Rekordtemperaturen
Härtestes Weinjahr seit Langem: Wiener Winzer loben Qualität
Das außergewöhnlich heiße und trockene Wetter belastet die heimischen Weinbauern. Die Ernteerträge dürften wetterbedingt deutlich - um 30 bis 40 Prozent - unter dem Wert des Vorjahres liegen, sagt Thomas Podsednik, Geschäftsführer und Leiter der Weingüter Mayer am Pfarrplatz und Rotes Haus in Wien. Dafür erwartet der Winzer heuer eine besonders hohe Qualität.
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Die früher eingesetzte Blüte ist der Grund dafür, dass in Wien die Weinlese bereits dieser Tage begonnen hat. Das ist einen Monat früher als im Vorjahr. Damals allerdings habe man wegen hoher Niederschläge ungewöhnlich spät mit der Lese am Wiener Nussberg begonnen, sagt Podsednik.
Herausforderndes Jahr
2026 sei mit den höchsten Temperaturen der Messgeschichte ein herausforderndes Jahr, "das uns einiges abverlangt", sagt Podsednik. "Hohe Temperaturen und Trockenheit lassen den Ertrag schrumpfen", sie sorgten aber für Trauben mit konzentrierter Frucht und ausgeprägter Aromatik. Podsednik erwartet einen "reifen, ausdrucksstarken Jahrgang mit guter Dichte und harmonischer Säurestruktur".
Diese Einschätzung dürfte grundsätzlich auch für andere heimische Weingebiete zutreffen. Die Ausfälle könnten regional aber auch geringer ausfallen, abhängig vom Ausmaß des Niederschlagsmangels. Weniger trockene Weinbauregionen oder solche mit mehr Bewässerung seien weniger betroffen.
Bewässerung wird immer wichtiger
Bei Mayer und dem Roten Haus wird bisher erst ein sehr kleiner Teil der Rebfläche mit Tröpfchenbewässerung versorgt. Dabei wird Wasser über 24 Stunden nur tröpfchenweise abgegeben. "Wir wollen so gezielt das Tiefenwachstum stimulieren", sagt Winzer Podsednik. Bis 2027 sollen fünf bis sechs Hektar bewässert werden. Bis 2030 will man die bewässerte Fläche auf weitere 20 Hektar ausweiten. Mittelfristig soll dann rund ein Drittel der bald 100 Hektar der Weingüter Mayer und Rotes Haus bewässert sein.
Eine weitere Methode, Hitze und Trockenheit zu begegnen, könnte der Anbau hitzeresistenter Rebsorten sein, etwa aus Italien. Daneben gibt es auch eine Vielzahl weiterer Methoden wie den Einsatz von Gründünger. Man beschäftige sich "intensiv damit, wie wir unsere Weingärten langfristig an trockenere Bedingungen anpassen können und zugleich die Einzigartigkeit unserer Lagen erhalten", sagt Podsednik.
Vergleichsweise gut aufgestellt sieht sich das Weingut Mayer am Pfarrplatz aber vor allem durch die Sortenvielfalt. Sie zeigt sich vor allem im Top-Produkt Wiener Gemischter Satz DAC. Bei dieser traditionellen Anbaumethode wachsen mehrere Rebsorten gemeinsam in einem Weingarten und werden zusammen gelesen und gekeltert. Der Anteil der wichtigsten Sorte darf 50 Prozent nicht übersteigen, der Anteil der drittgrößten Sorte muss über 10 Prozent liegen.
Anteil alkoholfreier Produkte stabil bei 10 Prozent
Alkoholfreier Wein wird immer wichtiger, wenn auch die Zuwächse nicht mehr so stark ausfallen wie in früheren Jahren. Aktuell liegt der Anteil alkoholfreier Produkte bei Mayer und Rotem Haus bei 10 Prozent. Podsednik geht hier weiter von einem leichten stabilen Wachstum aus.
Die Folgen der von den USA verhängten Importzölle hätten sich in Grenzen gehalten. Es sei gelungen, mit einer geschickten Einkaufspolitik negative Auswirkungen sehr gering zu halten. Das Ausmaß der US-Zölle in Höhe von 15 Prozent sei verkraftbar gewesen.
Das Weingut Mayer am Pfarrplatz exportiert rund ein Viertel seiner Produktion. Die USA zählen zu den wichtigsten Exportmärkten. Vor allem an der US-Ostküste würde "Wine from Austria" wegen seiner Fruchtigkeit geschätzt.