Cyber-Attacke

Hacker schalten Blutkonserven-Kühlung auf 110 Grad

© APA/dpa/Rolf Vennenbernd
In Frankreich haben Cyberkriminelle die Steuerung von medizinischen Kühlanlagen sabotiert und die Temperatur drastisch nach oben geschraubt. Nur durch ein rasches Eingreifen der Verantwortlichen konnte eine Zerstörung der lebenswichtigen Blutspenden verhindert werden.
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Nach vorangegangenen Zwischenfällen in europäischen Supermärkten geriet in Frankreich nun eine medizinische Einrichtung ins Fadenkreuz von Hackern. Unbekannte Täter manipulierten die Kühlsysteme eines Dienstleisters des französischen Blutspendedienstes. Dabei drangen die Angreifer direkt in die Steuerungseinheiten ein und schraubten die Solltemperatur mehrerer Kühlschränke von eisigen minus 30 Grad Celsius auf extreme 110 Grad Celsius hinauf.

Wie das Medium "l'essentiel" berichtet, bestätigte der französische Blutspendedienst am Mittwoch gegenüber dem Fernsehsender BFM den Vorfall. Betroffen waren insgesamt drei Anlagen eines externen Dienstleisters. Die Betriebstechnik der Kühlgeräte war über das Internet erreichbar und vernetzt, was den Kriminellen das Eindringen aus der Ferne ermöglichte.

Yvon Boutry, Bereichsleiter für Netzwerk und Sicherheit beim IT-Dienstleister Proximus NXT Luxembourg, ordnete die Attacke fachlich ein: "Wenn es jemandem gelingt, sich anstelle der zuständigen Wartungsfirma Zugang zu verschaffen, kann er die Anlagen nach Belieben manipulieren." Laut Boutry handelte es sich bei diesem Zugriff keineswegs um ein hochkomplexes Manöver, sondern vielmehr um das Ausnutzen eklatanter Lücken bei den Sicherheitsvorkehrungen.

Katastrophe für Patienten knapp abgewendet

Hätten die Geräte die eingestellten 110 Grad Celsius über längere Zeit gehalten, wären die gelagerten Blutkonserven unbrauchbar geworden und hätten vernichtet werden müssen. Frédéric Pacoud, der Leiter des französischen Blutspendedienstes, gab jedoch Entwarnung.

Pacoud betonte öffentlich: "Die Sicherheit der Produkte wurde nicht beeinträchtigt." Die Manipulation wurde von den Verantwortlichen glücklicherweise rechtzeitig bemerkt, sodass die lebensrettenden Blutprodukte für Spitals-Patienten vollkommen unbeschädigt blieben.

Internationale Welle von Sabotageakten

Der Vorfall in Frankreich steht nicht isoliert da, sondern reiht sich in eine bedenkliche Serie ähnlicher Angriffe in ganz Europa ein:

  • In den vergangenen Tagen kam es in Supermärkten in Luxemburg, Deutschland, Belgien und weiteren Ländern zu massiven Störungen an gewerblichen Kühlsystemen.
  • Bereits zuvor waren veraltete Kühlanlagen eines dänischen Herstellers in französischen Supermärkten Ziel von Cyberangriffen geworden.
  • Bei diesen Attacken im Lebensmittelhandel wurden enorme Mengen an verderblichen Waren vernichtet, da die Kühlketten unterbrochen wurden.

Alarmierende Sicherheitslücken in der Industrie

Sicherheitsexperten schlagen angesichts dieser Häufung Alarm und weisen auf strukturelle Mängel in der industriellen Infrastruktur hin. Häufig sind ältere Maschinen und Wartungszugänge nachträglich mit modernen IT-Netzwerken gekoppelt worden, ohne über zeitgemäße Schutzbarrieren zu verfügen. Kriminelle können so über das Internet physische Schäden und Störungen in der realen Welt herbeiführen.

Wer hinter dem Sabotageakt auf die Blutkonserven steckt und welche Absichten die Täter verfolgten, ist bislang unklar. Konkrete Hinweise auf eine bestimmte Hackergruppe oder deren Motive liegen den Ermittlungsbehörden derzeit noch nicht vor.