amma untersteht. Das Netzwerk umfasst fast 2.000 Werbetafeln, wovon 239 als digitale Bildschirme betrieben werden.

Sicherheitslücke öffnete Einfallstor in nur zwei Stunden

Über den Messenger-Dienst Telegram meldete sich kurz nach den Übertragungen eine Gruppierung unter dem Namen "Leakers$" zu Wort. Sie gaben an, die gigantischen Werbeanlagen nach einem simplen, zweistündigen Scan gekapert zu haben. Laut den Hackern hätte diese Aktion "jeder mit zwei Gehirnzellen" ausführen können, da die Steuerungssysteme der Bildschirme über ungeschützte Schnittstellen direkt im Netz hingen.

Die Angreifer machten sich über die fahrlässigen Sicherheitsstandards lustig: Unternehmen würden Millionenbeträge für die Errichtung moderner Infrastruktur verlangen, ließen aber die zentrale Medienverteilung vollkommen ohne Basisschutz online stehen. Neben der Demonstration technologischer Schwächen verband die Hackergruppe die Aktion mit einer direkten Botschaft an das ägyptische Regime: Sie prangerten die Unterdrückung im Land an und warnten davor, dass jeder fähige Angreifer in Echtzeit die Bildschirme im gesamten Land übernehmen könne.

Ermittlungen laufen: Kein Einzelfall in der Werbebranche

In Brasilien drehte der Betreiber der LED-Wand in Campo Maior die Anlage unverzüglich ab, nachdem Anrainer über die Nacktszenen informiert hatten. In Malaysien schaltete sich die Polizei ein, nachdem Bürger Aufnahmen der Anzeigetafel via WhatsApp geteilt hatten.

Ereignisse dieser Art wiederholen sich international: Bereits im Jahr 2023 kam es im Irak zu ähnlichen Vorfällen auf digitalen Billboards, und im Jahr 2022 sorgte eine gehackte Werbetafel in der australischen Metropole Brisbane für internationales Aufsehen.